Geistiges Eigentum und Open Access in Journal-dominierten Wissenschaften
oder: wie sichern Wissenschaftler den Zugang zu den eigenen Forschungsergebnissen?
Kernpunkte aus einem Vortrag von S. Grossmann (Universität Marburg)
im Offenen Workshop des "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft e.V.",
HU Berlin, 11.12.2008
Wissenschaftliche Erkenntnis - durch das Urheberrecht geschützt?
Der Prozess des Erkennens in den Wissenschaften geschieht in einem Umfeld
- ist eingebettet in den jeweiligen Erkenntnisstand
- bedarf der Verbreitung und des Austauschs neuer Ergebnisse
- erfolgt in Kooperation und Vernetzung
Eine Behinderung der Vernetzung ist forschungshemmend.
Der Bibliotheksinfarkt am Beispiel der Universität Marburg:
- in den 80er Jahren gab es 250 Zeitschriften
- seitdem starke jährliche Preissteigerungen bei stagnierenden Haushalten
- Abbestellungen von 10 - 20 Zeitschriften pro Jahr
- Bestand 2008: gut 50 Zeitschriften (8 e-only)
Wissenschaftlern geht es um Priorität und Anerkennung für ihre Leistung, nicht um Eigentum, Verwertung und rechtlich geschütztes Urhebertum.
Das Urheberrecht schützt in der Praxis die Verwerter der wissenschaftlichen Erkenntnis.
Die Verwerter schließen in der Praxis mit Hilfe des Urheberrechts die "wahren Urheber" vom Ergebnis ihrer Arbeit aus: sie können die eigenen Arbeiten nicht ohne weiteres einsehen. Und sie können ihre eigenen Arbeiten nicht ungehindert verbreiten.
Schützt das Urheberrecht nicht die Interessen der Wissenschaftler, müssen sie sich selber helfen.
Ansätze für Auswege aus dem Dilemma
durch Änderungen im gegenwärtigen System
- Verlage bieten ihre Zeitschriften im verbilligten Paket an
- aber der Preis fällt nur pro Zeitschrift, der Paket-Preis ist absolut höher als der Preis für benötigte Abonnements
- durch DFG-finanzierte Nationallizenzen
- Skepsis über die Preisentwicklung dort
- Open-Access-Zeitschriften
- noch Unklarheit über die Bedeutung von Kostenersparnis oder Kostenverlagerung
Warum übertragen Wissenschaftler trotz allem "ausschließliche Nutzungsrechte" an Verlage
- Zeitschriften werden als Markt für einen gezielten Informationsaustausch gesehen
- Qualitätskontrolle durch Referees als Mehrwert
- es geht um Zitierfähigkeit
- es geht um einen Gradmesser für die Anerkennung (impact, citation rate, h-index)
- die Rechteübertragung geschieht in der Hoffnung auf einen Wettbewerbsvorteil
Wissenschaftler-Lösungen
- stellen ihre Artikel in Archive ein
- stellen ihre Artikel individuell online
- tauschen ihre Artikel aus
- kooperieren nicht mit Verlagen, zu deren Zeitschriften kein Zugang existiert
- ignorieren nicht zugängliche Zitate (schlechteste Lösung)
Es fehlt eine als einfach empfundene Lösung: das unveräußerliche "Grundrecht von Autoren", ihre Ergebnisse unabhängig von einer Veröffentlichung öffentlich zugänglich (open access) machen zu können.