Das nahe Ende eines Forschungsreaktors

© HZB/S. Welzel

Ende 2019 wird der Betrieb des BER II eingestellt. Der Rückbau wird wohl mehr als ein Jahrzehnt dauern.

Bis auf den letzten Platz war der Hörsaal auf dem Lise-Meitner-Campus besetzt, als Ende Mai eine Informationsveranstaltung zum Thema »Rückbau des Experimentierreaktors BER II« angeboten wurde. Der stellvertretende Reaktorleiter und Projektleiter für den Rückbau, Stephan Welzel, gab einen Überblick über den Stand der Vorbereitungen. Anlass für die Veranstaltung, die sich an HZB-Mitarbeitende in Wannsee und in Adlershof richtete, war der Grundantrag »auf Stilllegung und Abbau des Berliner Experimentierreaktors BER II«. Diesen hatte das HZB am 24. April 2017 bei der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz eingereicht – ein wichtiger Meilenstein, »mit dem der Rückbau in seiner Planungsphase amtlich offiziell geworden ist«, wie

Thomas Frederking, kaufmännischer Geschäftsführer des HZB, unterstrich. Mit seiner Antragstellung beschreitet das HZB sehr früh den Verwaltungsweg, den ein so aufwendiges Projekt wie der Reaktorrückbau erfordert: Ende 2019 wird der Reaktorbetrieb und die Neutronenforschung nach einem Beschluss des HZB-Aufsichtsrates vom Sommer 2013 eingestellt. Nach einem etwa dreijährigen Nachbetrieb, in dem sich die Kernbrennstäbe noch in der Anlage befinden und abklingen, folgt anschließend der sogenannte Stilllegungsbetrieb. Dann wird der Reaktor tatsächlich abgebaut. »Dafür ist nach dem Atomgesetz eine Genehmigung erforderlich«, so Welzel.

»Wir hoffen, dass wir die Genehmigung während der Nachbetriebsphase bekommen, so dass wir drei Jahre nach Stilllegung des Reaktors loslegen können.« Für den Rückbau hat das Projektteam in den vergangenen Jahren Berechnungen und Konzepte erstellt. Beispielsweise hat es mit Simulationen berechnet, wie stark einzelne Bauteile im Reaktor durch die Neutronen aktiviert worden sind. Das hilft den Projektverantwortlichen, die Art des Abbaus und die Handhabung der zu entsorgenden Reststoffe genau zu planen. Ein anderer wichtiger Aspekt, den es frühzeitig zu planen gilt, ist die Logistik. Dafür sind bereits mehrere Szenarien durchgespielt worden: Eines sieht vor, dass die Anlage nach der Nachbetriebsphase »kernbrennstofffrei« ist, die Brennelemente also in das Zwischenlager

Ahaus abgegeben worden sind. Ebenfalls wird davon ausgegangen, dass ein sogenanntes Pufferlager für die Reststoffe eingerichtet werden kann, in dem mehrere Behälter bis zum gemeinsamen Abtransport aufbewahrt werden können. Ohne ein Pufferlager – auch das ist ein mögliches Szenario – müsste jeder Transportbehälter mit Rückbaumaterial einzeln abtransportiert werden. Eine weitere Variante sieht vor, dass der Rückbau beginnt, noch bevor die letzten Kernbrennstäbe abgegeben sind. »Jedes Szenario erfordert eine andere Herangehensweise bei der Zerlegung der Anlage«, sagt Stephan Welzel. »Sicherheitsrelevante Teile müssen natürlich erhalten bleiben, wenn die Brennstoffe noch in der Anlage sind. Wir wollen auf alle Möglichkeiten vorbereitet sein und müssen dies auch im Genehmigungsverfahren berücksichtigen.«

»Insgesamt wird das Vorhaben bis in die frühen 2030er-Jahre hinein dauern«, schätzt der Rückbauleiter, »wobei es zahlreiche externe Einflussfaktoren gibt, die wir heute noch nicht genau kennen, die aber zeitrelevant sind.« Große Bedeutung kommt deshalb der Öffentlichkeitsarbeit zu. Ina Helms, die Leiterin der Kommunikationsabteilung des HZB, stellte in der Informationsveranstaltung Ideen für eine dialogorientierte Kommunikation und den Projektleiter für die Kommunikation zum Rückbau des BER II, Hannes Schlender, vor. »Wir werden einen Dialog mit allen Anspruchsgruppen und Interessierten aus Politik, Nachbarschaft oder Zivilgesellschaft führen«, sagte Ina Helms. »Das bedeutet, dass wir zuhören und die Wünsche der Beteiligten in den Prozess einfließen lassen«, ergänzt Hannes Schlender.

Beispiele dafür, dass solch eine Offenheit einem Rückbauprojekt förderlich ist, gibt es bereits: Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) hat das Genehmigungsverfahren für den Rückbau seines Forschungsreaktors dialogorientiert durchgeführt. Den Erfolg zeigte die öffentliche Anhörung, die vor Erteilung der Rückbaugenehmigung gesetzlich vorgeschrieben ist. Hannes Schlender war als Gast dabei: »Die beteiligten Bürgerinnen und Bürger haben zu Beginn der Anhörung deutlich gemacht, dass sie zwar inhaltlich in manchen Punkten nicht mit dem HZG übereinstimmen, dass sie aufgrund des Dialogverfahrens trotzdem volles Vertrauen gegenüber dem Zentrum und seinen Verantwortlichen haben. Wenn uns das auch gelingt, ist das ein großer Erfolg.«