Promovieren in Graduiertenschulen am HZB

Graduiertenschule MatSEC von Frau Prof. Dr. Susan Schorr im Juni 2015

Teilnehmer MatSEC Graduiertenschule © HZB/S. Kodalle

Vor drei Jahren ging die erste Graduiertenschule des HZB in den Start

Ein paar Minuten nur dauerte es, bis der Blick auf den winterlichen See in Chorin fast in Vergessenheit geriet: Da standen sie im Saal, die Promovierenden aus der Graduiertenschule MatSEC und ihre Betreuerinnen und Betreuer, die allesamt verbunden sind durch ein gemeinsames Thema. Mit Kesteriten befassen sie sich, einem Absorber-Material für Dünnschichtsolarzellen – und sofort kam bei dem Klausurtreffen mitten in der Natur die Diskussion in Gang. „In dem Moment sah man, dass die Graduiertenschule wirklich einen Mehrwert hat“, erinnert sich Gabriele Lampert, die als Doktorandenkoordinatorin das Treffen organisiert hatte – „das war ausgesprochen inspirierend!“

Anderthalb Jahre liegt dieses Forschungskolloquium inzwischen zurück, es war für die Promovierenden eine wichtige Zwischenstation in ihrer Forschung. „Da ging es inhaltlich richtig zur Sache, weil die ersten Ergebnisse der Doktorandinnen und Doktoranden schon vorlagen. Dadurch wurde der Austausch sehr konkret“, sagt Gabriele Lampert. Die Kolloquien im halbjährlichen Rhythmus gehören zum Kern der Graduiertenschulen. MatSEC (Materials for Solar Energy Conversion) war die erste dieser Art am HZB, sie startete im Sommersemester 2013. Inzwischen gibt es drei weitere Graduiertenschulen unter dem Dach des HZB – und bis zum Jahr 2019, das ist erklärtes Ziel, soll die gesamte Doktorandenausbildung in Graduiertenschulen stattfinden.

Die Vorteile für die Promovierenden liegen auf der Hand: Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die zu einem ähnlichen Thema arbeiten, bringt sie häufig auf neue Ansätze und Ideen. Zudem besteht eine eigenständige Säule des Programms aus Soft-Skill-Kursen – darin geht es um gute Präsentationen, aber auch um das effiziente Lesen von Fachliteratur und die Erstellung von ansprechenden Postern über die eigene Arbeit. Von den Graduiertenschulen profitieren indes nicht nur die Promovierenden, sondern auch das HZB selbst. Eine klassische Win-Win-Situation, urteilt Susan Schorr, die Sprecherin von MatSEC: „Die Doktoranden tragen zu unseren Forschungsergebnissen bei, ganz klar.“ Schorr hat das Konzept für die Graduiertenschule MatSEC erarbeitet und selbst mehrere Doktoranden betreut. Ihre Erfahrung ist durchweg positiv: „Am Anfang ist der Betreuungsaufwand natürlich größer, aber er wird stückweise immer geringer“, sagt sie. Die Ergebnisse der Arbeit überwögen in jedem Fall. Und nicht zu vernachlässigen sei auch der Imagefaktor – die Wahrnehmbarkeit des HZB in Fachkreisen nehme dank der Graduiertenschulen zu.

Mit einer positiven Nebenwirkung für ihre persönliche Arbeit hat Susan Schorr anfangs nicht gerechnet: „Es ist gelungen, zwei Theoriegruppen von der Freien Universität und der Humboldt-Universität mit in die Forschung einzubinden“, sagt sie. In Bereichen wie etwa der Modellierung von Kristallstrukturen hätten die Universitäten eine größere Expertise als das HZB. Die Verbindung von praktischer Forschung und Theorie habe die Arbeit spürbar bereichert.

Die Themen der Graduiertenschulen entwickeln sich aus den Stärken des HZB. „Ich überlegte mir, was wir gut können – bei MatSEC war das zum Beispiel die Kombination aus Photovoltaik als inhaltlichem Schwerpunkt und der Arbeit mit Großgeräten auf der analytischen Seite“, erläutert Susan Schorr. Bei MatSEC sind jetzt die ersten von insgesamt 17 Doktorandinnen und Doktoranden fertig geworden, die übrigen sind in der Schlussphase ihrer Arbeit. Für die zweite Runde, die jetzt startet, laufen die Ausschreibungen. Die ersten neuen Promovierenden haben bereits ihre Arbeit aufgenommen. Die Thematik in MatSEC ist jetzt bewusst weiter gefasst als im ersten Durchgang: Die konkreten Angebote bewegen sich im Bereich von Halbleitermaterialien mit größerer Bandlücke für die solare Energiewandlung, aber auch Thermoelektrika.

Unverändert soll allerdings die enge Zusammenarbeit innerhalb der Graduiertenschule bleiben. „Die halbjährlichen Kolloquien haben sich als ideal erwiesen“, bilanziert Gabriele Lampert: „Bei 16 Promovierenden kann jeweils die Hälfte über ihre Arbeit und ihre Fortschritte berichten, die andere Hälfte ist dann beim nächsten Treffen dran.“ Unterhalb dieser offiziellen Struktur mit den Kolloquien hat sich nach ihrer Beobachtung rasch ein informeller Austausch etabliert, bei dem sich die Doktorandinnen und Doktoranden direkt ansprechen, wenn sie auf der Suche nach Impulsen sind oder sich gegenseitig weiterhelfen.