25.06.2013

Helmholtz-Zentrum Berlin stellt Weichen für die Zukunft - Nach zirka 60 Jahren erfolgreicher Neutronenforschung in Berlin soll der Einsatz des Forschungsreaktors BER II 2020 enden

Blick auf das 2011 neu verkleidete Reaktorgebäude

Der Aufsichtsrat des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) beschloss auf seiner Sitzung am 25. Juni, den Wissenschaftsbetrieb am Forschungsreaktor BER II bis zum 1.1.2020 fortzuführen. Danach soll der Betrieb der Neutronenquelle eingestellt werden. „Mit der frühzeitigen Mitteilung eines Abschalttermins wollen wir sowohl den wissenschaftlichen Nutzern des BER II als auch der Geschäftsführung des HZB Planungssicherheit geben, damit sie nun die Weichen für eine erfolgreiche Neuausrichtung der Forschung stellen können", sagt Prof. Joachim Treusch, Aufsichtsratsvorsitzender des HZB. Er betont, dass bis zu diesem Zeitpunkt die in der aktuellen Begutachtung als hervorragend bewerteten Instrumente des BER II optimal genutzt werden sollen.

Prof. Anke Kaysser-Pyzalla, die wissenschaftliche Geschäftsführerin des HZB betont: „Die kommende Abschaltung des BER II ist Teil unseres Zukunftsprogramms, in dem beide HZB-Standorte - sowohl Wannsee als auch Adlershof - eine tragende Rolle spielen werden.“ Als Neutronenquelle hat der BER II in den vergangenen Jahren zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt nach Berlin gelockt. Mit seinem erfolgreichen Betrieb hat er dem HZB - bis 2009 dem damaligen Hahn-Meitner-Institut - zu großem Ansehen verholfen. „Nach 2020 fokussieren wir uns auf die Forschung mit Photonen und den Ausbau unserer Energieforschung“, erläutert Anke Kaysser-Pyzalla die Zukunftspläne.

Mit den in den vergangenen drei Jahren getätigten Investitionen hat das HZB dafür gesorgt, dass sowohl die externen Nutzer als auch die HZB-Wissenschaftler bis zum Ende der Laufzeit des BER II hervorragende Experimentierbedingungen vorfinden und der BER II bis zuletzt sicher und auf dem neuesten Stand betrieben werden kann.

Im Mittelpunkt des Zukunftskonzepts steht nun die Ausrichtung des HZB zu einem modernen Energieforschungszentrum mit Schwerpunkt Materialforschung. „Als erfolgreicher Betreiber von wissenschaftlichen Großgeräten werden wir dafür die Photonenquelle BESSY II weiterentwickeln und mittelfristig auch die Planungen für ein Nachfolgegerät  BESSY III vorantreiben.“ Es sei denkbar, dass dieses in Wannsee errichtet wird. Zugleich sind für Wannsee aber auch Planungen für eine weitere Nutzerfacility im Gange. Diese soll sich speziell an Forscherinnen und Forscher aus dem Bereich Erneuerbare Energien richten.

„Mit unserer Dünnschichttechnologie im Bereich Photovoltaik gehören wir jetzt schon zu den führenden Standorten in Europa. Diese Expertise wollen wir in Zukunft auf eine noch breitere Basis stellen“, sagt Anke Kaysser-Pyzalla.

Bereits im vergangenen Jahr wurde am HZB unter Leitung von Prof. Roel van de Krol ein neues Institut für Solare Brennstoffe gegründet. Und im August folgt an der Photonenquelle BESSY II die Grundsteinlegung für den Bau einer weltweit einzigartigen Laboranlage für die Energieforschung – genannt  EMIL, Energy Materials In-Situ Laboratory Berlin.

Hier sollen in Zukunft mit Röntgenanalytik Materialien für die Photovoltaik und - gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft - für photokatalytische Prozesse untersucht werden. Nach Fertigstellung des Anbaus an BESSY II wird man wie nirgendwo sonst auf der Welt die Materialherstellung und die ultrapräzise Analyse von Schichteigenschaften so miteinander verbinden können, dass das für die Synthese notwendige Vakuum nicht unterbrochen werden muss.

Mit seinen Zukunftsinvestitionen wird das Helmholtz-Zentrum Berlin zu einem wichtigen Motor der Energiewende werden, ist Anke Kaysser-Pyzalla überzeugt: „Die Technologien für die dafür notwendige Grundlagenforschung haben wir. Ebenso erschließen wir die Möglichkeiten, gewonnene Erkenntnisse  technologisch umzusetzen. Und wir verfügen über exzellent ausgebildete und hoch motivierte Menschen, die mit Freude und Enthusiasmus Spitzenwissenschaft betreiben.“

Informationen zum Zweck der Neutronenforschung am Berliner Forschungsreaktor auch auf YouTube:

Die Neutronenforscher (5 Minuten)

Alles Wichtige über den BER II in zwei Minuten

IH