Was Feinwerkmechaniker können müssen

© HZB

Jakob und Janice in der Ausbildungswerkstatt des Helmhotz-Zentrum Berlin

Jakob und Janice in der Ausbildungswerkstatt des Helmhotz-Zentrum Berlin © HZB

Das nächste Projekt: Einen Tischkicker bauen!

Das nächste Projekt: Einen Tischkicker bauen! © HZB

Was machen eigentlich Feinwerkmechaniker? Und was lernt man in der Ausbildung? Um das herauszufinden, sind wir mit zwei Azubis aus dem HZB verabredet. Durch einige Flure gelangen wir in eine große Werkstatt, voll mit schweren Maschinen, Werkzeugen und Geräten. Mitten im Raum stehen drei Personen und hantieren an einer Drehbank, die laut vor sich hin schnurrt.

Während wir uns noch umsehen, kommt ein großer Mann um die Ecke, es ist Christian Remus, der Ausbildungsleiter der Werkstatt. Kurz haben wir noch Zeit, die riesigen Fräsen und Maschinen auf uns wirken zu lassen, dann gehen wir mit den Azubis in den Pausenraum, wo wir uns ungestört unterhalten können. Uns gegenüber sitzen Janice Schwinning, 21 Jahre, und Jakob Rotzsch, 19 Jahre. Beide sind seit September 2021 in ihrem 3. Ausbildungsjahr und auf bestem Weg Feinwerkmechaniker/in zu werden.

Warum haben sich Janice und Jacob für den Beruf entschieden?

Wir wollen zunächst wissen, warum sie sich für die Ausbildung zum Feinwerkmechaniker am HZB entschieden haben. „Ich habe mich eigentlich nach einem Bürojob umgesehen, aber als ich beim Vorstellungsgespräche mitbekommen habe, wie familiär hier die Atmosphäre im Gegensatz zu anderen Stellen ist, habe ich mich für diese Ausbildung entschieden“, sagt Janice. Jakob erzählt uns, dass er schon immer etwas Handwerkliches machen wollte. Letztendlich haben ihn die guten Bedingungen überzeugt, die Ausbildung am HZB zu beginnen. „Außerdem wollte ich gern nach Berlin“, sagt er.

Nur sehr wenige junge Menschen machen in Berlin eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker *in. Neben Janice und Jakob gibt es in ihrer Klasse nur zwei weitere Azubis. Feinwerkmechaniker beschäftigen sich mit dem Fertigen von Geräten und Bauteilen, bei denen höchste Genauigkeit gefordert ist. Hier am HZB gibt es für die Azubis sogar einen extra Ausbildungswerkstatt, in der sie viele praktische Erfahrungen sammeln können. Außerdem bekommen sie hier auch noch zusätzlichen theoretischen Unterricht. Alle drei Wochen besuchen sie dann für die ganze Woche die Berufsschule, die Georg-Schlesinger-Schule in Berlin-Reinickendorf. Dort werden die Feinwerkmechaniker-Azubis unter anderem in Werkstofftechnik, Prozessautomatisierung, aber auch Wirtschafts- und Betriebslehre unterrichtet. Die Ausbildung als Feinwerkmechaniker dauert insgesamt dreieinhalb Jahre.

Was sind konkrete Projekte?

Doch was machen die Beiden ganz konkret während ihrer Ausbildung? Janice hat uns eine Presse mitgebracht, die sie uns kurz vorführt. Ein Werkzeug, von dem man vermutet, es ist irgendwo gekauft worden, so perfekt sieht es aus. Aus einem Bausatz feilte sie die Einzelteile Millimeter genau zurecht, um später Teile auszufräsen oder zu bohren. Das alles beanspruchte ungefähr ein Jahr. Schrittweise erlernen die Azubis so die praktischen Fertigkeiten ihres Berufs und haben am Ende ihr eigenes Werkstück, das sie sogar mit nach Hause nehmen können.

Dauerte die Arbeit an der Presse wirklich ein ganzes Ausbildungsjahr, fragen wir erstaunt nach. „Ja, Geduld zu haben, gehört schon dazu. Man muss ja erst einmal viele Maschinen und deren Bedienung kennenlernen.“ Am HZB bekommen die Azubis viel Unterstützung von ihren Ausbildern. Trotzdem werden sie nicht auf Schritt und Tritt „überwacht“, sondern können Dinge selbständig ausprobieren und aus eigenen Fehlern lernen.

Einen Tischkicker selbst bauen? Feinwerkmechaniker können das!

Auf dem Tisch steht noch ein anderes, spannendes Objekt: ein Tischkicker! „Den Kicker haben wir beide insgesamt ein Jahr zusammengebaut. Er soll später mal im Pausenraum stehen, aber er ist noch nicht ganz fertig“, erzählt uns Jakob. Der Fußball für den Kicker war nämlich etwas zu klein, so dass die „Spieler“ ihn zum Teil nicht mehr erreichen konnten. „Den Ball konnten wir schnell auswechseln, doch jetzt passt er nicht mehr durch die vorgesehene Öffnung, um ihn einzuwerfen. Dafür müssten wir erstmal alles auseinanderschrauben, um ein größeres Loch zu bohren.“ Auch das gehört dazu: Man muss nachbessern, wenn nicht gleich alles auf Anhieb funktioniert.

Ich persönlich muss aber anmerken, dass mir das gar nicht aufgefallen wäre. Auch die 22 Spieler des Tischkickers haben Janice und Jakob alle einzeln per Hand gefertigt und poliert. „Eine ganz schöne Fummelarbeit“, meint Janice. Spaß hatten die beiden angehenden Feinwerkmechaniker an diesem Projekt aber dennoch!

Ausbildung am HZB – Komm’ zu uns!

Lust auf interessante Azubi-Projekte und eine Ausbildung am HZB bekommen? Dann schaut doch einfach auf unserer Ausbildungsseite vorbei! Dort findet ihr unsere offenen Azubi-Stellen!

Mila Mehring (Praktikantin)

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