Bestnoten für das BESSY FEL Projekt

Der Wissenschaftsrat hat in seiner heute vorgestellten Stellungnahme zu zwei Großgeräten der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung die Förderung des BESSY Freie Elektronen Lasers unter Auflagen empfohlen. Es gäbe derzeit keine Initiative, die sich in Bezug auf die technischen Rahmenbedingungen und der wissenschaftlichen Kompetenz des Teams mit dem BESSY Projekt vergleichen ließe, so die Gutachter weiter.

Als eine Art "Super-Stroboskop" erzeugt der FEL extrem kurze und extrem helle Röntgenpulse und erlaubt so wissenschaftliche Untersuchungen jenseits des derzeit Möglichen. Die Forscher erwarten, dass sie mit dem FEL Momentaufnahmen chemischer Reaktionen aufzeichnen können und tiefe Einblicke in moderne Materialien und in biologische Prozesse erhalten. Die Exzellenz des wissenschaftlichen Programms hatte der Wissenschaftsrat bereits in seiner Stellungnahme von 2002 bestätigt.

Das nun evaluierte technische Design hat überzeugt. Die Gutachter des Wissenschaftsrats schlagen vor, eine 3-4 jährige Entwicklungsphase zu finanzieren, in der das Konzept durch den Bau und Betrieb einer zweistufigen FEL Kaskade als Basis der großen Anlage umgesetzt werden soll. Für deren Realisierung sollte eine für Großgeräte in Deutschland übliche Finanzierung angestrebt werden.

 "Wir sind alle begeistert von dem Votum des Wissenschaftsrats und werden die Entwicklung des FEL weiter vorantreiben", gibt Eberhard Jaeschke, der technische Direktor, die Stimmung bei BESSY wieder. "Wir bedanken uns bei allen Kollegen, die das Projekt unterstützt haben." Neben den vielen Projektpartnern habe sich Staatsekretär Husung persönlich für das FEL Projekt eingesetzt. Die Projektentwicklung wurde durch die Technologiestiftung mit einer Förderung aus dem Zukunftsfonds des Landes Berlin in Höhe von 2,4 Mio. EUR unterstützt.

Das Konzept eines FEL der zweiten Generation verbindet die vorhandene Spitzentechnologie auf dem Gebiet supraleitender Linearbeschleuniger mit dem Einsatz eines Hochleistungslasers. "Dadurch werden sich die Eigenschaften der Röntgenpulse exakt kontrollieren lassen", beschreibt der wissenschaftliche Direktor Wolfgang Eberhardt eine herausragende Qualität des FEL. "Mit dieser Präzision werden viele Forschergruppen wissenschaftliches Neuland betreten." 

In Freie Elektronen Lasern werden Elektronen in dichten Paketen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und durch lange periodische Magnetstrukturen (Undulatoren) geführt. Dabei erzeugen sie sehr intensives Laser-ähnliches Licht auswählbarer Wellenlänge. Beim BESSY-FEL läuft ein Laserpuls gemeinsam mit dem beschleunigten Elektronenbündel durch den Undulator und prägt den Elektronen seine Eigenschaften auf. Dies erlaubt die Erzeugung von kurzen, reproduzierbaren Pulsen. Dabei wird die Wellenlänge des Lasers über mehrere Stufen in den Röntgenbereich überführt.

Die neue Technik erfordert viel Erfahrung in Beschleuniger- und Lasertechnologie. Die langjährige Erfahrung des BESSY Teams auf dem Gebiet der Konzeption und des Betriebs von Großgeräten der Synchrotronstrahlungsforschung ist die beste Voraussetzung, um die Herausforderungen, die mit dieser neuen Technik verbunden sind, zu bewältigen. So ist es kürzlich BESSY Wissenschaftlern gelungen, durch kontrollierte Wechselwirkung von Laserpuls und Elektronen im BESSY II Speicherring diese Technologie zu demonstrieren. Die Exzellenz des FEL Teams wird durch die enge Zusammenarbeit mit dem Max-Born-Institut in Adlershof und mit DESY in Hamburg verstärkt.

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Supraleitendes TES-Array-Röntgenspektrometer geht bei BESSY II in Betrieb
    Science Highlight
    15.06.2026
    Supraleitendes TES-Array-Röntgenspektrometer geht bei BESSY II in Betrieb
    Teams aus HZB, MPI-CEC (Mühlheim an der Ruhr, Deutschland) und NIST (Boulder CO, USA) haben das supraleitende TES-Array-Röntgenspektrometer gemeinsam entwickelt. Jetzt ist es an BESSY II in Betrieb gegangen, als erstes und einziges Synchrotron-TES-Spektrometer in Europa. Das neue Instrument ist etwa 100- bis 1000-mal effizienter bei der Detektion von Photonen als herkömmliche Röntgenemissionsspektrometer und ermöglicht es, die elektronischen Eigenschaften atomar dünner Schichten, Nanostrukturen und hochverdünnter atomarer und molekularer Proben zu untersuchen. Das BESSY-Team freut sich auf spannende Forschungsideen aus der Nutzerschaft!
  • Magnon-Momentum-Mikroskopie: Neues Fenster in nanoskalige Spinwellen
    Science Highlight
    08.06.2026
    Magnon-Momentum-Mikroskopie: Neues Fenster in nanoskalige Spinwellen
    Ein internationales Team unter der Leitung des Max-Born-Instituts hat eine neue Art der Momentum-Mikroskopie entwickelt, mit der Magnonen – die Quanten kollektiv angeregter Spins – mithilfe von Weichröntgenstrahlung direkt im zweidimensionalen reziproken Raum abgebildet werden können. Die Messungen fanden an BESSY II und Petra III statt. Erstautor ist der HZB-Physiker Steffen Wittrock. Dank ihrer Empfindlichkeit, Einfachheit und der Möglichkeit, Wellenlängen im Nanometerbereich aufzulösen, bildet diese neuartige Methode eine leistungsstarke und vielseitige Plattform für die Erforschung nichtlinearer Magnonen-Wechselwirkungen, die für zukünftige Rechenkonzepte interessant sind.

  • BESSY II: Eingebauter Sauerstoff verkürzt die Lebensdauer von Feststoffbatterien
    Science Highlight
    08.05.2026
    BESSY II: Eingebauter Sauerstoff verkürzt die Lebensdauer von Feststoffbatterien
    Feststoffbatterien sind sicher und leistungstark, aber ihre Kapazität nimmt zurzeit noch rasch ab. Ein Team der TU Wien, der Humboldt-Universität zu Berlin und des HZB hat nun eine TiS₂|Li₃YCl₆-Halbzelle an BESSY II analysiert. Dafür nutzte das Team eine spezielle Probenumgebung, die eine zerstörungsfreie Untersuchung unter realen Betriebsbedingungen ermöglicht. Durch die Kombination von Weich- und Hart-Röntgen-Photoelektronenspektroskopie (XPS und HAXPES) konnte ein neuer Degradationsmechanismus identifiziert werden. Dabei spielte das Element Sauerstoff eine besondere Rolle. Die Studie liefert wertvolle Einblicke, um Design und Fertigung von Feststoffbatterien zu verbessern.