Technische Aufnahmen

(Neutronenautoradiographien, Röntgenaufnahmen, Infrarotaufnahmen, mikroskopische Aufnahmen)

Rembrandt Harmensz van Rijn, Minerva, (Detail: Mantelbordüre)

Rembrandt bereitete seine Werke in der Regel nicht detailliert vor, sondern begann meist direkt auf dem Bildträger eine Komposition zu entwickeln. Während dieses komplexen Prozesses, der z. T. über einen Zeitraum von mehreren Jahren stattfand, wurden der gesamte Bildentwurf und Teilbereiche oft mehrfach verändert. Dabei ging Rembrandt sehr experimentell vor, sowohl was die Wahl der Malmaterialien als auch was die Ausführung betrifft.

Neben der Infrarotaufnahme, die dunkle Unterzeichungen auf heller Grundierung zum Vorschein bringt, war die Untersuchung mit Röntgenstrahlen lange Zeit die einzige Möglichkeit, flächendeckend Erkenntnisse über tiefer liegende Malschichten zu gewinnen. Die Neutronenautoradiographie erweiterte das Spektrum der Untersuchungstechniken jedoch nochmals um ein Vielfaches. Mit Hilfe der Neutronenautoradiographie können in den verborgenen Malschichten enthaltende Entwurfsskizzen, Änderungen der Komposition oder Gestaltungsvarianten sichtbar gemacht werden. Sie geben Aufschluss über die verwendeten Pigmente, den Pinselduktus, den Erhaltungszustand der Malschichten und die verschiedenen Stadien des Arbeitsprozesses. Die Neutronenautoradiographie ist damit zwar eine technisch aufwändige, aber äußerst vielseitige und erfolgreiche Methode zur zerstörungsfreien Untersuchung von Gemälden. Die in dieser Art einzigartige Einbeziehung von Neutronenautoradiographien in das Berliner Forschungsprojekt ermöglicht besonders umfassende Forschungen zu den Kunstwerken.

Mit Hilfe der technischen Aufnahmen, ergänzt durch mikroskopische Untersuchungen, sollen Rückschlüsse auf den Entstehungsprozess gewonnen und Fragen zu den einzelnen Schritten des Malvorgangs beantworten werden, wie beispielsweise:

Wurde das Bild beschnitten? Existieren Unterzeichnungen? Mit welchen Farbmitteln wurden diese ausgeführt? Lassen sich Untermalungen nachweisen? Lassen sich übermalte oder ausgewischte Bereiche nachweisen? Wenn ja, in welchen Partien? Wurde die Darstellung verändert oder variiert? Handelt es sich bei den Änderungen um die Weiterentwicklung einer Darstellung? Oder wurde ein Bild vollständig neu angelegt? Gibt es Hinweise darauf, dass nicht Rembrandt selbst Überarbeitungen vornahm, sondern ein Werkstattmitarbeiter oder Schüler?

Bei Rembrandts Frühwerk „Minerva“ deuten technische Aufnahmen und der mikroskopische Befund auf insgesamt drei tiefer liegende Bildentwürfe.

Auf der Röntgenaufnahme ist die als erster Bildentwurf entstandene, stehende Figur mit einem Turban oder Helm deutlich zu erkennen.

Die fünfte Neutronen-Autoradiographie, die vor allem Bildschichten mit arsen- und kobalthaltigen Pigmenten sichtbar macht, zeigt diese Figur ebenfalls, weist im linken Bildbereich jedoch zusätzlich Formen auf, die wohl als weitere menschliche Figuren gedeutet werden müssen.

Auf der Infrarotreflektografie ist unter dem Kleid der Minerva, zwischen ihrem Knie und dem Mantel eine nach unten spitz zulaufende Form zu erkennen, bei der es sich sehr wahrscheinlich um eine Tischtuchfalte handelt. Demzufolge hatte der Tisch wohl zunächst eine andere Form und war rechteckig.

Die Mikroskop-Aufnahme zeigt einen Ausschnitt der Mantelbordüre am unteren Rand. Die Farbe wurde hier im lichten Bereich pastos und im Schattenbereich flach aufgetragen. Das dargestellte Muster wurde auf grobkörniger Farbschicht partiell mit sehr fein geriebenen Pigmenten marmorierend weiter ausgearbeitet.


Rembrandt-Forschungsprojekt: Untersuchung folgender Aspekte: