Photovoltaik: Die unterschätzte Technologie

PVcomB

Solarzelle im Kompetenzzentrum Dünnschicht- und Nanotechnologie für Photovoltaik Berlin (PVcomB)

Nach neuen Untersuchungen kann sich die Solarenergie zum Pfeiler der Stromversorgung entwickeln

Es ist eine Studie, die viel Bewegung in die politische Diskussion bringen dürfte: Der Anteil der Photovoltaik an der weltweiten Energieproduktion wächst wesentlich schneller, als in den bisherigen Prognosen angenommen. Zwischen fünf und sieben Prozent, so lautet bislang die Annahme, wird im Jahr 2050 der Anteil der Sonnenenergie liegen – in Wirklichkeit dürften es allerdings 30 bis 50 Prozent sein. Das ist das Ergebnis einer Studie des MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change), die jetzt im Fachmagazin „Nature Energy“ veröffentlicht wurde.

„Das häufig verwendete Argument, die Energiewende durch Solarenergie sei teuer, stimmt nicht“, sagt Rutger Schlatmann. Der Direktor des „Kompetenzzentrums Dünnschicht- und Nanotechnologie für Photovoltaik“ am HZB beschäftigt sich schon lange mit Lösungen für preiswertere Photovoltaik. „Die Kosten sind in den vergangenen Jahren sehr stark gesunken. Das kommt einerseits durch verbesserte Technologie, andererseits durch größere Produktionsmengen und verbesserte Herstellungsmethoden“, sagt er. Pro Kilowattstunde koste die großskalige Produktion von Solarstrom in Deutschland nur noch sechs Cent, so Schlatmann – mithin weniger als die Erzeugung von Strom aus fossilen Energieträgern wie Öl, Gas oder Kohle. Und das sogar ohne die Folgekosten von Strom aus fossilen Energieträgern zu berücksichtigen.

In der MCC-Studie heißt es, dass der Preis von Solarmodulen bei jeder Verdopplung der Produktion um 20 Prozent sinke. Nötig sei es jetzt, stabilere Netze und größere Speicherkapazitäten aufzubauen. Das sei eine Aufgabe der Politik, die neben diesen technischen Herausforderungen auch vor beachtlichen Möglichkeiten stehe. Die Ergebnisse der MCC-Studie fließen jetzt in den nächsten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC ein und bilden dadurch eine Grundlage für die anstehenden politischen Entscheidungen.

Rutger Schlatmann vom HZB entkräftet auch ein weiteres Argument, das immer noch häufig ins Feld geführt wird: Die Photovoltaikanlagen bräuchten zu lange, um die Energiemenge herzustellen, die ihre eigene Herstellung gekostet hat. „Wenn die Solaranlage in einer sonnigen Region mit Südausrichtung aufgestellt ist“, sagt Schlatmann, „liegt die sogenannte Energierücklaufzeit von unter einem bis zwei Jahren. Aber selbst bei ungünstigeren Bedingungen kommt man auf weniger als vier Jahre.“ Die Lebensdauer von Solarzellen indes betrage 25 bis 30 Jahre.

Die Autoren der Studie warnen vor Fehlinvestitionen und verpassten Geschäftschancen – dieses Risiko bestehe, solange wichtige Akteure wie die Internationale Energieagentur den Beitrag von Solarenergie zum Klimaschutz unterschätzten. „Um in 15 Jahren ein stabiles Stromsystem mit 20 bis 30 Prozent Photovoltaikstrom zu ermöglichen, müssen jetzt die Weichen richtig gestellt werden“, urteilt Robert Pietzcker vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Co-Autor der Studie. Sein Fazit: „Unsere Studie zeigt, dass Photovoltaik sich von einer Nischentechnologie zum Hauptpfeiler einer klimafreundlichen und günstigen Stromversorgung entwickeln kann.“