02.10.2012

Augentumortherapie: 2000. Patient behandelt

Patient während der Behandlung mit hochenergetischen Protonen

HZB und Charité laden zum Festkolloquium

Die Diagnose ist ein Schock: 500 bis 600 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an einem malignen Aderhautmelanom. Dieser Augentumor kann das Sehvermögen kosten – und sogar tödlich enden. Die gute Nachricht: Jedes dritte Aderhautmelanom lässt sich durch eine Protonentherapie behandeln, die das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) seit 1998 gemeinsam mit der Charité anbietet. Vor kurzem wurde der 2.000. Patient am HZB Wannsee behandelt. Dieses Ereignis würdigen HZB und Charité gemeinsam mit einem Festkolloquium

am 11. Oktober 2012, ab 10 Uhr auf dem Lise-Meitner-Campus (Hahn-Meitner-Platz 1, 14109 Berlin) im Hörsaal des HZB.

Die Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, Cornelia Yzer, wird anlässlich des Festkolloquiums ein Grußwort sprechen. Vertreter der Medien sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen.

Die Protonentherapie von Augentumoren ist eine spezielle Art der Bestrahlung und wird in Deutschland nur am HZB angeboten: Sie erfordert hochenergetische Protonen, wie es sie momentan nur am Standort Wannsee gibt. Auch aus den Nachbarländern kommen immer wieder Patienten an die Augenklinik und die Klinik für Strahlentherapie am Campus Benjamin Franklin der Charité. Betreut werden sie dort von einem Team aus Medizinphysikern, medizinisch-technischen Radiologieassistenten, Strahlentherapeuten und Augenärzten. Die HZB-Kollegen – Physiker, Ingenieure und Techniker – sorgen dafür, dass die Bestrahlungsanlage während der rund elf Therapiewochen im Jahr stets optimal läuft.

„Die hohe Qualität sowohl des Protonenstrahls als auch der medizinischen Betreuung sind wichtig für den Erfolg der Therapie“, sagt Senatorin Cornelia Yzer: „HZB und Charité sind mit dieser Partnerschaft vorbildlich in Deutschland.“ So können sich die Erfolge sehen lassen: In mehr als 97 Prozent der Fälle wird der Tumor vollkommen zerstört und in vielen Fällen die Sehkraft erhalten. Auch Irismelanome und gutartige Gefäßfehlbildungen lassen sich durch die Protonentherapie hervorragend behandeln. Ob die Methode geeignet ist, hängt immer von der Lage und Größe des Tumors ab.

„Wir freuen uns, dass das HZB diesen Beitrag zur erfolgreichen Strahlentherapie leisten kann“, sagt Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla, wissenschaftliche Geschäftsführerin des HZB: „es ist eine große wissenschaftliche Herausforderung, die Beschleunigertechnologie und z.B. die Positioniergenauigkeit zum Wohle der Patienten immer weiter zu verbessern.“ So wird heute beispielsweise wesentlich weniger Energie verbraucht als zu Beginn der Protonentherapie, die Messgeräte sind empfindlicher geworden, die Strahldiagnose hat sich verbessert.

„Gegenüber anderen Formen der Strahlentherapie wie Photonen- hat die Tumortherapie mit Protonen zahlreiche Vorteile:“ erläutert Frau Prof. Dr. Joussen. „Die Protonenstrahlung erreicht erst am Ende ihres Laufweges ihr Dosismaximum, dann fällt die Strahlendosis rasch auf Null. Die Teilchenenergie lässt sich bei entsprechender Lage des Aderhautmelanoms also so wählen, dass nur der Tumor Strahlung abbekommt, das dahinterliegende Gehirn aber nicht. Auch die seitliche Streuung der Protonenstrahlen ist wesentlich geringer als die von Photonen- oder Elektronenstrahlung. Bei der Protonentherapie wird somit der Tumor effektiv getroffen, gesundes Gewebe dagegen weitgehend geschont.“

Die Charité zählt zu den größten Universitätskliniken Europas. Hier forschen, heilen und lehren Ärzte und Wissenschaftler auf internationalem Spitzenniveau. Über die Hälfte der deutschen Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie stammen aus der Charité, unter ihnen Emil von Behring, Robert Koch und Paul Ehrlich. Weltweit wird das Universitätsklinikum als ausgezeichnete Ausbildungsstätte geschätzt. Der Campus verteilt sich auf vier Standorte, zu denen über 100 Kliniken und Institute, gebündelt in 17 CharitéCentren, gehören. Mit 13.000 Mitarbeitern erwirtschaftet die Charité mehr als eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr und ist damit einer der größten Arbeitgeber Berlins.

Im Jahr 2010 konnte die Charité auf eine 300-jährige Geschichte zurückblicken und hat ihr Jubiläum Charité 300 würdig begangen.


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