BESSY II: Wie das gepulste Laden die Lebensdauer von Batterien verlängert

© stock.adobe.com

Die Abbildung zeigt die Alterungsprozesse in NMC/Graphit-Lithium-Ionen-Batterien beim konventionellen Laden (oberes Bild) und beim Laden mit gepulstem Strom (unteres Bild). Das gepulste Laden f&uuml;hrt zu deutlich weniger Rissen in den Graphit- und NMC-Partikeln. Au&szlig;erdem ist die Grenzfl&auml;che zwischen der festen Elektrode und dem fl&uuml;ssigen Elektrolyten (SEI) d&uuml;nner und hat eine andere Zusammensetzung.</p>
<p>&nbsp;

Die Abbildung zeigt die Alterungsprozesse in NMC/Graphit-Lithium-Ionen-Batterien beim konventionellen Laden (oberes Bild) und beim Laden mit gepulstem Strom (unteres Bild). Das gepulste Laden führt zu deutlich weniger Rissen in den Graphit- und NMC-Partikeln. Außerdem ist die Grenzfläche zwischen der festen Elektrode und dem flüssigen Elektrolyten (SEI) dünner und hat eine andere Zusammensetzung.

  © HZB/10.1002/aenm.202400190

Ein verbessertes Ladeprotokoll könnte die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batterien deutlich verlängern. Das Laden mit hochfrequentem gepulstem Strom verringert Alterungseffekte. Dies zeigte ein internationales Team unter der Leitung von Philipp Adelhelm (HZB und Humboldt-Universität) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin und der Aalborg University in Dänemark. Besonders aufschlussreich waren Experimente an der Röntgenquelle BESSY II.

Lithium-Ionen-Batterien sind leistungsstark und werden überall eingesetzt, von Elektrofahrzeugen bis zu elektronischen Geräten. Allerdings nimmt ihre Kapazität im Laufe von Hunderten von Ladezyklen allmählich ab. Die besten handelsüblichen Lithium-Ionen-Batterien mit Elektroden aus sogenanntem NMC532 (Summenformel: LiNi0.5Mn0.3Co0.2O2) und Graphit haben eine Lebensdauer von bis zu acht Jahren. Batterien werden in der Regel mit einem konstanten Stromfluss geladen. Aber ist das wirklich die günstigste Methode? Eine neue Studie aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Philipp Adelhelm am HZB und der Humboldt-Universität zu Berlin beantwortet diese Frage eindeutig mit Nein. Die Studie in der Fachzeitschrift Advanced Energy Materials analysiert den Einfluss des Ladeprotokolls auf die Lebensdauer der Batterie.

Alterungseffekte analysiert

Ein Teil der Batterietests wurde an der Universität Aalborg durchgeführt. Die Batterien wurden entweder konventionell mit Konstantstrom (CC) oder mit einem neuen Ladeprotokoll mit gepulstem Strom (PC) geladen. Post-mortem-Analysen zeigten nach mehreren Ladezyklen deutliche Unterschiede: Bei den CC-Proben war die Festelektrolyt-Grenzfläche (SEI) an der Anode deutlich dicker, was die Kapazität beeinträchtigte. Außerdem fand das Team mehr Risse in der Struktur der NMC532- und Graphitelektroden, was ebenfalls zum Kapazitätsverlust beitrug. Im Gegensatz dazu führte die PC-Ladung zu einer dünneren SEI-Grenzfläche und weniger strukturellen Veränderungen in den Elektrodenmaterialien.

Synchrotron-Experimente an BESSY II und PETRA III

HZB-Forscher Dr. Yaolin Xu untersuchte anschließend die Lithium-Ionen-Zellen an der Humboldt-Universität und an BESSY II mit Operando-Raman-Spektroskopie und Dilatometrie sowie Röntgenabsorptionsspektroskopie. Dadurch gelang es ihm, zu analysieren, was beim Laden mit unterschiedlichen Protokollen passiert. Ergänzende Experimente wurden am Synchrotron PETRA III durchgeführt. „Das Aufladen mit gepulstem Strom fördert die homogene Verteilung der Lithium-Ionen im Graphit. Dadurch verringert sich die mechanische Belastung und Rissbildung in den Graphitpartikeln, so dass die Graphitanode länger stabil bleibt", schließt er. Die gepulste Ladung unterdrückt auch strukturelle Veränderungen in den NMC532-Kathodenmaterialien und geht mit geringeren Variationen in den N-O-Bindungslängen zwischen Stickstoff- und Sauerstoffatomen einher.

Die Pulsstromfrequenz ist entscheidend

Dabei kommt es jedoch auf die Frequenz des gepulsten Stroms an: die Messreihe mit einem hochfrequent gepulstem Strom verlängerte die Lebensdauer der untersuchten kommerziellen Lithium-Ionen-Batterie am stärksten, bis zur Verdopplung der Zyklenlebensdauer (mit 80 % Kapazitätserhalt). Mitautorin Prof. Dr. Julia Kowal, Expertin für elektrische Energiespeichertechnik an der TU Berlin, betont: „Ein gutes Verständnis über den Einfluss von Pulsladung mit verschiedenen Frequenzen auf die SEI-Schicht wird sehr hilfreich sein für die Entwicklung von schonenderen Ladeverfahren.“

 

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Perowskit-Dreifachsolarzellen: Noch effizienter mit GO/SAM Doppelschicht
    Science Highlight
    09.07.2026
    Perowskit-Dreifachsolarzellen: Noch effizienter mit GO/SAM Doppelschicht
    Perowskit-Halbleiter wandeln Sonnenlicht effizient in elektrische Energie um, darüber hinaus sind sie günstig und superleicht. Ein Team am HZB hat eine Dreifachsolarzelle aus drei unterschiedlichen Perowskit-Halbleitern mit einer neuartigen Doppelschicht aus Graphenoxid und SAM als Lochleiter entwickelt. Sie konnten zeigen, dass diese Doppelschicht sowohl den Wirkungsgrad als auch die Langzeitstabilität deutlich steigert. Der Wirkungsgrad der neuartigen Perowskit-Dreifachsolarzelle beträgt 27,3% und fällt auch nach mehr als 770 Stunden in Betrieb kaum ab. Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift Joule erschienen.
  • Green Deal Ukra&#1111;na auf der Ukraine Recovery Conference
    Nachricht
    09.07.2026
    Green Deal Ukraїna auf der Ukraine Recovery Conference
    Ende Juni fand in Danzig, Polen, die Ukraine Recovery Conference (UCR2026) statt. Anders als bei den vorherigen Konferenzen wurde erstmals eine dedizierte Energieplattform eingerichtet, gemeinsam organisiert vom ukrainischen Energieministerium und dem polnischen Ministerium für Klima und Umwelt. Diese Energieplattform bündelte Diskussionen, Ankündigungen und Rahmenveranstaltungen und trug so zur besseren Sichtbarkeit und Koordinierung der Energiethemen bei. Green Deal Ukraїna, eine vom HZB koordinierte Initiative, organisierte im Rahmen der Konferenz drei Veranstaltungen zu Forschungs- und Energiethemen.
  • Perovskites: the future of PV? - The smarter-E Podcast
    Nachricht
    07.07.2026
    Perovskites: the future of PV? - The smarter-E Podcast
    Perowskite: Das Wettrennen um die Zukunft der Photovoltaik