Ein Duo für die Röntgenquelle BESSY III
Seit dem 1. März 2026 sind Renske van der Veen und Andreas Jankowiak das Leitungsteam von BESSY III. Gemeinsam werden sie das zentrale Projekt am HZB voranbringen: die Planung und Realisierung der neuen Röntgenquelle BESSY III in Berlin-Adlershof. Hier sprechen sie über ihre Motivation, die nächsten Schritte und warum BESSY III ein generationsübergreifendes Projekt ist.
Liebe Renske, lieber Andreas, ein neues Kapitel für unser Riesenprojekt BESSY III beginnt nun mit euch. Was bringt ihr mit?
Renske van der Veen: Energie und Begeisterung für das Projekt und auch für Teamarbeit! Ich liebe es, mit vielen Menschen etwas Großes auf die Beine zu stellen. BESSY III ist für mich eine fantastische Möglichkeit, das alles umzusetzen und dafür bringe ich auch den notwendigen Pragmatismus mit.
Andreas Jankowiak: Ich bringe 15 Jahre Erfahrung am HZB in unterschiedlichen Leitungspositionen und Erfahrung aus verschiedenen Komitees mit. Zum Beispiel leite ich seit sechs Jahren das „machine-advisory-committee“ von Diamond II (Nachfolgequelle von Diamond, Vereinigtes Königreich). Das gibt mir ein Gefühl, was um uns herum in diesem Bereich passiert und wie dort die Dinge entwickelt werden. Außerdem bin ich begeistert, dass wir ein Forschungszentrum mit eigenem, starkem Forschungsprofil sind, das extrem durch unser Großgerät BESSY profitiert. Diese Verknüpfung ist für mich ein absoluter Mehrwert.
Was hat euch bewegt, die Projektleitung als Duo anzunehmen?
Renske van der Veen: Ich greife hier zu einer Analogie, die mir gefällt: Die technische Leitung mit Andreas steht für das Herz der Anlage, das heißt den Beschleuniger und die Infrastruktur. Ich stehe mit meinem Team für die Sinne der Anlage. Es ist ein Zusammenspiel von Maschine, wissenschaftlichen Instrumenten und Forschungsmöglichkeiten, nur gemeinsam kann es funktionieren und bilden wir eine Einheit.
Andreas Jankowiak: So sehe ich das auch. Ich habe immer gesagt, dass ich mir eine Leitung nur zu zweit vorstellen kann. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unseren beiden Bereichen, die sehr ineinander verschränkt sind, eine gemeinsame Position entwickeln können. Und ich werde die Fertigstellung in meinem beruflichen Wirken nicht mehr erleben, daher gut, dass Du, Renske, das Gesicht von BESSY III wirst.
Renske van der VeenDiesen Punkt habe ich öfter hier im Kollegium gehört. Aber genau da möchte ich ansetzen und unsere Kultur weiterentwickeln. BESSY III ist ein generationsübergreifendes Projekt, jede und jeder hat seinen Platz. Dieses Projekt ist eine wunderbare Möglichkeit, sich so richtig ins Zeug zu legen: ganz egal an welcher Stelle man sich in seiner Karriere befindet. Ich möchte allen sagen: Du hast die Chance, an etwas, das weltweit bekannt sein wird, an etwas Bleibendem mitzuwirken. It’s your legacy!
Andreas Jankowiak (lacht): Das bringt mich nochmal auf den Teamgedanken und den Wunsch, mit vielen, vielen Leuten zusammenzuarbeiten und ihnen zuzuhören, um gemeinsam Dinge voranzutreiben.
Renske van der Veen: Ja genau! Es ist kein Sololauf. BESSY III kann nur dann entstehen, wenn wir gemeinsam als großes Team daran mitwirken. Allen Kolleginnen und Kollegen muss bewusst sein, was für eine entscheidende Rolle sie haben und welche Pionierarbeit sie leisten. Wir werden dann in 10-15 Jahren die modernste Synchrotronstrahlungsquelle der Welt für viele Jahre haben!
Wo steht das BESSY III Projekt gerade?
