Solarer Wasserstoff mit „künstlichem Blatt“:

© HZB

Forschungsteam findet heraus, warum eine einfache Behandlung die Effizienz von preiswerten Metall-Oxid-Photoelektroden steigert

Metall-Oxide sind als preiswerte und stabile Photoelektroden für die Aufspaltung von Wasser mit Sonnenlicht im Gespräch. Leider lassen sich mit dieser Materialklasse bisher nur mittelmäßig hohe Wirkungsgrade erzielen.  Mit einer Wärmebehandlung unter Wasserstoff-Atmosphäre lässt sich die Effizienz jedoch etwas steigern. Nun hat eine internationale Kooperation herausgefunden, welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen. Die Ergebnisse zeigen Wege zu effizienteren und gleichzeitig preisgünstigen Materialsystemen für die solare Wasserstoffproduktion.

Die Energieversorgung basiert noch immer zu einem Großteil auf fossilen Ressourcen. Dass sich dies rasch ändern muss, ist unbestritten. Eine Alternative zu fossilem Erdgas ist Wasserstoff. Wasserstoff hat eine enorme Energiedichte, kann gespeichert oder weiterverarbeitet werden, z.B. zu Methan, oder in einer Brennstoffzelle sauberen Strom erzeugen. Und wenn Wasserstoff allein mit Sonnenlicht produziert wird, wäre es eine komplett erneuerbare Energieressource, deren Verbrauch klimaneutral ist.

Künstliches Blatt

Die Natur macht es mit der Photosynthese vor: Sonnenlicht lässt sich nutzen, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Dies gelingt auch mit künstlich hergestellten Materialsystemen aus photoaktiven, halbleitenden Schichten: „Künstliche Blatt”-Systeme schaffen im Extremfall sogar Wirkungsgrade von über 15 Prozent, weit mehr als das natürliche Vorbild (1-2%). Solche Rekord-Wirkungsgrade wurden bisher jedoch nur mit einer teuren Materialkombination erreicht, die im Kontakt mit Wasser nicht lange stabil blieb. Damit solar erzeugter Wasserstoff wirklich auf den Markt kommen kann,  müssen solche Systeme langzeitstabil, preiswert und effizient zugleich sein.

Spitzenkandidaten mit einem Nachteil

Komplexe Metall-Oxide sind sehr gute Kandidaten für künstliche Blatt-Systeme: Sie sind preiswert und stabil, auch in wässrigen Lösungen. Wissenschaftler am HZB-Institut für Solare Brennstoffe arbeiten intensiv daran, diese Materialklasse weiterzuentwickeln. Bislang zeigen Photoelektroden aus Metall-Oxiden allerdings nur moderate Wirkungsgrade (< 8 %). Einer der Gründe liegt in der schlechten Beweglichkeit der Ladungsträger, die bis zu 100.000 mal schlechter ist als in klassischen Halbleitermaterialien wie Silizium oder Gallium-Arsenid. „Dass die Ladungsträger langsam sind, wäre nicht mal so schlimm. Das Problem ist, dass sie oft sehr kurze Lebensdauern haben, im Bereich von Piko- oder sogar Nanosekunden. Viele verschwinden so schnell, dass sie überhaupt nicht zur Aufspaltung von Wasser beitragen“, erklärt HZB-Forscher Dr. Fatwa Abdi.

Wärmebehandlung mit Wasserstoff

Dagegen hilft eine Wärmebehandlung unter Wasserstoff-Atmosphäre, nachdem die Mteall-Oxid-Schichten deponiert wurden. Fatwa Abdi und Kollegen haben nun in Bismuth-Vanadat (BiVO4), einem der interessanten Materialien für Photoelektroden, untersucht, warum diese Behandlung die Lebensspanne der Ladungsträger verbessert.

Lebenszeit der Ladungsträger verdoppelt

Mit zeitaufgelösten Leitfähigkeitsmessungen zeigten sie, dass sowohl Elektronen als auch Löcher in Wasserstoff-behandeltem BiVO4 mehr als doppelt so lange „überleben“ als im unbehandelten Material. Dadurch steigt auch der Photostrom unter Sonnenlicht deutlich, was sich positiv auf die Effizienz auswirkt. Weitere Messungen der Dresdner Kooperationspartner sowie Berechnungen der Partner von KAUST, Saudi Arabien, belegen: Durch die Behandlung werden Wasserstoff-Atome in die Metall-Oxid-Schicht eingebaut und damit Defekte inaktiviert und reduziert. „Damit gibt es im Material weniger “Fallen”, in denen Ladungsträger verloren gehen oder rekombinieren. Dadurch können mehr Ladungsträger zum Aufspalten des Wassers beitragen“, erklärt Abdi.

Die Studie ist publiziert in Advanced Energy Materials (25. August 2017): Enhancing Charge Carrier Lifetime in Metal Oxide Photoelectrodes through Mild Hydrogen Treatment (DOI: 10.1002/aenm.201701536)

Ji-Wook Jang, Dennis Friedrich, Sönke Müller, Marlene Lamers, Hannes Hempel, Sheikha Lardhi, Zhen Cao, Moussab Harb, Luigi Cavallo, René Heller, Rainer Eichberger, Roel van de Krol, and Fatwa F. Abdi*


arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Neues Kontaktmaterial steigert Wirkungsgrad von Perowskit-Solarzellen
    Science Highlight
    16.07.2026
    Neues Kontaktmaterial steigert Wirkungsgrad von Perowskit-Solarzellen
    Ein neu entwickeltes Material für den Elektronenkontakt verbessert die Wirkungsgrade von Perowskit-Einzelsolarzellen und Perowskit/Silizium Tandemsolarzellen. Das neue Material basiert auf einem Carboran-Molekül und bietet gegenüber dem bisher genutzten Standardmaterial aus so genannten Fußballmolekülen eine Reihe von Vorteilen, zeigt die Studie, die federführend von einem Team um Steve Albrecht erarbeitet wurde. Inzwischen ist das Material patentiert und kommerziell erhältlich.
  • BESSY II: Neue Probenumgebung erlaubt Einblick in thermokatalytische Prozesse
    Science Highlight
    15.07.2026
    BESSY II: Neue Probenumgebung erlaubt Einblick in thermokatalytische Prozesse
    Eine neuartige Messzelle ermöglicht erstmals Untersuchungen mit weicher und harter Röntgenstrahlung unter hohen Drücken von bis zu 20 bar und Temperaturen von bis zu 400 °C. Dies liefert neue Erkenntnisse über thermokatalytische Prozesse, wie beispielsweise die Fischer-Tropsch-Synthese zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe. Die Entwicklung der Messzelle gilt als Meilenstein im Rahmen des Care-O-Sene-Projekts.
  • From Colombia to Berlin: Finding My Way in a New World
    Blog
    15.07.2026
    From Colombia to Berlin: Finding My Way in a New World
    It was almost 11 p.m. when I arrived in Berlin. After a long journey from Colombia, all I wanted was to get to my accommodation, take a shower, and finally sleep.

    Instead, I missed my train. Thinking it would follow the same route as the previous one as it would in my hometown of Medellín I confidently boarded the next train. About twenty minutes later, I realized something was wrong. I was heading in the wrong direction.

    As if that was not enough, my phone battery was almost empty. Suddenly, I found myself alone in a city I had never visited before, late at night, speaking a language I did not understand, with no idea how to get back.

    This was not how I had imagined the beginning of my first international trip....