Den Webauftritt neu denken

Internet Workshop

Wer surft aus welchem Grund auf unsere Webseite? Mitarbeitende haben in zwei Workshops erarbeitet, wie die Internetnutzer auf einer neuen Webseite angesprochen werden müssen.

25.000 Webseiten umfasst der Webauftritt des HZB derzeit. Etwa 200 Webredakteurinnen und -redakteure aus allen Abteilungen des HZB stellen Inhalte auf ihren Institutsseiten bereit. Doch der große Umfang und die weitverzweigte Struktur der Seite machen auch Probleme: nicht jeder findet gleich, was er sucht. Deshalb will die Abteilung Kommunikation die Webseite des HZB neu auflegen. Die Agentur Goldland aus Berlin unterstützt das HZB auf diesem Weg und bringt den Blick von außen ein.  „lichtblick“ fragte bei Hans Florian Müller-Hermelink, Geschäftsführer von GOLDLAND, und Kerstin Berthold, Online-Expertin aus dem HZB, nach, was nun die wichtigsten Schritte sind. 

Wie wird die Seite aktuell genutzt?

Kerstin Berthold: Zwei Drittel der Webbesuche kommen von HZB-Mitarbeitern. Sie suchen Telefonnummern, Infos über Geräte oder den Speiseplan. Ein Drittel der Webbesuche, über 650.000 im Monat, kommt von außerhalb. Die externen Besucher unterscheiden sich erheblich. Es gibt beispielsweise die BMBF-Referentin, die einen groben Überblick über Themen und Strategie braucht, den Nachwuchswissenschaftler auf Stellensuche oder Forschergruppen, die Infrastrukturen aus dem HZB nutzen. Aber auch Nachbarn und Menschen, die sich über die Protonentherapie informieren wollen, besuchen die Webseite.

Was war denn Ihr erster Eindruck vom HZB-Webauftritt?

Hans Florian Müller-Hermelink: Eigentlich handelt es sich um eine aufgeräumte und gut gepflegte Seite, die enorm viele Informationen bietet und mit zwei Millionen Zugriffen im Monat sehr aktiv genutzt wird. Allerdings gibt es viele Optionen in den Menüs und unterschiedliche Einstiegspunkte. Das macht es schwierig, sich rasch zu orientieren.

Wie gehen Sie an die Aufgabe heran, den Webauftritt neu aufzustellen?

Berthold: Goldland hat viel Erfahrung darin, gemeinsam mit seinen Kunden neue Informationsarchitekturen zu entwerfen, die auf die Bedürfnisse der Besucher zugeschnitten sind. Nach einer ersten Bestandsaufnahme haben wir mit Goldland zwei Workshops mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem HZB durchgeführt, um ihre  unterschiedlichen Sichtweisen zu berücksichtigen.

Was haben Sie in den Workshops erarbeitet?

Müller-Hermelink: In den Workshops haben wir die wichtigsten Bedürfnisse und Anforderungen an die Webseite definiert. Dafür arbeiten wir mit „Personas“. Das sind fiktive Besuchertypen, die wir möglichst konkret ausarbeiten: also, was diese Personas auf der HZB-Webseite suchen, wie technisch versiert sie sind, ob sie nur noch das Smartphone nutzen oder lieber den Desktop-PC, ihr ungefähres Alter, ihre Hobbys und sogar ihr Aussehen. Damit haben wir eine sehr anschauliche Vorstellung.

Wozu nutzen Sie diese „Personas“?

Müller-Hermelink: Mithilfe der Personas können wir klarer identifizieren, welche Inhalte in welcher fachlichen Tiefe auf den einzelnen Ebenen angeordnet werden sollten. Dadurch wird die Architektur der Seite viel klarer.

Können Sie mir ein Beispiel geben?

Müller-Hermelink: Wir hatten insgesamt elf unterschiedliche Personas identifiziert: von Celine, 30, die ihre wissenschaftliche Karriere plant, über einen Gutachter, der rasch sehen will, was wer publiziert bis hin zu einem Journalisten, der eine mögliche Story sucht. Da es schwierig ist, mit elf Personengruppen umzugehen, unterscheiden wir inzwischen ganz grob zwischen den „Flaneuren“, die sich einen ersten Eindruck verschaffen möchten, und verschiedenen „Experten“ (Mitarbeiter, Forscher, Industrievertreter), die schon relativ konkret wissen, was sie suchen.

Welche Ergebnisse zeichnen sich ab?

Berthold: Wir müssen die Komplexität reduzieren, um Übersicht und Orientierung zu schaffen. Für die externe Webseite finden wir eine Zweiteilung sinnvoll, zum einen ein bilderstarkes Angebot mit reduziertem Text für die „Flaneure“, um das Image als modernes Forschungszentrum zu vermitteln. Zum anderen aber auch einen betont sachlich-informativen Auftritt für Fachleute. Wir haben uns auch entschieden, Intranet und den externen Webauftritt voneinander zu trennen.

Läuft das Ende auf eine neue Webseite hinaus?

Müller-Hermelink: Ja, dafür hat sich das Projektteam entschieden. Wir erarbeiten nun eine „agile“ Roadmap mit Handlungsempfehlungen. Es wird also keinen einmaligen „Relaunch“ geben, sondern wir wollen den Umbau in verschiedenen Etappen realisieren. Denn ein Relaunch allein ist eigentlich gleich nach dem Start schon wieder dabei, zu veralten. Mit der Roadmap können neue Erfahrungen der vorherigen Schritte mit einbezogen werden.

Woran können wir erkennen, ob die neue Webseite letztendlich erfolgreich ist?

Berthold: Es geht uns nicht darum, nur Klickzahlen zu maximieren. Die Nutzerzahl einer Webseite hat eine natürliche Grenze. Für bestimmte Themen interessieren sich möglicherweise nur einige wenige Experten, aber diese Fachleute sind eben sehr wichtig für uns. Mit der neuen Webseite wollen wir vielmehr erreichen, dass unterschiedliche Nutzertypen sich schnell zurechtfinden und zufrieden mit dem Erlebnis sind.

Die Fragen stellte Antonia Rötger.