KI-gestützte Katalysatorforschung: 30 Millionen Euro Förderung für deutsches Konsortium

ASCEND Konsortium: Helmholtz-Zentrum Berlin, das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, BASF, Dunia Innovations, Siemens Energy und die Technische Universität Berlin / BasCat

ASCEND Konsortium: Helmholtz-Zentrum Berlin, das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, BASF, Dunia Innovations, Siemens Energy und die Technische Universität Berlin / BasCat

Ein Roboterarm bewegt einen leeren Probenbehälter präzise zwischen automatisierten Arbeitsstationen hin und her.

Ein Roboterarm bewegt einen leeren Probenbehälter präzise zwischen automatisierten Arbeitsstationen hin und her. © Dunia Innovations

Das ASCEND Team beim internen Kick-off des Projekts.

Das ASCEND Team beim internen Kick-off des Projekts. © FHI / Steffen Kangowski

Sechs Partner aus Forschung und Industrie – darunter das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft (FHI), BASF, Dunia Innovations, Siemens Energy und die Technische Universität Berlin – starten ein gemeinsames Projekt, um die Katalysatorforschung zu beschleunigen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt ASCEND (Accelerated Solutions for Catalysis using Emerging Nanotechnology and Digital Innovation) mit 30 Millionen Euro. Die Forschungsinitiative trägt dazu bei, energieintensive Industrien nachhaltiger zu gestalten. Dabei soll die industrielle Wettbewerbsfähigkeit, vor allem im Chemiesektor, erhalten bleiben. Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und startet am 1. April 2026.

ASCEND möchte die Entwicklung von Katalysatoren der nächsten Generation beschleunigen. Sie sind die Eckpfeiler einer nachhaltigen chemischen Produktion. Dabei führt das Projekt zwei bahnbrechende Ansätze zusammen: digitale Katalyse und Dünnschichtkatalysatoren. Die digitale Katalyse nutzt künstliche Intelligenz (KI), Simulationen und selbststeuernde Labore (Self-Driving Labs, kurz: SDLs), um Hochleistungsmaterialien schneller zu entwickeln. Dünnschichtkatalysatoren reduzieren den Materialverbrauch und verbessern die Effizienz. In Kombination mit 3D-Strukturen verbessern diese Katalysatoren die Oberfläche und die Reaktionskontrolle. Ziel dieser Forschung ist, nachhaltige synthetische Kraftstoffe und Basischemikalien als Drop-in-Ersatzstoffe für die Industrie bereitzustellen.

KI-beschleunigte Materialentdeckung

Im Mittelpunkt des ASCEND-Ansatzes steht der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Zusammen mit Automatisierung und Robotik treibt sie SDLs an, um die Versuche zu beschleunigen. Die KI erstellt und aktualisiert eigenständig digitale Zwillinge der untersuchten Systeme und stützt ihre Designentscheidungen auf diese Modelle. Sie entwirft Testreihen, die von automatisierten Systemen in iterativen Lernschleifen durchgeführt werden. Dabei verbessert jedes Ergebnis den nächsten Schritt. Die KI beschleunigt die Planung und verbessert die Effizienz erheblich. Für die übergeordnete Steuerung und Definition der Forschungsfragen bleiben Menschen jedoch weiterhin unverzichtbar.

Das Projekt baut auf der langjährigen, erfolgreichen Partnerschaft zwischen dem Fritz-Haber-Institut (FHI) und dem Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) auf, um die Katalyseforschung voranzutreiben.

Die wissenschaftlichen Projektkoordinatoren betonen die strategische Bedeutung der Förderung: „Der KI-gesteuerte Ansatz von ASCEND ermöglicht es uns, riesige Materialräume zu erforschen, die zuvor unzugänglich waren“, sagt Projektleiter Karsten Reuter vom FHI. Seine Co-Projektleiterin Michelle Browne vom HZB fügt hinzu: „Er verändert grundlegend, wie schnell die Wissenschaft Lösungen liefern kann, die die chemische Industrie dringend benötigt.“

„Das Ziel ist nicht autonomes Experimentieren um seiner selbst willen, sondern industriell verlässliche Ergebnisse. Durch die Kombination von KI mit physikalischer Synthese und Stresstests unter produktionsrelevanten Bedingungen beschleunigt Dunia in ASCEND den Lernprozess und sorgt gleichzeitig für Zuverlässigkeit in großem Maßstab“, so Marcus Tze-Kiat Ng, Chief Technology Officer von Dunia Innovations“.

