31.03.2011

Leuchttürme der Photovoltaik in Berlin Adlershof

(german)

Das Kompetenzzentrum Dünnschicht- und Nanotechnologie für Photovoltaik Berlin (PVcomB) produziert erste Solarmodule. Zugleich Baubeginn des Zentrums für Photovoltaik (ZPV).

Zunächst war es eine Idee, dann folgte eine unterschriebene Willensbekundung aller Beteiligten - heute nun produziert das Berliner Kompetenzzentrum für Photovoltaik, PVcomB, erste Dünnschicht-Solarmodule der Größe 30 mal 30 Quadratzentimeter. Am Mittwoch, den 30. März 2011 wurde das PVcomB, eine gemeinsame Einrichtung aus öffentlich getragener Forschung und Industriepartnern, im Beisein von BMBF-Staatssekretär Dr. Georg Schütte, des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Jürgen Mlynek, des Berliner Wissenschaftssenators, Prof. Dr. Jürgen Zöllner sowie des Präsidenten der Technischen Universität Berlin, Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach und vieler Vertreter der Solarwirtschaft und -wissenschaft offiziell eingeweiht.

Außerdem hat die Wista Management GmbH mit einem symbolischen Spatenstich den Baubeginn des neuen Zentrums für Photovoltaik (ZPV) eingeleitet. In unmittelbarer Nähe zum PVcomB wird das ZPV ab 2013 insgesamt 8.000 Quadratmeter an Produktions-, Labor- und Büroflächen für kleinere und mittlere Firmen der Cleantech-Branche zur Verfügung stellen.

Das PVcomB, eine Initiative von HZB und TUB, ist in seiner Struktur und Arbeitsweise einzigartig. Es schließt im Bereich Dünnschicht-Photovoltaik die Lücke zwischen einer exzellenten Grundlagenforschung, wie sie am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) existiert und industrieller Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Außerdem widmet es sich der Aus- und Weiterbildung von hochqualifizierten, dringend benötigten Fachkräften.

Das BMBF und das Land Berlin fördern den Aufbau des PVcomB mit insgesamt 15 Millionen Euro im Rahmen des Förderprogramms „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“.

Wissenschaftssenator, Prof. Dr. Jürgen Zöllner: „Die Verflechtung von universitären und außeruniversitären Einrichtungen bietet ein enormes Potential für die Innovationskraft der Hauptstadtregion. Das PVcomB ist ein herausragendes Beispiel für die Verknüpfung von Forschung, Lehre und Technologietransfer. Die Solarenergieforschung am Helmholtz-Zentrum Berlin gehört bereits zur internationalen Spitze. Jetzt wird auf dem Gebiet der Photovoltaik die Anschlussfähigkeit zur industriellen Produktion unter Beweis gestellt. Einmal mehr zeigt sich: Wissen schafft Berlins Zukunft.“

Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft: „Der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien erfordert Investitionen, um die Technologien weiter zu verbessern und ökonomisch konkurrenzfähig zu machen. Die Photovoltaik hat dabei ein großes Potenzial, insbesondere wenn es gelingt, die Fortschritte, die im Labor erzielt werden, in marktfähige Produkte zu übersetzen. Das PVcomB ist ein Schritt auf diesem Weg.“

„Wir sind sehr froh, dass wir nach der ganzen Planung und Vorbereitung jetzt so richtig losgelegt haben“, sagt der Leiter des PVcomB, Dr. Rutger Schlatmann vom Helmholtz-Zentrum Berlin. „Gegenwärtig gibt es bei der industriellen Produktion von Dünnschicht-Solarmodulen noch technische Grenzen. Wir versprechen uns für die Zukunft, dass wir mit unserer Arbeit helfen, diese Grenzen zu verschieben.“

Prof. Dr. Wolfgang Eberhardt, wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZB für das Geschäftsfeld Energie, betont die Funktion des PVcomB als Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie: „Das Energiekonzept der Bundesregierung hat – auch schon vor den Ereignissen in Japan – den Ausbau der Erneuerbaren Energien zur Grundlage. Wir am HZB tragen mit unserer Forschung auf dem zukunftsorientierten Gebiet der Dünnschicht-Photovoltaik zur technologischen Grundlage eines nachhaltigen Energiesystems bei. Das PVcomB ist ideal an der Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie angesiedelt und hilft, unsere Forschungsergebnisse schnell in die industrielle Produktion einzubringen und das dringend benötigte Personal auszubilden“.

