Spintronik: Effizientes Materialsystem für die wärmeunterstützte Datenspeicherung

Die Membran besitzt Poren im Abstand von 105 Nanometern, die als Haftstellen für die magnetischen Domänenwände wirken.

Die Membran besitzt Poren im Abstand von 105 Nanometern, die als Haftstellen für die magnetischen Domänenwände wirken. © HZB

Auf der Membran liegt eine extrem d&uuml;nne Schicht aus Dysprosium-Kobalt (gr&uuml;n). Die magnetischen Momente des DyCo<sub>5</sub>-Films ragen senkrecht aus der Ebene heraus. Durch ein &auml;u&szlig;eres Magnetfeld lassen sie sich nicht umorientieren, Daten sind so stabil gespeichert. Mit einem Laser k&ouml;nnte ein einzelnes Bit lokal erw&auml;rmt werden.

Auf der Membran liegt eine extrem dünne Schicht aus Dysprosium-Kobalt (grün). Die magnetischen Momente des DyCo5-Films ragen senkrecht aus der Ebene heraus. Durch ein äußeres Magnetfeld lassen sie sich nicht umorientieren, Daten sind so stabil gespeichert. Mit einem Laser könnte ein einzelnes Bit lokal erwärmt werden. © HZB

Dabei gen&uuml;gt eine Erw&auml;rmung auf nur ca 80 Grad Celsius, um das magnetische Moment in die Ebene zu kippen. Nach dem Abk&uuml;hlen bleibt dieses Moment in der Ebene, bis es durch einen Schreibkopf neu ausgerichtet wird.

Dabei genügt eine Erwärmung auf nur ca 80 Grad Celsius, um das magnetische Moment in die Ebene zu kippen. Nach dem Abkühlen bleibt dieses Moment in der Ebene, bis es durch einen Schreibkopf neu ausgerichtet wird. © HZB

Ein HZB-Team hat Dünnschichten aus Dysprosium-Kobalt über einer nanostrukturierten Membran an BESSY II untersucht. Sie zeigten, dass eine Erwärmung auf nur 80 Grad Celsius ausreicht, um die Magnetisierung von winzigen Nano-Regionen neu auszurichten. Dies ist weit weniger als bislang für die wärmeunterstützte magnetische Datenspeicherung (Heat Assisted Magnetic Recording) nötig war. Ziel dieser Forschung sind schnelle und energieeffiziente Datenspeicher, die mehr Informationen auf kleinster Fläche speichern. Die Ergebnisse sind in dem neuen Fachjournal Physical Review Applied veröffentlicht.

Nun hat jedoch ein HZB-Team ein neues Materialsystem aus Dysprosium und Kobalt untersucht, das gleich mehrere Vorteile verspricht: deutlich niedrigere Schreibtemperatur, höhere Stabilität der magnetischen Bits und bessere Kontrolle der Spin-Ausrichtung in den einzelnen magnetischen Bits. Sie sputterten dafür einen extrem dünnen Film aus DyCo5 über einer nanostrukturierten Membran auf. Die Membran wurde von Kooperationspartnern vom Institut für Materialwissenschaften, Madrid, hergestellt. Sie besitzt Poren mit Durchmessern von 68 Nanometern, die in einem Wabenmuster im Abstand von 105 Nanometern angeordnet sind. Die Nanoporen wirken als Haftstellen für die magnetischen Domänen und stabilisieren sie. Die magnetischen Momente sind senkrecht zur Ebene ausgerichtet und stabil gegenüber äußeren Magnetfeldern, lassen sich also nicht einfach überschreiben.

Überschreiben ist energieeffizient und schnell

Der HZB-Physiker Dr. Jaime Sánchez-Barriga und sein Team zeigten nun, dass in diesem System eine Erwärmung auf nur 80 Grad Celsius ausreicht, um die lokalen magnetischen Momente um 90 Grad zu kippen, so dass sie parallel zur Ebene ausgerichtet sind. Mit Messungen am PEEM und am XMCD-Messplatz konnte die Gruppe die lokale Ausrichtung der magnetischen Signale vor, während und nach der Erwärmung präzise kartieren. Nach dem Abkühlen lassen sich die magnetischen Domänen mit einem magnetischen Schreibkopf neu überschreiben.  „Dieser Prozess ist in DyCo5 sehr energieeffizient und schnell“, stellt Dr. Florin Radu, Ko-Autor der Studie, fest. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es alternative HAMR-Kandidaten gibt, die für die Datenspeicherung deutlich weniger Energie benötigen und außerdem weitere Vorteile besitzen“, sagt Sánchez-Barriga.

Zur Publikation:Ferrimagnetic DyCo5 nanostructures for bits in heat-assisted magnetic recording.  A. A. Ünal, S. Valencia, F.  Radu, D. Marchenko, K. J. Merazzo, M. Vázquez, and J. Sánchez-Barriga, Phys. Rev. Applied 5, 064007
Doi: http://dx.doi.org/10.1103/PhysRevApplied.5.064007

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Supraleitendes TES-Array-Röntgenspektrometer geht bei BESSY II in Betrieb
    Science Highlight
    15.06.2026
    Supraleitendes TES-Array-Röntgenspektrometer geht bei BESSY II in Betrieb
    Teams aus HZB, MPI-CEC (Mühlheim an der Ruhr, Deutschland) und NIST (Boulder CO, USA) haben das supraleitende TES-Array-Röntgenspektrometer gemeinsam entwickelt. Jetzt ist es an BESSY II in Betrieb gegangen, als erstes und einziges Synchrotron-TES-Spektrometer in Europa. Das neue Instrument ist etwa 100- bis 1000-mal effizienter bei der Detektion von Photonen als herkömmliche Röntgenemissionsspektrometer und ermöglicht es, die elektronischen Eigenschaften atomar dünner Schichten, Nanostrukturen und hochverdünnter atomarer und molekularer Proben zu untersuchen. Das BESSY-Team freut sich auf spannende Forschungsideen aus der Nutzerschaft!
  • Magnon-Momentum-Mikroskopie: Neues Fenster in nanoskalige Spinwellen
    Science Highlight
    08.06.2026
    Magnon-Momentum-Mikroskopie: Neues Fenster in nanoskalige Spinwellen
    Ein internationales Team unter der Leitung des Max-Born-Instituts hat eine neue Art der Momentum-Mikroskopie entwickelt, mit der Magnonen – die Quanten kollektiv angeregter Spins – mithilfe von Weichröntgenstrahlung direkt im zweidimensionalen reziproken Raum abgebildet werden können. Die Messungen fanden an BESSY II und Petra III statt. Erstautor ist der HZB-Physiker Steffen Wittrock. Dank ihrer Empfindlichkeit, Einfachheit und der Möglichkeit, Wellenlängen im Nanometerbereich aufzulösen, bildet diese neuartige Methode eine leistungsstarke und vielseitige Plattform für die Erforschung nichtlinearer Magnonen-Wechselwirkungen, die für zukünftige Rechenkonzepte interessant sind.

  • Röntgenlicht belegt Übermalung faschistischer Symbole
    Science Highlight
    08.06.2026
    Röntgenlicht belegt Übermalung faschistischer Symbole
    Während der NS-Zeit und auch danach war Erich Mercker ein erfolgreicher Maler. Nach 1945 hat er in mindestens einem seiner Werke NS-Symbole übermalt. Dies zeigen Röntgenfluoreszenzanalysen eines Mercker-Gemäldes. Mit einem interdisziplinären Team berichtet die Physikerin Dr. Ioanna Mantouvalou im Nature-Journal Heritage Science über diese Studie.