Von der Forschung zur industriellen Anwendung: Stärkung der Technologieführerschaft

ASCEND will die Entwicklungszyklen für Katalysatoren beschleunigen und so Leistungsdurchbrüche erzielen, die für einen wirtschaftlich tragfähigen, flächendeckenden Einsatz von grünem Wasserstoff und nachhaltigen Chemikalien erforderlich sind. Dies ist eine zentrale Voraussetzung, damit die Industrie unabhängig von Kohle und Erdöl wird.

„Dieses Projekt ermöglicht es uns, neue Katalysatormaterialien frühzeitig zu validieren. Das ist entscheidend, um vielversprechende Forschungsergebnisse in technologische Anwendungen umzusetzen“, sagt Wolfram Stichert, Senior Vice President bei BASF SE.

Hintergrund

Laut Angaben von S&P Global Ratings ist die chemische Industrie derzeit weltweit für rund sechs Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das entspricht etwa den jährlichen Emissionen der Europäischen Union (gemäß EDGAR - Emissions Database for Global Atmospheric Research). Sie entstehen größtenteils bei der Stromerzeugung in Kraftwerken durch den Einsatz fossiler Rohstoffe. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Produktion von Kunststoffen, Düngemitteln und Arzneimitteln. Diese werden überwiegend aus Erdöl gewonnen.

Hier können Katalysatoren helfen. Schätzungen zufolge durchlaufen rund 80 Prozent aller chemischen Produkte während der Herstellung einen katalytischen Prozessschritt. Innovationen im Bereich der Katalysatoren sind deshalb von entscheidender Bedeutung für die Transformation der Industrie, die nach Zielen der Europäischen Union bis 2050 treibhausgasneutral produzieren soll. 

ASCEND red.

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Supraleitendes TES-Array-Röntgenspektrometer geht bei BESSY II in Betrieb
    Science Highlight
    15.06.2026
    Supraleitendes TES-Array-Röntgenspektrometer geht bei BESSY II in Betrieb
    Teams aus HZB, MPI-CEC (Mühlheim an der Ruhr, Deutschland) und NIST (Boulder CO, USA) haben das supraleitende TES-Array-Röntgenspektrometer gemeinsam entwickelt. Jetzt ist es an BESSY II in Betrieb gegangen, als erstes und einziges Synchrotron-TES-Spektrometer in Europa. Das neue Instrument ist etwa 100- bis 1000-mal effizienter bei der Detektion von Photonen als herkömmliche Röntgenemissionsspektrometer und ermöglicht es, die elektronischen Eigenschaften atomar dünner Schichten, Nanostrukturen und hochverdünnter atomarer und molekularer Proben zu untersuchen. Das BESSY-Team freut sich auf spannende Forschungsideen aus der Nutzerschaft!
  • Neue Ära für die Katalyse-Forschung: Auftaktveranstaltung zu ASCEND in Berlin, €30 Millionen Förderung
    Nachricht
    12.06.2026
    Neue Ära für die Katalyse-Forschung: Auftaktveranstaltung zu ASCEND in Berlin, €30 Millionen Förderung
    Am 11. Juni 2026 fand im Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) in Anwesenheit von Bundesforschungsministerin, Dorothee Bär die Auftaktveranstaltung zu ASCEND statt (Accelerated Solutions for Catalysis using Emerging Nanotechnology and Digital Innovation). Zu den Gästen zählten u.a. der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Martin Keller sowie der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Patrick Cramer. ASCEND bringt führende Partner aus Industrie und Forschung zusammen und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 30 Millionen Euro gefördert. Die Initiative zielt darauf ab, die Entwicklung von Katalysatoren der nächsten Generation zu beschleunigen, um nachhaltigere chemische Prozesse zu ermöglichen.
  • Röntgenlicht belegt Übermalung faschistischer Symbole
    Science Highlight
    08.06.2026
    Röntgenlicht belegt Übermalung faschistischer Symbole
    Während der NS-Zeit und auch danach war Erich Mercker ein erfolgreicher Maler. Nach 1945 hat er in mindestens einem seiner Werke NS-Symbole übermalt. Dies zeigen Röntgenfluoreszenzanalysen eines Mercker-Gemäldes. Mit einem interdisziplinären Team berichtet die Physikerin Dr. Ioanna Mantouvalou im Nature-Journal Heritage Science über diese Studie.