Graphen auf Halbleitersubstrat als Kandidat für Spintronik

Die Illustration zeigt, wie die Goldatome unter dem Graphen sitzen.

Die Illustration zeigt, wie die Goldatome unter dem Graphen sitzen. © HZB

Ein elektrischer Strom kann die Spins im Graphen beeinflussen: a) Ohne Goldatome bleiben die Elektronenspins erhalten. b) Durch die Nähe zu Goldatomen drehen sich die Spins nach 40 Nanometern um 180 Grad. Dieser Effekt kann auf einem Halbleitersubstrat genutzt werden.

Ein elektrischer Strom kann die Spins im Graphen beeinflussen: a) Ohne Goldatome bleiben die Elektronenspins erhalten. b) Durch die Nähe zu Goldatomen drehen sich die Spins nach 40 Nanometern um 180 Grad. Dieser Effekt kann auf einem Halbleitersubstrat genutzt werden. © HZB

Graphen auf Siliziumkarbid könnte ein interessantes Materialsystem für künftige spintronische Bauelemente werden.  Durch eingeschleuste Goldatome kann die Spin-Bahn-Wechselwirkung punktuell so stark erhöht werden, dass sich die Spins kontrollieren lassen. Dies zeigen erste Ergebnisse an BESSY II, die nun in den Applied Physics Letters veröffentlicht sind. 

Dieses Ergebnis hat in der Zwischenzeit zu einigen Durchbrüchen geführt, die bislang jedoch einen Haken hatten: Die Unterlage, auf der die Graphenschicht abgeschieden wurde, war metallisch! Die Gold-Atome wurden zwischen Graphen und einer Unterlage aus Nickel eingeschleust. Dadurch erhöhte  sich die so genannte Spin-Bahn-Wechselwirkung um den Faktor 10.000. Für einen Effekt dieser Größe weiß man aus Rechnungen, dass sich die Spins der Elektronen systematisch drehen: alle 40 Nanometer um 180 Grad. Dennoch war es nicht möglich, mit den Spins Informationen zu übertragen. Denn da die Unterlage (Nickel) elektrisch leitfähig ist, fließen gleichzeitig viele Elektronen mit ganz ungeordneten Spins. Wegen dieses „Kurzschlusses“ lässt sich auf Nickel-Substraten der Effekt nicht nutzen.

„Reine“ Probe auf Halbleitersubstrat

Dies gelang den beiden HZB-Forschern nun in Graphen, das diesmal auf Siliziumkarbid, einem halbleitenden Substrat, abgeschieden wurde. Die Herausforderung war hier, beim Einschleusen der Goldatome eine gleichmäßige Verteilung zu erreichen. Denn in Bereichen mit nur wenigen Goldatomen lädt sich das Graphen negativ auf; in Bereichen mit mehr Goldatomen lädt es sich positiv auf und wird zum Lochleiter. Es war ausgesprochen schwierig, erinnert sich Marchenko, Erstautor der Arbeit, Proben mit ausschließlich positiver Dotierung herzustellen. Schließlich konnte er eine rein positive Probe mit spinaufgelöster Photoelektronen-Spektroskopie an BESSY II untersuchen. 

Große Effekte nur in der Nähe von Hot Spots

Das Gold-dotierte Graphen auf Siliziumkarbid zeigte dabei ein anderes Verhalten als auf Metall-Substraten. Die Erhöhung der Spin-Bahn-Kopplung um vier Größenordnungen tritt hier nur in der Nähe von bestimmten „Hot Spots“ auf: nämlich dort, wo sich die Energieniveaus von Graphen und Gold treffen.

Spin-Effekte an- und ausschalten

Damit sich diese hohe Spin-Bahn-Wechselwirkung nutzen lässt, um Spins tatsächlich zu transportieren, müsste man das Graphen demnach mit einem zweiten Element positiv dotieren oder eine zusätzliche Gate-Spannung anlegen, die diese „Hot Spots“ energetisch auf die Fermi-Energie anhebt. „Eine kleine Spannung würde schon ausreichen, um Spin-Effekte an- oder auszuschalten“, sagt Marchenko.


Zur Publikation:Rashba splitting of 100 meV in Au-intercalated graphene on SiC, D. Marchenko, A. Varykhalov, J. Sánchez-Barriga, Th. Seyller and O. Rader. Appl. Phys. Lett. 108, 172405 (2016); http://dx.doi.org/10.1063/1.4947286

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Umweltchemie an BESSY II: Radikale in Gewässern
    Science Highlight
    09.04.2026
    Umweltchemie an BESSY II: Radikale in Gewässern
    Wie entstehen in wässrigen Lösungen unter UV-Licht so genannte Radikale? Diese Frage spielt sowohl für die Gesundheitsforschung als auch für den Umweltschutz eine wichtige Rolle, beispielsweise im Zusammenhang mit der Überdüngung von Gewässern durch die Landwirtschaft. Ein Team hat nun an BESSY II eine neue Methode etabliert, um Hydroxyl-Radikale in Lösung zu untersuchen. Mit einem Trick konnten sie überraschende Einblicke in den Reaktionspfad gewinnen.
  • KI-gestützte Katalysatorforschung: 30 Millionen Euro Förderung für deutsches Konsortium
    Nachricht
    30.03.2026
    KI-gestützte Katalysatorforschung: 30 Millionen Euro Förderung für deutsches Konsortium
    Sechs Partner aus Forschung und Industrie – darunter das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft (FHI), BASF, Dunia Innovations, Siemens Energy und die Technische Universität Berlin – starten ein gemeinsames Projekt, um die Katalysatorforschung zu beschleunigen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt ASCEND (Accelerated Solutions for Catalysis using Emerging Nanotechnology and Digital Innovation) mit 30 Millionen Euro. Die Forschungsinitiative trägt dazu bei, energieintensive Industrien nachhaltiger zu gestalten. Dabei soll die industrielle Wettbewerbsfähigkeit, vor allem im Chemiesektor, erhalten bleiben. Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und startet am 1. April 2026.
  • Neue Anlage für die Katalyseforschung am HZB
    Nachricht
    06.03.2026
    Neue Anlage für die Katalyseforschung am HZB
    Das HZB hat im Rahmen des Projekts CatLab eine einzigartige Anlage erworben, um die katalytische Leistung von Dünnschichtkatalysatoren zu messen. Erbaut von der Firma ILS in Adlershof, wurde sie nun angeliefert. Die Anlage besteht aus insgesamt acht chemischen Reaktoren, in denen katalytische Systeme getestet werden können. Mit über 2,5 Millionen Euro ist diese Anlage die größte Einzelinvestition Im CatLab-Projekt.