Karthik Paithankar redet wie ein Wasserfall. In den Worten perlen die rollenden Rs und dazwischen huscht immer wieder ein kleiner Lacher. Man muss Karthik nicht lange kennen, um zu wissen: Das ist ein fröhlicher Mensch.
Der 32-jährige ist in der südindischen Millionenstadt Madras, die heute Chennai heißt, aufgewachsen. Seine Familie aber stammt aus Westindien, aus der Nähe von Mumbai. Deswegen ist er mit drei Sprachen aufgewachsen: Mit seinen Eltern und seinem Bruder spricht er seine Muttersprache Marathi, die in West- und Zentral-Indien verbreitet ist. Tamil hat er bei seinen Freunden und in der Schule in Madras gelernt. Mit Dialekten lassen sich diese Sprachen nicht vergleichen: „Die sind sich ungefähr so nah wie russisch und dänisch“, sagt er. Englisch, das in Indien neben Hindi Amtssprache ist, hat er in der Schule gelernt – dort wird ausschließlich in dieser Sprache unterrichtet. Er hat in Madras studiert, erst Physik, dann setzte er noch einen Master in Biophysik drauf. Es folgte ein Jahr an dem Indian Institute of Science in der Hightech-Hochburg Bangalore. Für seine Doktorarbeit verließ er das erste Mal sein Heimatland. Er ging nach Leipzig, promovierte an der Fakultät für Chemie und Mineralogie. Ein Kulturschock sei das nicht gewesen, sagt der Wissenschaftler: „Wenn man in einer Großstadt aufwächst, wundert einen eigentlich nichts mehr“, sagt er. Und fügt grinsend hinzu: „Für einen Leipziger ist es sicherlich ein größerer Schock, wenn er das erste Mal nach Madras kommt.“
Nach der Promotion ging er als Postdoc für gut zweieinhalb Jahre an die Elite-Universität Oxford. Im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm arbeitete seine Arbeitsgruppe daran, die Methoden in der Röntgenstrukturanalyse zu verbessern. Seit 14 Monaten ist er wieder in Deutschland und setzt seinen Postdoc in der Arbeitsgruppe Makromolekulare Kristallographie fort. Dort beschäftigt er sich mit der Untersuchung von Proteinkristallen in ihrer nativen Umgebung, sprich in dem Tropfen, in dem sie gewachsen sind.
Das hat den Vorteil, dass man Informationen über die Streueigenschaften erhält, ohne dass man den Kristall aus dem Tropfen fischen und mechanisch belasten muss. Diese Methode ist noch sehr neu und wird in Deutschland bisher nur am HZB angeboten. Außerdem betreut er externe Nutzer der HZB-MX-Beamlines. Er wohnt in Mitte und genießt das trubelige Leben in dem Stadtteil. „Besonders die deutschen Cafés sind super“, sagt er.
Dass es Karthik Paithankar einmal in die Forschung verschlagen würde, zeichnete sich schon früh ab. Das Lieblingsspielzeug in seiner Kindheit war ein Physik-Baukasten. Mit dem baute er seinen ersten Faradayschen Käfig. Gleichzeitig versuchte er sich als kleiner Junge als Hibiscus-Züchter in dem Garten seiner Eltern. Er pfropfte einen weißen Hibiscus-Zweig auf den Stamm einer roten Hibiscus- Pflanze. Der Versuch glückte und heraus kam eine Pflanze mit rosafarbenen Blüten. „Ist doch eigentlich nur logisch, dass ich Biophysiker werden musste, oder?“, sagt Karthik Paithankar lachend.
Autorin Annick Eimer (März 2011)