Tandemsolarzellen-Weltrekorde: Neuer Zweig im NREL-Chart

Die CIGS-Pero-Tandemzelle wurde in einer typischen Laborgröße von einem Quadratzentimeter realisiert.

Die CIGS-Pero-Tandemzelle wurde in einer typischen Laborgröße von einem Quadratzentimeter realisiert. © HZB

Die Pero-CIGS-Tandemzellen werden nun mit einem rot umrandeten Quadrat im NREL-Chart aufgeführt. Den Weltrekord hält aktuell das HZB mit 24,16 %.

Die Pero-CIGS-Tandemzellen werden nun mit einem rot umrandeten Quadrat im NREL-Chart aufgeführt. Den Weltrekord hält aktuell das HZB mit 24,16 %. © NREL

Eigens für eine Entwicklung aus dem HZB gibt es nun in der Grafik für Solarzellen-Weltrekorde einen neuen Zweig. Die neue Weltrekord-Zelle besteht aus den Halbleitern Perowskit und CIGS, die zu einer monolithischen „zwei-Terminal“-Tandemzelle verschaltet sind. Aufgrund der verwendeten Dünnschichttechnologien überleben solche Tandemzellen im Weltall deutlich länger und können sogar auf biegsamen Folien produziert werden. Die neue Tandemzelle erreicht einen zertifizierten Wirkungsgrad von 24,16 Prozent.

Tandemzellen bestehen in der Regel aus zwei unterschiedlichen Halbleitern, die unterschiedliche Bereiche des Lichtspektrums in elektrische Energie umwandeln. Dabei nutzen Metall-Halogenid Perowskit-Verbindungen vor allem die sichtbaren Anteile des Spektrums, während CIGS-Halbleiter mehr die infraroten Anteile umwandeln. CIGS steht für eine Verbindung aus Kupfer, Indium, Gallium und Selen. CIGS-Zellen können als Dünnschichtstapel von insgesamt nur 3 bis 4 Mikrometern Dicke abgeschieden werden, die Perowskitschichten sind mit 0,5 Mikrometern sogar noch viel dünner. Die neue Tandemsolarzelle aus CIGS und Perowskit besitzt damit eine Dicke von deutlich unter 5 Mikrometern, so dass biegsame Solarmodule denkbar sind.

Für Anwendungen im Weltraum geeignet

„Diese Kombination ist zudem extrem leicht und stabil gegen Bestrahlung, so dass sie für Anwendungen in der Satellitentechnik im Weltraum eignen könnte“, sagt Prof. Dr. Steve Albrecht, HZB. Ergebnisse dazu sind nun auch in der renommierten Fachzeitschrift JOULE publiziert.

Extrem dünn und effizient

„Wir haben die Unterzelle aus CIGS diesmal direkt mit der Oberzelle aus Perowskit verschaltet, so dass die Tandemzelle nur zwei elektrische Kontakte, sogenannte „Terminals“ besitzt, erklärt Dr. Christian Kaufmann vom PVcomB am HZB, der mit seinem Team die CIGS-Unterzelle entwickelt hat: „Speziell die Einbringung von Rubidium hat das CIGS Absorbermaterial deutlich verbessert“. Albrecht und sein Team haben die Perowskit-Schicht im HySPRINT-Lab am HZB direkt auf der rauen CIGS-Schicht abgeschieden.

Ein "Trick" bewährt sich

„Dabei haben wir einen Trick benutzt, den wir zuvor entwickelt haben“, erklärt der ehemalige Postdoc aus Albrechts Gruppe Dr. Marko Jošt, der nun an der Universität in Ljubjana, Slowenien, forscht. Sie brachten zunächst so genannte SAM-Moleküle auf die CIGS-Schicht, die sich selbstorganisiert dicht zu einer monomolekularen Lage anordnen.

Offiziell zertifiziert: 24,16 Prozent

Die neue Perowskit-CIGS-Tandemzelle erreicht einen Wirkungsgrad von 24,16 Prozent. Dieser Wert ist offiziell durch das CalLab des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zertifiziert.

Eigener Zweig in den NREL-Charts

Da solche „2Terminal“-Tandemzellen aus CIGS und Perowskit nun eine eigene Kategorie darstellen, hat das National Renewable Energy Lab NREL, USA, dafür einen neuen Zweig auf der berühmten NREL Chart angelegt. Diese Grafik verzeichnet die Entwicklung der Wirkungsgrade für nahezu alle Solarzell-Typen seit 1976. Perowskit-Verbindungen sind erst seit 2013 mit eingezeichnet – Der Wirkungsgrad dieser Materialklasse ist seitdem so stark gestiegen wie für kein anderes Material.

Prof. Dr. Steve Albrecht leitet am HZB eine vom BMBF geförderte Nachwuchsgruppe und ist Juniorprofessor an der Technischen Universität Berlin. Dr. Christian Kaufmann leitet eine Arbeitsgruppe am PVcomB des HZB.  Aus dem HZB sind in den letzten Jahren bereits mehrfach Weltrekorde für Tandemsolarzellen aus Perowskit in Kombination mit anorganischen Halbleitern gemeldet worden. Aktuell hält das Team um Albrecht auch den Weltrekord für Tandemzellen aus Silizium und Perowskit mit 29, 1 Prozent, der ebenfalls in den NREL-Charts verzeichnet ist.

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Elektrokatalysatoren: Ladungstrennung an der Fest-Flüssig-Grenzfläche modelliert
    Science Highlight
    16.04.2026
    Elektrokatalysatoren: Ladungstrennung an der Fest-Flüssig-Grenzfläche modelliert
    Wasserstoff spielt für die Wende hin zur CO₂-Neutralität eine entscheidende Rolle, sowohl als Energieträger als auch als Ausgangsstoff für die grüne Chemie. Die großtechnische Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse sowie vieler anderer chemischer Produkte erfordert jedoch deutlich kostengünstigere und effizientere Katalysatoren. Um Elektrokatalysatoren gezielt zu verbessern, ist es von großem Nutzen, die elektrochemischen Prozesse genau zu verstehen, die an der Grenzfläche zwischen dem festen Katalysator und dem flüssigen Medium ablaufen. Ein europäisches Team hat In der Fachzeitschrift Nature Communications ein leistungsfähiges Modell vorgestellt, das die Ladungstrennung an der Grenzfläche, die Bildung der elektrischen Doppelschicht sowie deren Einfluss auf die katalytische Aktivität hervorragend beschreibt.
  • Umweltchemie an BESSY II: Radikale in Gewässern
    Science Highlight
    09.04.2026
    Umweltchemie an BESSY II: Radikale in Gewässern
    Wie entstehen in wässrigen Lösungen unter UV-Licht so genannte Radikale? Diese Frage spielt sowohl für die Gesundheitsforschung als auch für den Umweltschutz eine wichtige Rolle, beispielsweise im Zusammenhang mit der Überdüngung von Gewässern durch die Landwirtschaft. Ein Team hat nun an BESSY II eine neue Methode etabliert, um Hydroxyl-Radikale in Lösung zu untersuchen. Mit einem Trick konnten sie überraschende Einblicke in den Reaktionspfad gewinnen.
  • Theorie trifft Praxis – Wir gehen wieder an die HTW Berlin!
    Nachricht
    07.04.2026
    Theorie trifft Praxis – Wir gehen wieder an die HTW Berlin!
    Die Beratungsstelle für BIPV (BAIP) des HZB übernimmt wieder die Koordination und Ausführung der Vorlesung "Gebäudeintegierte Photovoltaik".