Autoren treten manchmal an die Bibliothek heran mit der Frage, ob nicht die Bibliothek Publikationsgebühren aus ihrem Haushalt bezahlen könne. Hier wird versucht, Ihre Fragen dazu zu beantworten - und auch neue Fragen, die sich beim Open-Access-Publizieren ergeben.
Es kommt durchaus vor, dass Verlage den Autoren Kosten für das Veröffentlichen in ihren Zeitschriften berechnen. Die Zahl solcher Fälle ist jedoch nicht allzu groß und die anfallenden Kosten sind in der Regel nicht erheblich, wenn man sie mit den Kosten der eigentlichen Forschung vergleicht, die zur Veröffentlichung ansteht.
Publikationsgebühren können in verschiedener Weise entstehen, insbesondere durch den Aufwand bei Farbabbildungen, aber auch etwa bei späten Wünschen der Autoren nach Änderungen im Text oder bei Einreichung von Manuskripten in unzureichender Form. Weniger häufig sind heute Publikationsgebühren, wie sie früher von Zeitschriften der American Physical Society generell als page charges erhoben wurden, um Autoren an den allgemeinen Kosten der Zeitschrift zu beteiligen - bei Phys. Rev. Letters gibt es sie aber noch (Stand September 2011).
Diese Gebühren sind Kosten für das Publizieren von Forschung und sind im HZB bzw. früher im HMI schon immer aus den Forschungsetats bezahlt worden.
Sie sind wohl zu unterscheiden von Kosten, für die der Literaturhaushalt der Bibliothek bestimmt ist: der dient der Beschaffung von Literatur, aber nicht dem Erzeugen von Literatur.
Die Bibliothek leistet durchaus Hilfe beim "Erzeugen von Literatur", etwa bei der Veröffentlichung als HZB-Bericht und bei der Vergabe von doi-Nummern. Klassische Publikationsgebühren sind aber von ihrem Sinnzusammenhang und auch vom Umfang her gut bei den Forschungsetats aufgehoben.
Soll der Zugang zu Literatur offen sein und nicht von der Bezahlung von Lizenzgebühren abhängen, ergeben sich neue Finanzierungsmodelle für das Publizieren. Das einfachste und derzeit häufigste Modell besteht darin, die Kosten für die Publikation den Autoren bzw. ihren Institutionen in Rechnung zu stellen.
Es gibt dabei zwei unterschiedliche Modellversionen:
Das hybride Modell (Punkt 1) wird von vielen skeptisch gesehen, da es mit "doppelten Kosten" arbeitet: Bibliotheken müssen für den Zugang die Zeitschrift lizensieren und zusätzlich wird "für andere" bezahlt, damit die auch ohne Lizenz Zugang zu Einzelartikeln haben.
Das zweite Modell dagegen erfüllt die Forderung nach einem offenen Zugang zu Ergebnissen öffentlich geförderter Forschung, der sich auch die Helmholtz-Gemeinschaft mit Entschiedenheit angeschlossen hat.
Im zweiten Modell wird der Zugang zum Inhalt der Zeitschrift tatsächlich über die Publikationsgebühr bezahlt - nicht finanztechnisch, aber bei Würdigung des Open-Access-Geschäftsmodells -, die oben genannten prinzipiellen Einwände gegenüber einer Übernahme durch die Bibliothek bestehen daher nicht. Es sind derzeit Gespräche darüber im Gang, wie dieses Modell (Punkt 2) realisiert werden kann. Das Ziel von Open Access ist zu wichtig, um sich von Anfangsschwierigkeit entmutigen zu lassen:
Wir werden Sie hier informieren, wenn es im Haus neue Vereinbarungen und Regelungen dazu gibt.