Wir müssen über Organisationskultur reden

Jennifer Schewardo

Jennifer Schevardo

Jennifer Schevardo leitet seit Mai 2017 die Arbeitsgruppe „Strategische Personalentwicklung“. Ein wichtiges Ziel ist es, HZB-Mitarbeitende bei ihrer professionellen Weiterentwicklung zu unterstützen. „lichtblick“ sprach mit ihr über das interne Talentmanagement und warum es notwendig ist, an der gesamten Organisationskultur zu arbeiten.

Was hat Sie am Wechsel an das HZB gereizt?

Ich habe zuvor als Referentin in der Helmholtz-Geschäftsstelle zu den Themen Leadership, Talentmanagement und Karriereunterstützung gearbeitet. Im Frühjahr hat sich die Möglichkeit ergeben, ans HZB zu gehen und die Arbeitsgruppe „Strategische Personalentwicklung“ aufzubauen. Mich hat das gereizt, weil ich hier näher an den Menschen dran bin und den Effekt von Personalentwicklungsangeboten direkt beobachten kann. Außerdem finde ich spannend, dass das HZB gerade einen Wandlungsprozess durchläuft. Das bietet viel Gestaltungsspielraum.

Wie ist das HZB in diesem Bereich aufgestellt?

Das HZB ist ein Zentrum, in dem die Qualifizierung von Mitarbeitenden seit vielen Jahren unterstützt wird. Durch die Gründung der Arbeitsgruppe ist die Strategische Personalentwicklung jetzt fest am HZB etabliert. Eine solche Institutionalisierung der Personalentwicklung gibt es nicht an allen Helmholtz-Zentren. Wir sind eine relativ kleine Gruppe, die viele spannende Aufgaben vor sich hat.

Welche Aufgaben gehören dazu?

Unter dem Dach der Arbeitsgruppe werden zurzeit die Promovierenden-Koordination, die Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf- und Familie sowie die Aktivitäten der betrieblichen Fortbildung und des Schülerlabors gebündelt.

Das ist ein weites Gebiet. Wo setzen Sie Schwerpunkte?

Wir werden die Promovierenden-Betreuung am HZB stärken und auch die Qualifizierungsangebote für alle Beschäftigtengruppen ausbauen. Ein neues Thema wird die Karrierebegleitung, die wir für alle Mitarbeitenden anbieten. Wir wollen die Personalentwicklung als Anlaufstelle etablieren, wo sich alle Mitarbeitenden bei Fragen zu ihrer Laufbahn Unterstützung einholen können. Darüber hinaus machen wir auch Angebote an die Führungskräfte, um sie noch stärker  für das Talentmanagement nach innen zu gewinnen,

Kommen neue Aufgaben auf die Vorgesetzten zu?

Nicht unbedingt. Vielmehr möchten wir das Selbstverständnis der Führungskräfte stärken, damit sie Führungsverantwortung als Teil ihrer Arbeit annehmen und sich dafür Zeit nehmen. Führungskräfte sind in der Verpflichtung, ihre Mitarbeitenden in der professionellen Entwicklung zu begleiten. Sie sollten einen Blick für deren Potenzial haben, aber auch ehrlich sein und offen kommunizieren, was für ihre Mitarbeitenden infrage kommt und was vielleicht weniger. Darum ist es so wichtig, dass wir über die Art der Zusammenarbeit hier am HZB, also über die gesamte Organisationskultur sprechen – ein Thema, das auch die Geschäftsführung am HZB aktiv unterstützt.

Wie kann man erreichen, dass sich Führungskräfte verantwortlich für die Karrierebegleitung ihrer Mitarbeitenden fühlen?

Ein wichtiges Instrument dabei sind die Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespräche. Diese Gespräche tragen entscheidend dazu bei, dass sich die Führungskräfte des Potenzials und der Wünsche ihrer Mitarbeitenden bewusst werden. Und sie ermöglichen der Führungskraft, sich Feedback einzuholen, ein Punkt, der im Arbeitsalltag oft untergeht.

Welche Rolle spielt dabei das Telefoncoaching?

Das Telefoncoaching ist ein Unterstützungsangebot in konkreten Situationen, in denen sich Führungskräfte Rat holen wollen. Das Angebot ist sehr niedrigschwellig, man muss lediglich zum Telefonhörer greifen. Idealerweise wird über die konkrete Situation hinaus die Reflexion der Führungskräfte gestärkt. Wir würden uns freuen, wenn sie dadurch motiviert werden, sich konflikthaften Situationen auch wirklich zu stellen.  

Auch das Qualifizierungsprogramm ist ein wichtiger Baustein. Haben alle Mitarbeitenden ein Recht auf Weiterbildung?

Es gibt seit 2007 eine Qualifizierungsvereinbarung. Das ist eine tolle Sache und es lohnt sich, sie nachzulesen. Darin steht: Jeder hat bei einem begründeten Bedarf und nach Zustimmung des Vorgesetzten und der Qualifizierungsbeauftragten die Möglichkeit, an einer Fortbildung teilzunehmen. Das gilt für interne und externe Veranstaltungen und umfasst sogar berufsbegleitende Berufsabschlüsse, die dazu führen können, dass verantwortungsvollere und besser bezahlte Tätigkeiten im Haus übernommen werden.

Das HZB hat Anforderungsprofile für verschiedene Berufsgruppen aufgestellt, die auf der Intranetseite der Personalentwicklung zu finden sind. Welche Rolle spielen sie bei der Qualifizierung?

Die Anforderungsprofile helfen den Mitarbeitenden, selbst einzuschätzen, wo sie beruflich stehen und wo es hingehen könnte. Sie können daraus einen Qualifizierungsbedarf ableiten. Die Anforderungsprofile enthalten implizit das Versprechen des HZB, die Beschäftigten bei der beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen. Kurz gesagt: Die Anforderungsprofile enthalten das Recht, Qualifizierung bei den Führungskräften einzufordern, sie sind aber auch ein Appell an die Mitarbeitenden, ihre mögliche Weiterentwicklung immer mitzudenken.