Andreas Jankowiak: Wir haben ein besonderes Konzept für die Maschine. Unser Claim für BESSY III ist: wir bauen nicht nur einen Beschleuniger, der irgendetwas besser kann als andere, wir sehen BESSY III in ihrer Ganzheit. Eine neue Anlage mit großartigen Perspektiven, die sich u.a. durch einen exzellenten Beschleuniger, neue Undulator- und Strahlrohrtechnologien, neue Experimentiermöglichkeiten, neue Laborumgebungen, Automatisierung ergeben.
Bis Ende des Jahres finalisieren wir einen Bericht, den so genannten Conceptual Design Report. Dort beschreiben wir die klare Vision vom Beschleunigen der Elektronen bis zu ihrer Nutzung. Danach erarbeiten wir den so genannten Technical Design Report. Hier geht es um die technischen Details der Planungen sowie die Zeit- und Kostenplanung. 2028 wollen wir uns auf den nächsten Call für die nationale Roadmap zur Priorisierung großer Forschungsinfrastrukturen bewerben. Alle vier Jahre ruft das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt Forschungseinrichtungen auf, Anträge zur Förderung von Großprojekten in Deutschland einzureichen. Unser Ziel ist es auf dieser nationalen Roadmap zu sein, um die Finanzierung von BESSY III zu sichern!
Was wird BESSY III an neuen Perspektiven bringen?
Renske van der Veen: Das HZB ist sowohl in Grundlagenforschung als auch angewandter Forschung sehr stark. Die Gesellschaft erwartet den Transfer von Erkenntnissen aus der Forschung in das alltägliche Leben. Und mit BESSY III wollen wir diesen Transfer vorantreiben. Zum Beispiel mit den sogenannten Signature Instruments, das sind komplette experimentelle Aufbauten, die mit der Industrie und Forschenden gemeinsam designed werden und mit denen wir gesellschaftlich relevante Themen anpacken. Die chemische Industrie zum Beispiel hat großes Interesse an unserer Katalyseforschung, und im Bereich Halbleiterindustrie bringen wir die Technologie mit unserem Partner, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt auf ein ganz neues Niveau.
Außerdem sehe ich in der Automatisierung und der KI eine riesige Chance. Die Industrie transformiert sich gerade und was heute neu ist, wird in wenigen Jahren Standard sein. Beim Neubau BESSY III integrieren wir diese Technologien von Grund auf. Agilität ist hier der Schlüssel!
Die Fragen stellte Florentine Krawatzek.
> Mehr Informationen zum Projekt BESSY III
Kurze Lebensläufe der Projektleitung von BESSY III:
Renske van der Veen ist seit Juni 2021 Leiterin der Abteilung Atomare Dynamik in der Licht-Energie-Umwandlung am HZB sowie Professorin an der Technischen Universität Berlin. Von 2015 bis 2021 war sie Assistant Professor in Chemie an der University of Illinois Urbana-Champaign; zuvor leitete sie von 2013 bis 2015 eine Projektgruppe am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Kooperation mit dem DESY. Als Postdoktorandin forschte sie in der Arbeitsgruppe des Nobelpreisträgers Ahmed H. Zewail am California Institute of Technology (Caltech). Sie promovierte an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) in Zusammenarbeit mit dem Paul-Scherrer-Institut in der Schweiz. Ihren Bachelor- und Masterabschluss in Chemie erwarb sie mit Auszeichnung an der ETH Zürich. Für ihre Forschung erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sofja-Kovalevskaja-Preis, das Packard Fellowship in Science and Engineering, sowie einen NSF CAREER Award.
Andreas Jankowiak ist Technischer Direktor von BESSY II sowie Leiter des Instituts für Beschleuniger Betrieb, Entwicklung und Technologie am HZB. Außerdem ist er Universitätsprofessor für Beschleunigerphysik am Institut für Physik der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2005 bis 2010 leitete er den Beschleunigerbetrieb und -entwicklung am Mainz Microtron der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz; zudem war er kommissarischer Leiter der Sektion „Accelerators and Integrated Detectors“ am Helmholtz-Institut Mainz, bevor er 2010 ans HZB wechselte. Er studierte Physik an der Universität Dortmund und schloss 1994 sowohl sein Diplom als auch 2000 seine Promotion jeweils mit Auszeichnung ab. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er unter anderem mit dem Best Diploma Award der „Gesellschaft der Freunde der Universität Dortmund“ sowie mit der Silbernen Ehrennadel des DESY ausgezeichnet.