Langzeittest zeigt: Effizienz von Perowskit-Zellen schwankt mit der Jahreszeit

Auf dem Dach eines Forschungsgebäudes am HZB befindet sich eine einzigartige Mess-Station. Dort lassen sich unterschiedliche Solarzellen unter realen Wetterbedingungen untersuchen, darunter such Standard-Perowskit-Solarzellen.

Auf dem Dach eines Forschungsgebäudes am HZB befindet sich eine einzigartige Mess-Station. Dort lassen sich unterschiedliche Solarzellen unter realen Wetterbedingungen untersuchen, darunter such Standard-Perowskit-Solarzellen. © HZB/ Industriefotografie Steinbach

Auf dem Dach eines Forschungsgebäudes am Campus Adlershof läuft ein einzigartiger Langzeitversuch: Die unterschiedlichsten Solarzellen sind dort über Jahre Wind und Wetter ausgesetzt und werden dabei vermessen. Darunter sind auch Perowskit-Solarzellen. Sie zeichnen sich durch hohe Effizienz zu geringen Herstellungskosten aus. Das Team um Dr. Carolin Ulbrich und Dr. Mark Khenkin hat Messdaten aus vier Jahren ausgewertet und in der Fachzeitschrift Advanced Energy Materials vorgestellt. Dies ist die bislang längste Messreihe zu Perowskit-Zellen im Außeneinsatz. Eine Erkenntnis: Standard-Perowskit-Solarzellen funktionieren während der Sommersaison auch über mehrere Jahre sehr gut, lassen jedoch in der dunkleren Jahreszeit etwas nach. Die Arbeit ist ein wichtiger Beitrag, um das Verhalten von Perowskit-Solarzellen unter realen Bedingungen zu verstehen.

Kleine Perowskit-Solarzellen im Labormaßstab erreichen unter Standardtestbedingungen mittlerweile einen Wirkungsgrad von bis zu 26,95 %. Sie sind einfach herzustellen und preisgünstig und erste Solarzellen auf Perowskit-Basis sind bereits auf dem Markt. Umso wichtiger ist es, das langfristige Verhalten solcher Perowskit-Solarzellen im Außeneinsatz zu verstehen, damit sich Energieerträge und Lebensdauern noch besser vorhersagen lassen.

Am HZB hat Dr. Carolin Ulbrich mit ihrem Team unterstützt vom Helmholtz-Gemeinschaft-finanzierten Projekt TAPAS mit der Uni Ljubljana eine große Teststation im Freien eingerichtet: Auf dem Dach stehen Gestelle, die mit Solarzellen und Messtechnik bestückt sind. Sie sind das ganze Jahr über Wind und Wetter ausgesetzt. Messdaten aus den vergangenen vier Jahren von kleinen, in Glas verkapselten Perowskit-Solarzellen liegen nun vor. Die Zellen wurden am HZB im Team von Eva Unger hergestellt (Details zum Aufbau: ITO | 2PACz | Cs0,15FA0,85PbI2,55Br0,45 (Bandlücke von 1,65 eV) | C60 | SnO2 | Cu. ).

Die Ergebnisse sind ermutigend: In den ersten beiden Sommern blieb die Spitzenleistung nahezu gleich, zwischen dem ersten und vierten Sommer ging die Effizienz absolut nur um etwa 2 % zurück. Allerdings sank die Effizienz in den Wintermonaten um circa 30 %.

Das Team fand dafür mehrere Ursachen. So verändert sich in höheren Breitengraden (also am Standort Berlin) die Spektralverteilung des Sonnenlichts, mit mehr „blauen“ Anteilen im Sommer und mehr „roten“ Anteilen im Winter. Perowskit-Solarzellen können jedoch vor allem die blauen Anteile des Lichts in elektrische Energie umwandeln. In Standorten, die näher am Äquator liegen, sind diese Spektralverschiebungen geringer ausgeprägt, so dass dort Perowskit-Solarzellen vermutlich im Jahresverlauf einen konstanteren Ertrag bringen können. „Was Perowskit-Solarzellen von ausgereifteren PV-Technologien unterscheidet, ist, dass sie ihren Wirkungsgrad im Tages-Nacht-Zyklus oft reversibel verändern; diese Eigenschaft trägt wesentlich zu den beobachteten starken saisonalen Schwankungen bei“, sagt Mark Khenkin.

Die Auswertung der Daten erfolgte durch den Doktoranden Marko Remec. Mit dieser bislang längsten Testreihe hat das Team einen wichtigen Beitrag geleistet, um das Verhalten von Perowskit-Solarzellen unter realen Bedingungen zu beschreiben und zu verstehen, wie es durch äußere Faktoren beeinflusst wird.

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Spintronik an BESSY II: Echtzeit-Analyse von magnetischen Doppelschichtsystemen
    Science Highlight
    29.04.2026
    Spintronik an BESSY II: Echtzeit-Analyse von magnetischen Doppelschichtsystemen
    Spintronische Bauelemente ermöglichen Datenverarbeitung mit deutlich weniger Energieverbrauch. Sie basieren auf der Wechselwirkung zwischen ferromagnetischen und antiferromagnetischen Schichten. Nun ist es einem Team von Freier Universität Berlin, HZB und Universität Uppsala gelungen, für jede Schicht separat zu verfolgen, wie sich die magnetische Ordnung verändert, nachdem ein kurzer Laserpuls das System angeregt hat. Dabei konnten sie auch die Hauptursache identifizieren, die für den Verlust der antiferromagnetischen Ordnung in der Oxidschicht sorgt: Die Anregung wird von den heißen Elektronen im ferromagnetischen Metall zu den Spins im Antiferromagneten transportiert.
  • 83 Schülerinnen beim Girls'Day am HZB
    Nachricht
    24.04.2026
    83 Schülerinnen beim Girls'Day am HZB
    Am 23. April 2026 fand der jährliche Girl's Day statt, bei dem Schülerinnen Einblicke in verschiedene Berufe im Bereich der Naturwissenschaften, Technik und IT erhielten. 83 Schülerinnen besuchten die HZB-Standorte Adlershof und Wannsee und erlebten einen Tag voller spannender Experimente.
  • Elektrokatalysatoren: Ladungstrennung an der Fest-Flüssig-Grenzfläche modelliert
    Science Highlight
    16.04.2026
    Elektrokatalysatoren: Ladungstrennung an der Fest-Flüssig-Grenzfläche modelliert
    Wasserstoff spielt für die Wende hin zur CO₂-Neutralität eine entscheidende Rolle, sowohl als Energieträger als auch als Ausgangsstoff für die grüne Chemie. Die großtechnische Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse sowie vieler anderer chemischer Produkte erfordert jedoch deutlich kostengünstigere und effizientere Katalysatoren. Um Elektrokatalysatoren gezielt zu verbessern, ist es von großem Nutzen, die elektrochemischen Prozesse genau zu verstehen, die an der Grenzfläche zwischen dem festen Katalysator und dem flüssigen Medium ablaufen. Ein europäisches Team hat In der Fachzeitschrift Nature Communications ein leistungsfähiges Modell vorgestellt, das die Ladungstrennung an der Grenzfläche, die Bildung der elektrischen Doppelschicht sowie deren Einfluss auf die katalytische Aktivität hervorragend beschreibt.