Nutzerbetrieb bei BESSY II läuft wieder an

Blick in die Experimentierhalle auf das bislang noch fast leere Segment an EMIL, in dem die  Strahlrohre für EMIL bereits als Linien auf dem nagelneuen Fußboden eingezeichnet sind. Foto: Ingo Müller/HZB

Blick in die Experimentierhalle auf das bislang noch fast leere Segment an EMIL, in dem die  Strahlrohre für EMIL bereits als Linien auf dem nagelneuen Fußboden eingezeichnet sind. Foto: Ingo Müller/HZB

BESSY II steht seit dem 21. April wieder für die Nutzerinnen und Nutzer zur Verfügung. Für Umbauarbeiten und Modernisierungen ist die Synchrotronquelle planmäßig vom 9. Februar bis Ende März heruntergefahren worden. Seit Anfang April ist der Beschleuniger wieder in Betrieb, dabei wird zurzeit noch das Vakuum mit Hilfe des Elektronenstrahls „gewaschen“, um die Lebensdauer der Elektronen im Speicherring zu erhöhen und damit die Betriebsqualität zu optimieren.  Zeitgleich arbeiteten die Teams an Kalibrierungen und Charakterisierungen ihrer Instrumente. 

Der neue Fußboden leuchtet, in stark beanspruchten Bereichen musste er dringend erneuert werden. Doch das ist nur die augenfälligste Modernisierung, die bei diesem Shutdown vorgenommen wurde. Mindestens fünf große Vorhaben haben die Expertinnen und Experten aus den Abteilungen „Experimentnahe Technik II“  und „Betrieb Beschleuniger“ seit Anfang Februar koordiniert, viele haben Überstunden gemacht, um alles rechtzeitig fertig zu stellen. „Für dieses Engagement dankt die Geschäftsführung“, erklärt Prof. Dr. Anke Kaysser-Pyzalla, „nun kann der Nutzerbetrieb wie geplant wieder anlaufen.“

So besitzt BESSY II nun ein Personen-Interlock-System auf dem aktuellen Stand der Technik, um die Sicherheit zu gewährleisten. „Das Interlock schaltet die Maschine sofort ab oder bringt sie in einen sicheren Zustand, wenn jemand beim Betrieb eine Fehlbedienung vornimmt oder eine Tür zum Sperrbereich öffnet“, erläutert Ingo Müller. Das neue Personen-Interlock-System basiert auf moderner „Sicherheits-SPS-Technik“. Diese speicherprogrammierbaren Steuerungen sind zertifiziert, die Funktionalität des Gesamtsystems wurde durch den Strahlenschutz geprüft und abgenommen.

Vakuum-Segment für EMIL umgebaut

Für das angebaute Labor EMIL sind bereits in früheren Abschaltpausen viele Arbeiten erledigt worden. Ein ganzes Projekt, genannt Domino, wurde für die Planung der komplexen Umbauarbeiten aufgesetzt. In diesem Shutdown haben die Ingenieure nun das Vakuum-System umgebaut. Zwei neue Undulatoren sollen hier eingebaut werden, die Johannes Bahrdt und sein Team von der Abteilung Undulatoren eigens für die EMIL-Anlagen konzipiert haben. Denn bei EMIL werden neben den üblichen Energien von 60 eV bis 2000 eV auch noch Energien bis zu 10.000 eV benötigt.

Moderne HF-Sender und Multipolwellenlängenschieber eingebaut

Sehr aufwändig war auch der Austausch von zwei von vier Hochfrequenz-Sendern, die mit ihren Klystron-Röhren die Kavitäten mit Leistung versorgen. Sie wurden durch hochmoderne Halbleitersender ersetzt. Auch der Multipolwellenlängenschieber an der EDDI-Beamline, der im vergangenen Jahr beschädigt wurde, ist nun repariert und wieder eingebaut worden.

Erneuerung der Dipol-Auslass-Systeme begonnen

„In diesem Shutdown haben wir außerdem ein Viertel der Dipol-Auslass-Systeme mit neuen Absorbern versehen. Das war nötig, weil wir durch den Top-Up-Modus konstant eine Stromstärke von 300 Milli-Ampère im Ring haben“ erläutert Christian Jung.

Seit dem 21. April läuft der Nutzerbetrieb wieder an. Doch der nächste Shutdown ist schon geplant: Bis Ende 2015 sollen Arbeiten beendet werden, die teilweise bereits im Shutdown 2013 begonnen wurden. Auf dem Programm stehen dann der Austausch der beiden letzten „alten“ HF-Kavitäten an der Maschine durch neue Kavitäten, der Einbau der beiden neuen Undulatoren für EMIL, die Umrüstung der restlichen HF-Sender von Röhrentechnik (Klystrone) auf Halbleitertechnik sowie die Ausstattung der restlichen Auslass-Dipole mit neuen Absorbern.

arö

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