16.12.2013

Forschung an den HZB-Großgeräten – komprimiert in drei Tagen

Die Preisträgerinnen Dr. Karine dos Santos (links) und Dr. Katharina Diller mit Prof. Mathias Richter vom Freundeskreis des HZB. Foto: M. Setzpfand/HZB

Prof. Mikael Eriksson, Preisträger des "'Innovation Award on Synchrotron Radiation 2013' (mitte) mit Prof. Wolfgang Gudat vom Freundeskreis des HZB (rechts) und dem Laudator Prof. Andreas Jankowiak (links). Foto: M. Setzpfand/HZB

500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tauschten sich vom 4. bis 6. Dezember 2013 beim HZB-Nutzertreffen aus

Beim diesjährigen Nutzertreffen kamen etwa 500 Forscherinnen und Forscher am Helmholtz-Zentrum Berlin zusammen, um über ihre neusten Ergebnisse zu berichten. Beim fünften gemeinsamen Nutzertreffen Anfang Dezember trugen 33 Sprecherinnen und Sprecher vor und repräsentierten eine beeindruckende Palette an Themen, denen Forscherinnen und Forscher an den beiden Großgeräte BER II und BESSY II im vergangenen Jahr nachgegangen sind.

Young Scientist Sessions

Ein besonderes Highlight waren die neu eingeführten Young Scientist Sessions für die Forschung mit Photonen und Neutronen. „Die Vorträge der Nachwuchsforscherinnen und -forscher waren außerordentlich gut. Es hat uns viel Spaß gemacht zu zuhören und auf junge Menschen zu treffen, die hochmotiviert sind und sich für Forschung begeistern“, erzählt Antje Vollmer aus der Nutzerkoordination, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen die Veranstaltung organisierte. Deshalb stehe dieser Programmpunkt bereits schon für das nächste Jahr fest.

Im Rahmen des Nutzertreffens fanden zwei Poster Sessions an beiden  Standorten mit insgesamt mehr als 240 Posten statt.  Den Preis für das beste Poster, einen Büchergutschein im Wert von 200 Euro, erhielt Hendrik Vita. Er zeigte  seine Untersuchungen über die elektronische Struktur von Graphen (Titel des Posters: „Electronic structure of graphene on pseudomorphic Cu/Ir(100)).

Preise des Freundeskreises 

Ein Höhepunkt war die Verleihung der Preise, die der „Freundeskreis Helmholtz-Zentrum Berlin e.V“ auslobt. Mit dem Ernst-Eckhard-Koch-Preis für ihre Doktorarbeit wurden in diesem Jahr zwei junge Forscherinnen ausgezeichnet: Dr. Katharina Diller, TU München, hat für ihre Promotion im Bereich der Oberflächenphysik untersucht, wie sich verschiedene organische Farbstoffmoleküle (Porphyrine) bei der Adsorption auf metallischen Oberflächen verhalten. Dafür kombinierte sie Messungen an BESSY II mit Computersimulationen und gewann neue Einsichten, die z.B. für das Design von organischen Solarzellen oder organischen Bauelementen interessant sind. Dr. Karine Fernanda dos Santos, Freie Universität Berlin, erhielt den Preis für ihre Doktorarbeit zur Struktur von Komponenten des Spleißosoms. Zahlreiche menschliche Erbkrankheiten haben ihren Ursprung in Fehlfunktionen des Spleißosoms. Die Arbeiten von Karine dos Santos haben dazu beigetragen, bisher unbekannte Steuerungsmechanismen des Spleißosoms aufzuklären, deren Ausfall mit einer Degeneration der Netzhaut im menschlichen Auge einhergeht und zur Erblindung führen kann. Für die Untersuchungen waren die MX-Beamlines an BESSY-II von zentraler Bedeutung. Der Ernst-Eckhard-Koch-Preis erinnert an den früheren wissenschaftlichen Geschäftsführer der Synchrotronstrahlungsquelle BESSY I und wurde diesmal mit jeweils 2000 Euro dotiert.

Den Innovationspreis für Synchrotronstrahlung vergab der Freundeskreises Helmholtz-Zentrum Berlin in diesem Jahr an Prof. Dr. Mikael Erikson, der den Aufbau der neuen Synchrotronquelle MAX IV in Lund, Schweden, steuert. Die Auszeichnung ist mit 3000 Euro dotiert und wird durch die Firmen SPECS GmbH und BESTEC GmbH in Berlin finanziell unterstützt. Erikson erhielt den Preis für seine Beiträge zur Entwicklung neuer Technologien für die nächste Generation von Speicherringen am Limit der Beugungsbegrenzung, die bei MAX IV nun umgesetzt werden (Titel: „Realizing the concept and developing the technology of the multi-bend achromat storage ring towards diffraction limited synchrotron light source“. In den Upgrade-Programmen auch anderer Synchrotronstrahlungsquellen wie APS, SIRIUS, ESRF oder SPRING 8  werden diese Entwicklungen bereits aufgegriffen.

Große Industrie-Ausstellung

Großes Interesse gab es auch an der Ausstellung von ca. 50 Firmen, die sich im Rahmen des Nutzertreffens präsentierten und für Kooperationen warben. Dadurch wurde das traditionelle Berliner Buffet, der gesellige Höhepunkt des Nutzertreffens im BESSY-Foyer, finanziert. Auch in einem Satellitenworkshop diskutierten Teilnehmer die Möglichkeiten von Kooperationen mit der Industrie. Ein weiterer Workshop fand im Rahmen der Proteinkristallographie statt, die in diesem Jahr auch ihre 1000 an BESSY II entschlüsselte Proteinstruktur feiern konnte.

Nicht nur die Organisatoren zogen eine positive Bilanz des Nutzertreffens. Auch die Nutzer selbst zeigten sich in einer Umfrage sehr zufrieden mit dem Programm und den Angeboten des Nutzertreffens. Die Befragung, an der mehr als 200 Nutzer zu unterschiedlichen Aspekten des Nutzerdienstes teilnehmen, wird derzeit noch detailliert ausgewertet.

(sz)