„Der Aspekt der Ausbildung hat beim Aufbau des PVcomB von Beginn an eine wichtige Rolle gespielt und ist ein wesentlicher Grund, warum sich die Technische Universität Berlin an dem Projekt beteiligt. Wir schaffen damit sehr gute Bedingungen für die Ausbildung unserer Studierenden und stärken zugleich unser Forschungsportfolio in einem wichtigen zukunftsweisenden Bereich“, sagt Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, Präsident der TU Berlin.

Adlershof wird zum Solar-Cluster

Das PVcomB trägt wesentlich zur Stärkung des Solar-Clusters Adlershof bei. Innerhalb von vier Jahren sind dort über 1.000 Arbeitsplätze in der Photovoltaik entstanden. Mit dem Baubeginn des neuen „Zentrums für Photovoltaik“ trägt die WISTA-MANAGEMENT GMBH, die Betreibergesellschaft des Technologieparks, dieser rasanten Entwicklung Rechnung. Der Bau für 33 Millionen Euro wird zu 90 Prozent durch das Land Berlin im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) aus Bundes- und Landes-Mitteln gefördert und kofinanziert durch die Europäische Union mit EFRE-Mitteln.

Wirtschaftssenator Harald Wolf: „Wir setzen auf Innovation und Technologietransfer zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen. Es gilt, die vorhandenen Technologien für die nachhaltige Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen auszubauen und deren Nutzung zu optimieren. Entscheidend ist, schneller unabhängig zu werden von fossilen und atomaren Energieträgern. Die Katastrophe von Fukushima hat vor Augen geführt, dass Atomkraft eine lebensgefährliche Energieform der Vergangenheit ist.“

Die Mitarbeiter des PVcomB stellen an den eigenen Forschungslinien Dünnschicht-Solarmodule in einer Größenordnung von 30 mal 30 Quadratzentimeter her. Unter industrienahen Bedingungen wird dabei die komplette Produktionskette der Dünnschicht-Photovoltaik vollzogen. Erkenntnisse aus dem Labor können leichter auf die Anforderungen übertragen werden, die sich aus der Produktion von großen Modulen ergeben. Und umgekehrt gelangen Fragestellungen, die die industrielle Produktion aufwirft, zurück in die Forschung. Die Kooperationspartner aus der Industrie können auf diese Weise individuell bei konkreten Fragestellungen unterstützt werden.

Die Solar-Branche nimmt das Angebot des PVcomB sehr gut an, insgesamt bestehen bis jetzt schon Industriekooperationen in Höhe von rund fünf Millionen Euro. Gegenwärtig konzentriert sich das PVcomB auf zwei Dünnschicht-Technologien: Dünnschicht-Silizium und CIS/CIGSe (Kupfer-Indium/Gallium-Sulfid/Selenid).

Rasantes Wachstum in Adlershof

Im Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof wächst seit 2006 der größte Solar-Cluster Berlins. Photovoltaik-produzierende Unternehmen finden hier durch die unmittelbare Nachbarschaft zur Grundlagenforschung und den Analyse-Fähigkeiten verschiedener außeruniversitärer Institute und Firmen am Standort ideale Voraussetzungen für eine zügige Realisierung ihrer innovativen Produkte.
Die spezialisierte Infrastruktur des neuen Zentrums für Photovoltaik erleichtert kleinen und mittleren Unternehmen den Start durch einen hohen Vorrüstungsgrad an Technik, der ohne Fördermittel zu den Konditionen nicht vorstellbar wäre. Hierdurch soll das Wachstum der Photovoltaik trotz großer Konkurrenz, zum Beispiel aus China weiter befördert werden. Im Bereich der Photovoltaik sind derzeit in Adlershof 17 Unternehmen tätig.


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