Heilung aus dem Teilchenbeschleuniger – 500 Patienten am Berliner Hahn-Meitner-Institut wegen Augentumoren behandelt.

Am Freitag, dem 3. September, wurde die Behandlung des 500. Patienten abgeschlossen, der wegen eines Augentumors mit schnellen Protonen aus dem Teilchenbeschleuniger des Hahn-Meitner-Instituts bestrahlt worden ist.

Seit sechs Jahren setzt man am Ionenstrahllabor des Hahn-Meitner-Instituts Protonen – Kerne von Wasserstoffatomen – zur Therapie von Augentumoren ein. Der Teilchenbeschleuniger, der Teilchenstrahlen für Forschungsarbeiten in Physik, Materialwissenschaften und Medizin liefert, erzeugt auch die Protonenstrahlen für die Therapie. Dieses in Deutschland bisher einzigartige Verfahren macht es möglich, Tumoren im Inneren des Augapfels zu zerstören ohne das umliegende gesunde Gewebe wesentlich zu schädigen. So kann die Sehkraft eines Auges auch dann gerettet werden, wenn der Tumor sich in der Nähe eines empfindlichen Organs – wie dem Ort des schärfsten Sehens – befindet. Größtenteils werden Aderhautmelanome – verwandte des schwarzen Hautkrebses – behandelt, die als bösartige Tumoren nicht nur das Augenlicht, sondern auch das Leben des Patienten gefährden und deswegen auf jeden Fall unschädlich gemacht werden müssen. Die Kapazität des Instituts ist ausreichend für alle Patienten in Deutschland, bei denen die Protonentherapie anderen Behandlungsformen überlegen ist.

Während der Behandlung sitzen die Patienten in einem speziellen Behandlungsstuhl; aufwendige Technik und die physikalischen Eigenschaften der Protonen sorgen dafür, dass der Protonenstrahl seine Wirkung fast nur im Tumor entfaltet. Die eigentliche Behandlung wird an vier aufeinander folgenden Tagen durchgeführt und dauert jeweils rund dreißig Sekunden.

Die Patienten der Augentumortherapie werden medizinisch von Ärzten der Berliner Charité (Campus Benjamin Franklin) und des Universitätsklinikums Essen betreut.

Bildmaterial:

Zyklotron des Hahn-Meitner-Instituts – der Teilchenbeschleuniger, der die schnellen Protonen für die Augentumortherapie liefert. (Blick von oben)
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Der Stuhl, in dem Patienten am Hahn-Meitner-Institut behandelt werden. Seine Position kann Computergesteuert auf Bruchteile eines Millimeters eingestellt werden. JPEG laden (4,3 MB)

Messingblenden, in die die Form des Tumors eingefräst ist. Diese Blenden formen den Querschnitt des Strahls und passen ihn dem Tumor an.JPEG laden (0,4MB)

Anfertigung der Gesichtsmaske für die Tumortherapie.
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Patientin in der Position für die Behandlung
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6. September 2004
Dr. Paul Piwnicki