Themen: Kooperationen (139)

Nachricht    06.02.2017

3000. Augentumor-Patient mit Protonen am HZB behandelt

Am 27. Januar 2017 konnte der 3000. Patient von der Augentumortherapie mit Protonen profitieren.
Copyright: HZB

Das Team im Kontrollraum der Beschleunigeranlage am HZB sorgt für den Protonenstrahl.
Copyright: HZB

Ein Team der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) hat jetzt den 3000. Augentumor-Patienten mit einer speziellen Protonentherapie behandelt. Dabei wird der Tumor mit schnellen Wasserstoffkernen (Protonen) bestrahlt, die zuvor auf präzise einstellbare Energien beschleunigt werden. Diese Protonen durchdringen das gesunde Gewebe und setzen ihre Energie erst im Tumor selbst frei.

In mehr als 97 Prozent der Fälle lässt sich der Tumor vollständig zerstören, in vielen Fällen bleibt die Sehkraft zumindest teilweise erhalten. „Die Protonentherapie hat bei der Bestrahlung kleiner zentraler Tumoren Vorteile im Vergleich zu anderen Bestrahlungsverfahren, weil sie das umliegende Gewebe schont. Darüber hinaus können wir dank verbesserter chirurgischer Verfahren nach der Bestrahlung jetzt auch bei Augen mit sehr großen Tumoren ein Restsehvermögen bewahren“, sagt Prof. Dr. Antonia Joussen, Direktorin der Augenkliniken der Charité. Sie betont insbesondere die intensive Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Augenärzten, Strahlenphysikern, Strahlentherapeuten und Onkologen, die die Protonentherapie für den Patienten erst zum Erfolg macht.

Teilchenbeschleuniger für die Protonentherapie

Während die Charité die medizinische Expertise einbringt, stellt das HZB am Lise-Meitner-Campus in Wannsee die Protonen bereit. „Die Augentumortherapie bietet den Patientinnen und Patienten einen sehr großen Nutzen. Die Basis dafür bildet die hervorragende Kooperation mit der Charité. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Medizin leistet das HZB-Team seit Jahren herausragende Arbeit, um die Augentumortherapie mit Protonen in höchster Qualität anzubieten“, sagt Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla, wissenschaftliche Geschäftsführerin am HZB. Dafür haben die Expertinnen und Experten am HZB zwei eigene Teilchenbeschleuniger für die Protonentherapie kombiniert, einen Gleichspannungsbeschleuniger (Tandetron) sowie ein Zyklotron, in dem die Protonen auf knapp 40 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. „Unsere Beschleunigeranlage liefert präzise die Energie, die wir einstellen und die von den Medizinphysikern gewünscht wird. Diese „Energieschärfe“ ermöglicht es, präzise zu steuern, wo Gewebe zerstört werden soll“, erklärt Dr. Andrea Denker, die die Abteilung für Protonentherapie am HZB leitet.

Technisch auf dem neuesten Stand

Die Anlage am HZB behandelt jährlich über 200 Patientinnen und Patienten und zählt damit weltweit zu den größten Einrichtungen, was für einen großen Erfahrungsschatz sorgt. Auch im internationalen Vergleich schneidet die Anlage am HZB hervorragend ab. Dies belegt eine Studie der Particle Therapy Cooperative Oncology Group, für die erstmals zehn Protonentherapie-Einrichtungen aus sieben Ländern befragt wurden.

Seit Beginn der Augentumortherapie wird jede Behandlung sowie die Nachsorge dokumentiert, so dass sich Aussagen zum Langzeiterfolg treffen lassen. Auch technisch ist die Augentumortherapie am HZB auf dem allerneuesten Stand: „Wir waren die ersten mit einem digitalen Röntgensystem“ erklärt der Medizinphysiker  Dr. Jens Heufelder und fährt fort: „Außerdem verlassen wir uns für die Erstellung des Bestrahlungsplans nicht nur auf einfache 3D-Modelle, sondern integrieren über eine spezielle Software auch 3D-Daten aus Computertomographien und Magnetresonanztomographien des Patienten. Das macht außer uns keine andere Einrichtung weltweit.“

Auch die Ausfallraten sind im Vergleich sehr niedrig: in mehr als 200 Therapiewochen war es nur zweimal nötig, den Betrieb für mehr als sechs Stunden zu unterbrechen. „Die Studie hat uns gezeigt, dass wir heute zu den modernsten Augentumortherapie-Einrichtungen gehören“, sagt Denker. Aber der Vergleich sei nicht das eigentliche Ziel dieser Studie, findet sie: „Wir tauschen uns untereinander aus und geben unsere Erfahrungen weiter, damit Patienten überall die beste Therapie erhalten.“

Informationen zur Augentumortherapie mit Protonen am HZB

Informationen zu den medizinschen Aspekten der Augentumortherapie (Charitè)

arö


           



Das könnte Sie auch interessieren
  • <p>Im Innovationslabor HySPRINT arbeiten HZB-Teams an neuen Verfahren zur Herstellung von Perowskit-Solarzellen.</p>NACHRICHT      16.05.2019

    Europäische Perowskit-Initiative EPKI gestartet

    Perowskit-basierte Solarzellen haben in den letzten zehn Jahren enorme Fortschritte gemacht und erreichen im Labormaßstab bereits Wirkungsgrade von 24,2% (Anfang 2019) in Single-Junction-Architekturen und bis zu 28% im Tandem mit kristallinem Silizium. Dies macht sie zu der Solartechnologie, die sich bis heute am schnellsten entwickelt. Das Helmholtz-Zentrum Berlin hat in den letzten Jahren mit dem HySPRINT Projekt und der Rekrutierung talentierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler eine erhebliche Forschungskapazität im Bereich Perowskit-Materialien aufgebaut und beteiligt sich an der nun gestarteten Europäischen Perowskit-Initiative EPKI. [...]


  • <p>Das Enzym MHETase ist ein riesiges komplex gefaltetes Molek&uuml;l. MHET-Molek&uuml;le aus PET-Kunststoff docken an einer aktiven Stelle im Inneren der MHETase an und werden dort aufgespalten.</p>SCIENCE HIGHLIGHT      12.04.2019

    „Molekulare Schere“ für den Plastikmüll

    Ein Team der Universität Greifswald und des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) hat an BESSY II die Struktur eines wichtigen Enzyms ("MHETase") entschlüsselt. Die MHETase wurde in einem Bakterium entdeckt und ist in der Lage, zusammen mit einem zweiten Enzym, der PETase, den weit verbreiteten Kunststoff PET in seine Grundbausteine zu zerlegen. Die 3D-Struktur der MHETase ermöglichte es den Forschern bereits, die Aktivität dieses Enzyms gezielt zu optimieren, um es zusammen mit der PETase für das nachhaltige Recycling von PET zu nutzen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. [...]


  • <p>Fassade mit integrierten CIGS-D&uuml;nnschicht-Solarmodulen am Institutsgeb&auml;ude des ZSW in Stuttgart.</p>NACHRICHT      28.02.2019

    CIGS-Dünnschicht-Photovoltaik ist eine Schlüsseltechnologie für die globale Energiewende

    Ein neues Whitepaper der Forschungsinstitute ZSW und HZB zeigt: CIGS-Dünnschicht-Solarzellen besitzen großes Potenzial für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum. CIGS-Dünnschichtmodule bieten hohe Leistung zu geringen Kosten, und ihre Herstellung benötigt wenig Energie. Außerdem erlauben CIGS-Module auch ästhetisch anspruchsvolle Gestaltungen in Gebäuden und Fahrzeugen. Damit hat CIGS erhebliche Vorteile gegenüber anderen Technologien. Das neue Whitepaper beschreibt Stärken und Einsatzmöglichkeiten von CIGS und die daraus resultierenden großen Chancen auch für die Wirtschaft. [...]




Newsletter