Wir sind im Home-Office / 15.04. / Samira Aden

Das Wohnzimmer ist nun ein "Co-Working-Space" für Samira Aden, die Küche ist der Pausenraum. Die Architektin arbeitet in der Beratungsstelle für gebäudeintegrierte Photovoltaik (BAIP).

Das Wohnzimmer ist nun ein "Co-Working-Space" für Samira Aden, die Küche ist der Pausenraum. Die Architektin arbeitet in der Beratungsstelle für gebäudeintegrierte Photovoltaik (BAIP).

Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten zurzeit im Home-Office, tauschen sich per Telefon und Videokonferenzen aus. Trotzdem fehlt es uns, andere Kollegen einfach mal im Flur oder in der Küche treffen. Daher verlagern wir die “Flurgespräche” ins Digitale. Heute stelllen wir Samira Aden vor. Sie ist Architektin und arbeitet in der Beratungsstelle für bauwerkintegrierte Photovoltaik (BAIP) am HZB.

Wie hast Du dich im Home Office eingerichtet?

Ich habe zum Glück kurz vor dem Shut down meine Schwester gefragt, ob sie für eine Weile zu mir ziehen möchte. Sie promoviert in Kassel in der Erziehungswissenschaft und macht nun ihre Lehrveranstaltungen digital von hier aus. Wir haben uns das Wohnzimmer als Coworking-Space eingerichtet und die Küche ist der Pausenraum. Ich tue wirklich jeden Morgen so, als ob ich zur Arbeit gehe, ziehe passende Kleidung an und dann starte ich in den Tag mit einer Tasse Kaffee, ganz wie im Büro.

Was sind denn deine Aufgaben und wie haben sie sich verändert?

Zu meinen Aufgaben gehört vor allem die Beratung von Architekt:innen. Das mache ich jetzt online und am Telefon. Unsere längst geplanten Fortbildungen, die wir für alle Architekten anbieten, sind natürlich alle ausgefallen. Wir haben unglaublich viele Anfragen und wir werden die Fortbildungen hoffentlich bald wieder aufnehmen – möglicherweise erst einmal digital. Ich arbeite nun an neuen Inhalten und Konzepten.
Ich lese mich nun auch tiefer ein in die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene. Das ist eine schwierige Lektüre und es ist gut, sich dafür Zeit zu nehmen. Denn diese Rahmenbedingungen sind ja entscheidend dafür, ob Bauverantwortliche, Planende und Architekturschaffende überhaupt bereit sind, einen gewissen Mehraufwand zu schultern. Tatsächlich sind die erhöhten Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaschutz, die die EU macht, noch immer nicht bei allen Architekten wirklich angekommen. Wir erläutern in unseren Fortbildungsangeboten ganz genau, was das bedeutet und welche technischen und insbesondere gestalterischen Optionen sich durch gebäudeintegrierte Photovoltaik bieten. Wir appellieren auch an den Ehrgeiz, neue und ästhetisch überzeugende Lösungen zu entwerfen, die wirklich klimaneutral sind. 

Was findest du besonders schwierig?

Ich will immer etwas tun und im Fall dieser Pandemie kann ich hier erstmal nicht direkt handeln. Aber ich habe jetzt ein privates Projekt, an dem ich zusammen mit anderen Architekten und Ärzten aus Italien, England, Deutschland, Tanzania und Somalia arbeite: Es geht um einen Notfallplan Architektur für den Covid-Fall für Somalia, wo die Pandemie sich nun leider auch ausbreitet. Wir entwerfen zum Beispiel mobile und energieautarke Lösungen für Test-Zentren und Behandlungsräume, die möglichst rasch und preiswert aufgebaut werden können. Erst vor zwei Wochen haben wir damit angefangen und wir wollen bald in die Umsetzung gehen und ein Test-Zentrum bauen.

Gibt es etwas, das Du weiter führen willst, auch wenn Du wieder ins Büro gehen kannst?

Ich gehe sehr gerne ins Büro, aber ich merke auch, dass ich mich hier zu Hause besonders gut in neue Themen einarbeiten kann. Das ist ein bisschen wie in der Unibibliothek: Zum Lernen und Vertiefen ist das Home Office sehr gut geeignet.

Und auf welche Aktivitäten freust du dich ganz besonders, wenn die Beschränkungen gelockert werden?
Auf das Schwimmen. Ich schwimme unglaublich gerne, das vermisse ich am meisten.

arö