Wer wissen will, was sich in der Berliner Wissenschaft spannendes tut, sich aber nicht durch dicke Fachjournale mit komplizierten Formeln graben möchte, sollte sich den 2. Juli 2007 vormerken. An diesem Tag findet der Endausscheid zum Kommunikationspreis des Berliner Hahn-Meitner-Instituts (HMI) statt. "Wissenschaftler präsentieren ihre Doktorarbeit" -- damit waren Bewerber angesprochen, die in den vergangenen drei Jahren am HMI ihre Doktorarbeit angefertigt oder an HMI-Anlagen Experimente für ihre Promotion durchgeführt haben. Sie waren aufgefordert, ihre Arbeit allgemeinverständlich darzustellen. Gestifted wird der Preis von der Technologiestiftung Berlin.

Machen Sie es kurz! Machen Sie uns neugierig! Machen Sie es einfach! Erzählen Sie eine Geschichte! so lauteten die Tipps zur Bewerbung. Am besten umgesetzt haben die Aufgabe Paolo Pierobon, Mirko Vogel und Alexander Rack, die in den Abteilungen Theoretische Physik, Heterogene Materialsysteme (Solarenergieforschung) sowie Werkstoffe des HMI geforscht haben. "Verkehrsstau in der Zelle", "Von Solarzellen, ihren tückischen Grenzflächen und wie Forscher sie austricksen" sowie "Zerstörungsfreie Einblicke in kleinste Strukturen: die Natur des Metallschaums, das Leben einer Batterie und die Ästhetik der Bioregeneration" heißen die sehr lesenswerten Kurzdarstellungen der Forschungsarbeiten. Einen Vorgeschmack bieten die Zusammenfassungen am Ende dieser Mitteilung.

Die drei ausgewählten Doktoren müssen nun einen jeweils 15-minütigen Vortrag halten. Die Jury bestehend aus zwei Wissenschaftlern, zwei Pressevertretern und zwei Schülern wird direkt im Anschluss den endgültigen Sieger küren. Am Ende ist vielleicht ein neuer Star der Populärwissenschaft gefunden und so mancher Diplomand im Publikum überzeugt, dass promovieren am HMI Spaß macht.

Die Veranstaltung findet am 2. Juli um 16:00 Uhr im Hörsaal des Hahn-Meitner-Instituts in Berlin Wannsee statt. Sie endet mit einem Empfang bei Imbiss und Getränken. Gäste sind herzlich willkommen, müssen aber aufgrund der Sicherheitsbestimmungen am HMI unbedingt einen gültigen Personalausweis dabei haben.

Hier die Zusammenfassungen der drei für den Endausscheid ausgewählten Arbeiten:

Paolo Pierobon: Verkehrsstau in der Zelle

Aus der Vogelperspektive betrachtet, ist das Straßennetz einer Großstadt beeindruckend. Vor allem wenn Stau herrscht, wird jedem die Transportproblematik bewusst. In einer Zelle ist die räumliche Organisation noch viel komplizierter als in einem solchen Straßennetz: Organellen und Vesikel werden von molekularen Transportern (molekularen Motoren) auf molekularen Autobahnen, den Zytoskelettfilamenten, bewegt. Beeindruckenderweise sind diese Prozesse "nur" von den Gesetzen der Chemie und Physik gelenkt, kein Polizist und keine Ampel regelt den Verkehr. In dieser Arbeit stellten wir uns folgende Frage: Gibt es Staus in Zellen? Und, wenn ja, unter welchen Bedingungen? Nach unserem mathematischen Modell lautet die Antwort: "Ja, es gibt Staus!" Und, wen wundert es, diese kommen durch zu hohes Verkehrsaufkommen zustande. Unser entwickeltes Modell soll dabei helfen, neues Licht auf die Ursache einiger Krankheiten, wie zum Beispiel Alzheimer, zu werfen und die faszinierende Welt des intrazellulären Transports besser zu verstehen.

Mirko Vogel: Von Solarzellen, ihren tückischen Grenzflächen und wie Forscher sie austricksen

Der Klimawandel ist in aller Munde. Grund genug, sich mit ökologischem Solarstrom zu beschäftigen, genauer: mit organischen Solarzellen. Sie sind viel versprechende Kandidaten für eine kostengünstigere Stromerzeugung. Extrem dünn hergestellt, bestehen sie dennoch aus verschiedenen Schichten. Energieverlust droht an den Grenzflächen, wo diese Schichten aufeinander stoßen. Solarzellenforscher untersuchen die Grenzflächen genauer und greifen in die Trickkiste, um sie zu überlisten. Zwei Untersuchungsbeispiele erklären die Rolle der Grenzflächen bei der Stromerzeugung und beantworten unter anderem zwei brennende Fragen: Warum verzehnfacht eine Pufferschicht die Leistungsfähigkeit einer organischen Solarzelle? Wie lässt sich die Struktur der Solarzellenschichten verbessern?

Alexander Rack: Zerstörungsfreie Einblicke in kleinste Strukturen: die Natur des Metallschaums, das Leben einer Batterie und die Ästhetik der Bioregeneration

Das neue Jahrtausend hat eine Frage in den Mittelpunkt gestellt: wie schaffen wir es, den technologischen Fortschritt mit der Schonung der Umwelt in Einklang zu bringen. Eine Antwort darauf ist die Verbesserung von Werkstoffen, z.B. bezüglich ihrer mechanischen Eigenschaften. In dieser Arbeit wurden dafür verschiedene Materialsysteme mittels der weltweit größten Mikroskope untersucht -- Synchrotrons. Die so zerstörungsfrei gewonnenen, dreidimensionalen Bilder der Proben erlauben es, selbst mikrometerkleine Details räumlich sichtbar zu machen und so die Geburt eines Metallschaums oder die Veränderungen in einer Batterie bei der Entladung zu studieren.


25. Juni 2007