Humboldt-Forschungspreis ermöglicht Stephen P. Cramer Gastaufenthalt in Berlin

Steve Cramer freut sich auf die enge Zusammenarbeit mit dem Berliner Team an HZB und der Freien Universität. Foto: privat

Steve Cramer freut sich auf die enge Zusammenarbeit mit dem Berliner Team an HZB und der Freien Universität. Foto: privat

Der renommierte Experte für Synchrotron-Spektroskopie Professor Stephen P. Cramer hat einen Humboldt-Forschungspreis erhalten. Dies ermöglicht ihm nun, im kommenden Jahr eng mit einem Team am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) und der Freien Universität Berlin zusammen zu arbeiten. Cramer wurde durch Professor Emad Aziz nominiert, der an HZB und der Freien Universität ein gemeinsames Labor leitet (Joint Lab for Ultrafast Dynamics in Solution and at Interfaces). Cramer ist Advanced Light Source Professor an der University of California, Davis, und forscht am Lawrence Berkeley National Laboratory.

“Wenn man durch eine Synchrotronquelle läuft, wird man unweigerlich wesentliche Komponenten entdecken, die die Gruppe um Cramer entwickelt hat”, sagt Emad Aziz. “Seit mehr als drei Jahrzehnten hat Steve Cramer eine führende Rolle dabei gespielt, spektroskopische Werkzeuge für die chemische Analyse zu entwickeln und zu etablieren.”

Im Fokus: Enzyme mit besonderen Talenten

Aziz und sein Team freuen sich auf die enge Zusammenarbeit mit Cramer, insbesondere wollen sie gemeinsam Experimente durchführen und weiterentwickeln, sowohl im weichen Röntgenbereich an BESSY II als auch mit hartem Röntgenlicht an PETRA III bei DESY.  Dabei konzentriert sich Cramers aktuelle Forschung auf Fragen, denen auch die Gruppe um Aziz auf den Grund geht: Wie schaffen Bakterien mit Hilfe von speziellen Enzymen Stickstoff zu fixieren oder Wasserstoff zu produzieren und so für günstige Lebensbedingungen für andere Organismen zu sorgen? Bekannt ist bisher, dass diese Enzyme aktive Eisen-Schwefel-Cluster enthalten, die kleine Moleküle wie Stickstoff, Wasserstoff oder Kohlenmonoxid binden können. Doch wie diese Prozesse genau ablaufen, ist noch unklar. Gemeinsam wollen die Forscher nun gezielt die elektronische Struktur in den aktiven Kernen solcher Cluster untersuchen.  Ein langfristiges Ziel ist die Entwicklung von synthetischen Katalysatoren, die biochemische Prozesse ähnlich effizient beschleunigen können wie die natürlichen Enzyme.

Cramer trieb Entwicklung von Spektroskopie-Verfahren an Synchrotronquellen voran

Stephen P. Cramer ist Advanced Light Source Professor an der University of California Davis (UC Davis), Department of Chemistry, und forscht an der Physical Biosciences Division am Lawrence Berkeley National Laboratory (LBNL).  Seitdem er 1990 an die UC Davis und an das LBNL kam, hat sein Team die Entwicklung von EXAFS und anderen Synchrotron-basierten Spektroskopieverfahren vorangetrieben, um Metalle in biologischen Systemen zu untersuchen.  Außerdem arbeiten sie mit Röntgenabsorption, magnetischem zirkularen Dichroismus (XMCD), hochaufgelöster Röntgenfluoreszenz, resonanter inelastischer Röntgenstreuung (RIXS) und mit Kernresonanz-Vibrationsspektroskopie  (NRVS).  Cramer und sein Team hatten als Erste solche Methoden für die Untersuchung von Metall-haltigen Enzymen genutzt.  Damit konnten sie Informationen gewinnen, die weit über die Möglichkeiten von Röntgenstreuung hinausreichen.


Fussnote: Der Humboldt-Forschungspreis zeichnet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihr bisheriges Gesamtschaffen aus. Die Preisträger sind eingeladen, selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr durchzuführen. Die Humboldt-Stiftung vergibt jährlich bis zu 100 Humboldt-Forschungspreise. Die Nominierung erfolgt durch Wissenschaftler in Deutschland. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert.

Mehr zur Gruppe um Emad Aziz am HZB und an der Freien Universität

arö

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