"Das HZB ist vielfältiger und internationaler geworden"

Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla

Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla

Anke Kaysser-Pyzalla verlässt das HZB und wird ab Mai 2017 Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig. lichtblick sprach mit der langjährigen wissenschaftlichen Geschäftsführerin über die  Entwicklung des HZB und fragt, was sie dem Zentrum mit auf den Weg gibt.  

Fast neun Jahre haben Sie das HZB geleitet. Was hat Sie 2008 gereizt, nach Berlin zu kommen?

2008 liefen die Vorbereitungen für die Fusion von BESSY und HMI auf Hochtouren. Diese Umstrukturierung zu managen und neue Perspektiven aufzuzeigen, war für mich eine äußerst spannende Herausforderung. Gleichzeitig gab die Fusion den Spielraum, neue Themen aufzugreifen. Ich kannte das HMI gut und auch BESSY aus einigen Gremien, deshalb wusste ich: Hier arbeiten hervorragend qualifizierte und engagierte Menschen, mit denen man gemeinsam viel bewegen kann.

In den letzten beiden Jahren haben Sie die HZB-Strategie weiterentwickelt und viele Maßnahmen auf den Weg gebracht. Warum gehen Sie gerade jetzt?

Nach intensiven internen Diskussionen im gesamten HZB und insbesondere mit den leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben wir die Strategie des HZB weiterentwickelt und damit die Weichen für die Zukunft gestellt. Die Perspektivkommission hat die Strategie des HZB begutachtet und unterstützt, genauso wie der WTR, der wissenschaftliche Beirat des HZB, die Gremien der Helmholtz-Gemeinschaft und die Zuwendungsgeber im BMBF und im Land Berlin. Die Leitungsfunktionen des HZB sind mit hervorragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besetzt. Zusätzlich konnten wir im letzten Jahr exzellente Nachwuchsgruppenleiterinnen und-leiter  auch aus dem Ausland gewinnen, die für die Umsetzung unserer strategischen Ziele einstehen. Die Administration, IT und das Facility Management haben den Anspruch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des HZB und die Nutzenden bestmöglich zu unterstützen und dazu leistungsfähige Strukturen und Prozesse etabliert. Mit anderen Worten: Das HZB ist sehr gut aufgestellt. Mit diesem Wissen fiel mir die Entscheidung leichter, mich jetzt neuen Aufgaben zuzuwenden.

Nun können Sie nicht mehr unmittelbar miterleben, wie die Strategie weiter umgesetzt wird. Finden Sie das nicht schade?

Doch, ich wäre gern noch etwas länger geblieben und hätte die Vollendung von bERLinPro und BESSY VSR sowie der Infrastrukturen für die Energie-Material-Forschung und den Rückbau des BER II gerne weiter mitgestaltet. Aber ich bin eben gerade jetzt auf die neue Aufgabe als Präsidentin der TU Braunschweig angesprochen worden. Hinzu kommt, dass ich vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer empfohlen habe: Nach zirka zehn Jahren sollte man mal etwas anderes machen. Das gilt natürlich auch für mich selbst.

In Ihrer Zeit am HZB ist viel passiert:  Was war rückblickend die größte Herausforderung?

Es gab nicht eine, sondern wirklich viele Herausforderungen. Bei der Fusion galt es, die Balance zwischen unterschiedlichen Interessen zu halten. Wir wollten neue Themen und Strukturen einführen und gemeinsam eine konstruktive Arbeitskultur etablieren. Das ist letztendlich gelungen, denn viele Mitarbeitende - auch aus der Administration und der Infrastruktur – waren bereit, neue Aufgaben und Themen zu übernehmen.  Entscheidend war auch, dass wir zur richtigen Zeit sehr gute Leute für das HZB gewinnen und halten konnten, die das Zentrum nun aktiv mitgestalten.

Nicht zuletzt war es eine große Herausforderung, für die zentralen strategischen Ausbauprojekte des HZB – unter anderem BESSY VSR, bERLinpro und EMIL – zusätzliches Geld einzuwerben sowie Kooperationspartner zu gewinnen. Heute nehmen wir einen starken Platz in der Helmholtz-Gemeinschaft ein. Dass das HZB sich so stark und positiv entwickelt hat, liegt auch an der hervorragenden Unterstützung des Landes Berlin sowie der konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Bundesforschungsministerium und den Helmholtz-Präsidenten. Auch auf die große Unterstützung der Berliner Universitäten können wir zählen.

Hat sich das HZB auch kulturell verändert?

Auf jeden Fall. Wir haben viel erreicht bei der Familienfreundlichkeit und der Förderung talentierter Frauen. Auch das durchschnittliche Alter der Führungskräfte ist gesunken. Das HZB ist in den letzten Jahren viel internationaler und vielfältiger geworden. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden freundlich am HZB empfangen, und es gibt ein hohes Verantwortungsgefühl für den Nachwuchs. Das Arbeitsklima ist kollegial. Dadurch ist es gelungen, hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu halten, die international sehr gefragt sind. Das ist, wie auch das etablierte Projektmanagement  Voraussetzung dafür, dass wir heute große Projekte in der Beschleunigerforschung realisieren können. Mit den Universitäten und Hochschulen verbinden uns heute viele gemeinsame Berufungen, Strukturen für die Forschung wie auch Graduiertenschulen. Darüber hinaus engagieren sich viele Mitarbeitende in der Lehre. Damit ist das HZB heute ein interessanter Partner in der Region und darüber hinaus.

 Was hätten Sie gern noch weiter vorangetrieben?

Ich hätte in den kommenden Jahren die Sanierung und Modernisierung des Lise-Meitner-Campus gern intensiv vorangetrieben.

Was geben Sie dem HZB auf den Weg?

Das HZB kann mit dem Rückenwind der Perspektivkommission und des Aufsichtsrates seine Strategie weiter umsetzen und das Portfolio in der Energie-Materialforschung verbreitern, BESSY VSR ehrgeizig realisieren und massiv an der Konzeption für BESSY III arbeiten, es kann Karrierechancen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf verschiedenen Ebenen schaffen und talentierte Forscherinnen und Forscher gewinnen und fördern.

Was reizt Sie an der neuen Aufgabe als Präsidentin der TU Braunschweig?

Präsidentin einer Universität mit hervorragendem Ruf zu werden, war für mich schon immer eine attraktive Option. Die Universität Braunschweig kenne ich gut und bin von ihrer Leistungsfähigkeit sehr beeindruckt wie auch von der Kultur guter Zusammenarbeit, die in Begutachtungen immer wieder sichtbar wurde. Zudem gibt es viele fruchtbare Kooperationen mit Partnern aus der Forschung wie zum Beispiel der PTB, dem HZI, dem DLR und dem Georg-Eckert-Institut, wie auch mit erfolgreichen, teilweise international agierende Unternehmen. Die TU Braunschweig ist nicht nur in den Ingenieur- und Naturwissenschaften stark, sondern auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Dieser spannende, breitere Fächerkanon hat für mich einen besonderen Reiz. Auch die Interaktion mit den Studierenden, die komplexe Organisation einer Universität und die Zusammenarbeit mit der Stadt Braunschweig bieten spannende neue Perspektive.

Werden Sie Berlin und die Hauptstadtregion vermissen?

Die Kolleginnen und Kollegen, speziell meinen Kollegen Thomas Frederking, mit denen ich gern und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, und auch meine Freundinnen und Freunde hier in der Region werde ich sicher vermissen. Ich habe hier sehr gerne gewohnt, aber auch Braunschweig bietet viel Lebensqualität. Auch für mein Hobby, das Radfahren, ist die Region ideal, denn der Harz liegt fast vor der Haustür.

Die Fragen stellten Ina Helms und Silvia Zerbe.