Röntgenlicht belegt Übermalung faschistischer Symbole

Links: Das Gemälde zeigt eine Ecke des Münchner Odeonsplatzes, auf dem Platz weht die bayrische Flagge. Die Röntgenfluoreszenz-Analyse zeigt, wo Bereiche u.a. mit Titanweiß übermalt wurden. Rechts: Falschfarbendarstellung des rekonstruierten Gemäldes mit Denkmal und Nazi-Flagge. 

Links: Das Gemälde zeigt eine Ecke des Münchner Odeonsplatzes, auf dem Platz weht die bayrische Flagge. Die Röntgenfluoreszenz-Analyse zeigt, wo Bereiche u.a. mit Titanweiß übermalt wurden. Rechts: Falschfarbendarstellung des rekonstruierten Gemäldes mit Denkmal und Nazi-Flagge.  © npj Heritage Science (2026) DOI: 10.1038/s40494-026-02577-6

Im Bereich des Mahnmals zeigt die sichtbare Version (links) des Gem&auml;ldes eine einfache Wand mit Passantin. Die R&ouml;ntgenfluoreszenzanalyse macht Kr&auml;nze, zwei Wachsoldaten und einen gehobenen Arm in verschiedenen Elementverteilungen sichtbar (rechts).&nbsp;</p>
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Im Bereich des Mahnmals zeigt die sichtbare Version (links) des Gemäldes eine einfache Wand mit Passantin. Die Röntgenfluoreszenzanalyse macht Kränze, zwei Wachsoldaten und einen gehobenen Arm in verschiedenen Elementverteilungen sichtbar (rechts). 

  © npj Heritage Science (2026) DOI: 10.1038/s40494-026-02577-6

Während der NS-Zeit und auch danach war Erich Mercker ein erfolgreicher Maler. Nach 1945 hat er in mindestens einem seiner Werke NS-Symbole übermalt. Dies zeigen Röntgenfluoreszenzanalysen eines Mercker-Gemäldes. Mit einem interdisziplinären Team berichtet die Physikerin Dr. Ioanna Mantouvalou im Nature-Journal Heritage Science über diese Studie.

Der Münchner Maler Erich Mercker (1891 – 1973) war zu seiner Zeit recht erfolgreich. Zwischen 1933 und 1945 malte er auch Bilder, die NS-Symbolik enthielten, so zum Beispiel „Die Stätte des 9. November“, ein Bild des Denkmals an der Münchner Feldherrnhalle, das an den NSDAP-Putschversuch von 1923 erinnerte. Nach dem Krieg setzte Mercker wie viele andere deutsche Künstler seine Karriere einfach fort.

Auch das Motiv „Die Stätte des 9. November“ malte Mercker weiterhin, jedoch ohne die Nazi-Symbole und unter alternativen Titeln wie „Feldherrnhalle“ oder „München am Odeonsplatz“. Mercker behielt denselben Blickwinkel bei, ließ jedoch die Soldaten weg und ersetzte die Nazi-Flagge durch eine blau-weiße bayerische Flagge. Der Produzent und Filmemacher Dr. Thomas Schuhbauer entdeckte dieses Motiv in seinem Elternhaus. Es war den Eltern 1966 als Hochzeitsgeschenk übergeben worden. Das Bild zeigt die bayrische Flagge und wie bei der Nachkriegsversion sind weder Soldaten noch Kränze abgebildet. Allerdings ist der obere Teil des Denkmals noch sichtbar. Dies war ein starkes Indiz dafür, dass dieses Gemälde aus der NS-Zeit stammen könnte, da das Denkmal gleich nach Kriegsende zerstört wurde. Zudem befinden sich am Rand der bayerischen Flagge rötliche Farbspuren.

Zerstörungsfreie Untersuchung

Thomas Schuhbauer nahm Kontakt zum HZB auf und begann die Zusammenarbeit mit der Physikerin Dr. Ioanna Mantouvalou, die in der Forschungsgruppe SyncLab (TU und HZB) arbeitet. Mantouvalou ist Expertin für Röntgenfluoreszenzspektroskopie (XRF). Diese Methode ermöglicht es, Elemente in Materialien zu identifizieren, ohne das Material zu beschädigen. Dabei ist es möglich, auch tiefere Schichten zu untersuchen, also einige Millimeter tief unter die oberflächlich aufgetragene Farbschicht zu blicken.

Die XRF Analyse zeigt eindeutig, dass Bereiche des Originalgemäldes übermalt wurden, um Nazi-Symbole zu verbergen. Insbesondere befindet sich unter der blau-weißen bayrischen Flagge eine rote Nazi-Flagge. Außerdem übermalt wurden die Kränze am Denkmal, Soldaten und zwei erhobene Arme von Passanten. Für die Übermalung wurden Ölfarben verwendet, die erhebliche Mengen an Titanweiß enthielten. Titanweiß kommt an keiner anderen Stelle des Gemäldes vor, doch befand sich eine Tube Ölfarbe „Titanweiß 10103 Schmincke“ in der Farbtubensammlung aus Merckers Nachlass.

Viele weitere Indizien deuten darauf hin, dass Mercker dieses Bild selbst überarbeitet hat, allerdings entweder in Eile oder ohne Liebe zum Detail. Im Nature-Fachjournal Heritage Science erinnern die Autoren daran, dass viele Künstler bis weit in die 1960er Jahre für ihre Mitwirkung in der NS-Zeit kaum kritisiert wurden. Das Gemälde befindet sich inzwischen in der Sammlung des NS-Dokumentationszentrums München (https://www.nsdoku.de/en/memory-is).

„Diese Zusammenarbeit war sehr spannend“, sagt Mantouvalou. „Wir hatten sehr unterschiedliche Expertisen und Hintergründe.“ So hat der Kunsthistoriker Professor Patrick Jung mehrere Bücher über Erich Mercker geschrieben, Thomas Schuhbauer hat diese persönliche Story in einen Dokumentarfilm zu Legenden des deutschen Wirtschaftswunders aufgenommen, und Magnus Bauer, der Großneffe von Erich Mercker, konnte durch seine Einblicke in die familiäre Geschichte wichtige Erkenntnisse beitragen. „Das war eine großartige Erfahrung, auch, weil wir gemerkt haben, welche Hürden die jeweiligen Fachsprachen sind. Wir mussten sehr kreativ werden, um uns wirklich zu verstehen.“

arö

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