Ladungstransport in hybriden Silizium-basierten Solarzellen

Sara J&auml;ckle hat gezeigt, dass sich an der Grenzfl&auml;che zwischen organischem Kontakt und n-dotiertem Silizium ein pn-&Uuml;bergang ausbildet. </p>
<p>

Sara Jäckle hat gezeigt, dass sich an der Grenzfläche zwischen organischem Kontakt und n-dotiertem Silizium ein pn-Übergang ausbildet.

© Björn Hoffmann

Sorgf&auml;ltige Messreihen an Silizium-Wafern mit unterschiedlich starker n-Dotierung haben die Entdeckung erm&ouml;glicht.

Sorgfältige Messreihen an Silizium-Wafern mit unterschiedlich starker n-Dotierung haben die Entdeckung ermöglicht. © Björn Hoffmann

Eine überraschende Erkenntnis bei organisch-anorganischen Hybrid-Solarzellen hat ein Team um Silke Christiansen gewonnen: anders als erwartet, entspricht der Übergang zwischen der organischen leitfähigen Kontaktschicht aus PEDOT:PSS und dem Silizium-Absorbermaterial nicht einem Metall-Halbleiter-Kontakt (Schottky-Kontakt), sondern einem pn-Übergang zwischen zwei Halbleitermaterialien. Ihre Ergebnisse sind nun in dem Nature-Journal Scientific Reports publiziert und können neue Wege aufzeigen, hybride Solarzellen zu optimieren.

Das untersuchte System basiert auf konventionellen n-dotierten Siliziumwafern, die mit dem organischen hochleitfähigen Material PEDOT:PSS  beschichtet sind und einen Wirkungsgrad von etwa 14 % zeigen. Diese Material-Kombination wird aktuell auch von anderen Forschergruppen  intensiv untersucht.

„Wir haben systematisch die Kennlinien, Dunkelströme sowie die Kapazitäten von solchen Schichtsystemen ausgemessen, und zwar mit unterschiedlich dotierten Siliziumwafern“, erklärt Sara Jäckle, Erstautorin der Arbeit und Doktorandin im Team von Prof. Silke Christiansen (HZB-Institut für Nanoarchitekturen für die Energieumwandlung und Projektleiterin am MPI für die Physik des Lichts, Erlangen). Für einige Messungen arbeitete das Team auch mit der Arbeitsgruppe von Prof. Klaus Lips vom HZB-Institut für Nanospektroskopie zusammen.

Abhängigkeit von der n-Dotierung der Si-Wafer

„Dabei haben wir festgestellt, dass die Dunkelkennlinien sowie die Leerlaufspannung der Solarzellen von der n-Dotierung der Siliziumschicht abhängen. Dieses Verhalten und die Größenordnung der Messwerte passen jedoch überhaupt nicht zu einem typischen Schottky-Kontakt.“

Der Befund ist überraschend, denn n-Silizium ist ein typischer Halbleiter, während PEDOT:PSS üblicherweise als metallisch leitend beschrieben wird. Bislang wurde deshalb angenommen, dass zwischen diesen beiden Materialien ein typischer Metall-Halbleiter-Kontakt besteht, der durch die Schottky-Gleichung beschrieben werden kann.

Typischer Heteroübergang

Doch die Messdaten und der Abgleich mit theoretischen Modellierungen zeigen etwas anderes: Die organische, leitfähige Schicht verhält sich im Kontakt mit n-Silizium nicht wie ein Metall sondern wie ein p-Halbleiter. „Die Messergebnisse hängen von der Stärke der n-Dotierung ab, genau wie bei einem Heteroübergang zwischen einem p-Halbleiter und einem n-Halbleiter“, sagt Sara Jäckle.

Ergebnisse vermutlich auf weitere Hybrid-Systeme übertragbar

„Diese Arbeit betrifft einen ganz wichtigen Aspekt bei solchen hybriden Schichtsystemen, nämlich das Verhalten an der Grenzschicht”, sagt Silke Christiansen. „Die Ergebnisse sind vermutlich auch für andere hybride Systeme gültig, die für die Photovoltaik oder andere optoelektronische Anwendungen interessant sind, beispielsweise auch für Perowskit-Zellen. Sie geben uns neue Hinweise, wie wir gezielt an der Grenzflächenoptimierung arbeiten können”.


Anmerkung: Gerade ist der Sonderforschungsbereich SPP951- Hybrid Inorganic/Organic Systems for Opto-Electronics (HIOS) in die zweite Förderperiode gestartet. In einem Teilprojekt dieses SFBs wird das Team um Silke Christiansen die Forschung an  hybriden Grenzflächen fortsetzen.

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • BESSY II: Aufgedampfte Perowskit-Schichten in Tandem-Solarzellen verbessert
    Science Highlight
    26.08.2026
    BESSY II: Aufgedampfte Perowskit-Schichten in Tandem-Solarzellen verbessert
    Perowskit-Silizium-Tandem-Solarzellen erzielen deutlich höhere Wirkungsgrade als reine Silizium-Solarzellen. Ein besonders attraktives Verfahren, um diese Tandem-Solarzellen zu produzieren, ist die Co-Verdampfung der Perowskit-Vorläufermoleküle auf die Silizium-Teilzelle. Ein Team am HZB hat nun das Schichtwachstum auf Nanometerskala an BESSY II analysiert und einen neuen Weg gefunden, die Qualität der Perowskit-Schicht zu verbessern: Das Einbringen einer dünnen Keimschicht aus Cäsiumchlorid zwischen die beiden Teilzellen fördert ein gleichmäßiges Perowskit-Wachstum und unterdrückt die Bildung von unerwünschtem Bleijodid an der Grenzfläche.
  • Wichtiger Schritt zum Nachweis von Fraktonen in Quantenspinflüssigkeiten
    Science Highlight
    20.08.2026
    Wichtiger Schritt zum Nachweis von Fraktonen in Quantenspinflüssigkeiten
    Nachdem allgemeinere Eichfeldtheorien die Existenz von Fraktonen in Quantenspinflüssigkeiten bereits vorhergesagt haben, ist es einem Team des HZB gelungen diese Quasiteilchen auch in einem Quanten-Festkörpermodell nachzuweisen.
  • Hatice Mutlu an das Helmholtz-Institut HIPOLE in Jena berufen
    Nachricht
    19.08.2026
    Hatice Mutlu an das Helmholtz-Institut HIPOLE in Jena berufen
    Prof. Dr. Hatice Mutlu ist neue Professorin für Nachhaltige Polymerchemie am HIPOLE Jena, dem Helmholtz-Institut für Polymere in Energieanwendungen. Am 17. August 2026 besuchte sie den HZB-Campus in Berlin-Adlershof, besichtigte die Röntgenquelle BESSY II und tauschte sich mit Forschenden und der Geschäftsführung über die künftige Zusammenarbeit aus.