Perowskit-Solarzellen: Einsichten in die Frühstadien der Strukturbildung

Mit Kleinwinkelstreuung gelang es nun fr&uuml;he Vorstufen der Strukturbildung in Vorl&auml;uferl&ouml;sungen von Perowskitsolarzellen nachzuweisen.<br /><br /><br />

Mit Kleinwinkelstreuung gelang es nun frühe Vorstufen der Strukturbildung in Vorläuferlösungen von Perowskitsolarzellen nachzuweisen.


© M. Flatken/HZB

Mit der Methode der Kleinwinkelstreuung an der PTB-Röntgen-Beamline von BESSY II konnte ein HZB-Team experimentell die kolloidale Chemie von Perowskit-Vorläuferlösungen für Solarzellen untersuchen. Die Ergebnisse sind hilfreich, um Herstellungsverfahren und Qualität dieser spannenden Halbleitermaterialien gezielt und systematisch zu optimieren.

Halogenid-Perowskit-Halbleiter sind günstige, variable und leistungsstarke Materialien, die sowohl in Solarzellen, als auch als optoelektronische Bauelemente Verwendung finden. Die hierzu benötigten kristallinen Perowskit-Dünnschichten werden bei niedriger Temperatur aus einer Vorläuferlösung hergestellt: Während das Lösemittel durch Tempern verdampft, interagiert mit Jod koordiniertes Blei mit Methylammonium und bildet schließlich die polykristalline Dünnschicht. Die Qualität dieser Dünnschicht entscheidet über die Leistungsfähigkeit des Halbleitermaterials. Bislang ist es nicht möglich, diesen Prozess der Kristallisation perfekt zu kontrollieren.

Wie verläuft der Prozess der Kristallisation?

Nun hat ein HZB-Team um Prof. Antonio Abate mit der Methode der Kleinwinkelstreuung experimentell ermittelt, wie sich die anfänglich ungeordneten Elemente in der Vorläuferlösung bereits zu ersten Clustern finden und somit eine anfängliche „vorkristalline“ Anordnung zur weiteren Umsetzung zu Perowskit-Dünnschichten darstellen.

Die Auswertung zeigt, dass sich zunächst Gruppen aus Blei und Iod formieren, so genannte Iodoplumbate, in denen sich ein Blei-Atom oktaedrisch mit sechs Jodatomen umgibt. Diese Untergruppen bilden im weiteren Verlauf ein dynamisches kolloidales Netzwerk, in das sich das organische Methylammonium einordnet, aus denen sich die bekannte Perowskit-Struktur ableitet.

„Während wir mit herkömmlichen Methoden bisher nur stark verdünnte Lösungen messen konnten, war es mit dem ASAXS-Instrument des HZB an der FCM-Beamline der PTB an BESSY II möglich, die Lösungen in der Konzentration zu untersuchen, die wir auch für die Herstellung von Dünnfilmen benötigen“, betont Marion Flatken, die die Messungen im Rahmen ihrer Promotion durchgeführt hat.

Kleinwinkelstreuung zeigt Clusterbildung

„Kleinwinkelstreuung ist optimal für die Messung von Nanopartikeln und Substrukturen in Lösungen geeignet“, erklärt Dr. Armin Hoell, Experte für die Methode der Kleinwinkelstreuung und ein korrespondierender Autor der Studie.  „Die Messdaten zeigen deutlich die Ausbildung von zunächst nanometergroßen Clustern, die von der Dimension gut zur den PbI6-Oktaeder passen und die sich konzentrationsabhängig organisieren. Die Messungen sind zudem sehr gut reproduzierbar.“

Die vorgestellte Technik und Ergebnisse können dazu beitragen, die Herstellungsverfahren weiter zu optimieren und die Qualität solcher Perowskit-Dünnschichten bei der Herstellung besser und systematischer zu kontrollieren.

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Nanosilber als Elektrokatalysator für die CO&#8322;-Verwertung
    Science Highlight
    24.09.2026
    Nanosilber als Elektrokatalysator für die CO₂-Verwertung
    Durch Elektrolyse lässt sich CO2 zu CO reduzieren, einem Ausgangsstoff für weitere chemische Produkte wie beispielsweise Kraftstoffe. Im Rahmen des GreenQUEST-Projekts hat ein internationales Team um den HZB-Chemiker Prashanth Menezes Katalysatorschichten aus Silbernanopartikeln systematisch untersucht und dabei sowohl die Partikelgröße als auch deren Dichte variiert. Die beste Ausbeute wurde mit Nanopartikeln mit Durchmessern von etwa 10 nm erzielt, die locker verteilt waren. Darüber hinaus zeigten sie, wie sich die Wirtschaftlichkeit der elektrochemischen Zelle durch eine zusätzliche chemische Reaktion an der Anode verbessern lässt, indem gleichzeitig wertvolle Ameisensäure, Wasserstoff und CO erzeugt wird.
  • BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Science Highlight
    23.09.2026
    BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Spin-Hall-Nano-Oszillatoren sind winzige Bauelemente auf Basis von ultradünnen CoFeB-Schichten. Sie wandeln Gleichstrom in Mikrowellensignale um und gelten als Option für eine besonders effiziente drahtlose Kommunikation oder für eine neue Technologie der Datenverarbeitung, die vom Gehirn inspiriert ist. Ein schwedisch-deutsches Team konnte nun an BESSY II zum ersten Mal die Magnetisierungsdynamik im Inneren eines solchen Spin-Hall-Nano-Oszillators abbilden, sozusagen filmen. Dazu nutzten sie die zeitaufgelöste Röntgen-Rastertransmissionsmikroskopie am MAXYMUS-Instrument. Die Abbildungen zeigen Merkmale von Spinwellen, die in den bisherigen indirekten Messverfahren nicht sichtbar waren. Die Studie ist in „Advanced Materials“ veröffentlicht.
  • Marcel Risch wird Professor an der Freien Universität Berlin
    Nachricht
    17.09.2026
    Marcel Risch wird Professor an der Freien Universität Berlin
    Seit August 2026 ist Marcel Risch Professor (W2-S) im Fachbereich Physik an der Freien Universität Berlin. Seine Nachwuchsgruppe wird zur Abteilung Mechanismen nachhaltiger Elektrokatalyse. Risch erforscht die fundamentalen Mechanismen elektrokatalytischer Reaktionen und entwickelt auf dieser Grundlage wissens- und datengetriebene Strategien zur Verbesserung von Elektrokatalysatoren für die nachhaltige Erzeugung von Wasserstoff, Kraftstoffen und Chemikalien.