Neue Ära für die Katalyse-Forschung: Auftaktveranstaltung zu ASCEND in Berlin, €30 Millionen Förderung
Forschungsministerin Dorothee Bär mit den ASCEND-Projektleitern: links Karsten Reuter (FHI), rechts Michelle Browne (HZB) © ASCEND/Kevin Fuchs
V.l.n.r.: Patrick Cramer (MPG), Karsten Reuter (FHI), Fatma Deniz (TU-Berlin), Forschungsministerin Dorothee Bär, Michelle Browne (HZB), Bernd Rech (HZB), Saskia Vormfelde (HZB), Martin Keller (Helmholtz-Gemeinschaft) © ASCEND/Kevin Fuchs
V.l.n.r.: Alice Glättli (BASF), Marcus Tze-Kiat Ng (Dunia Innovations), Michael Paul (hte GmbH), Elfriede Simon (Siemens Energy), Lisa Suntrup (HZB) © ASCEND/Kevin Fuchs
Am 11. Juni 2026 fand im Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) in Anwesenheit von Bundesforschungsministerin, Dorothee Bär die Auftaktveranstaltung zu ASCEND statt (Accelerated Solutions for Catalysis using Emerging Nanotechnology and Digital Innovation). Zu den Gästen zählten u.a. der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Dr. Martin Keller sowie der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Patrick Cramer. ASCEND bringt führende Partner aus Industrie und Forschung zusammen und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 30 Millionen Euro gefördert. Die Initiative zielt darauf ab, die Entwicklung von Katalysatoren der nächsten Generation zu beschleunigen, um nachhaltigere chemische Prozesse zu ermöglichen.
ASCEND ist am 1. April 2026 offiziell gestartet. Das Projekt verbindet digitale Katalyse – unter Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI), Simulationen und autonomen Labors. Modernste Dünnschichttechnologien werden eingesetzt, um effizientere Katalysatoren zu entwickeln und nachhaltige Kraftstoffe und Chemikalien zu ermöglichen. Die auf fünf Jahre angelegte Initiative vereint sechs Partner aus Forschung und Industrie: das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB), das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft (FHI), BASF, Siemens Energy, Dunia Innovations und die Technische Universität Berlin/BasCat.
In ihrer Keynote hob Bundesforschungsministerin, Dorothee Bär, die Bedeutung von ASCEND innerhalb der deutschen Forschungslandschaft hervor: „Im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland fördern wir gezielt Technologien, die für den industriellen Wandel, eine zukunftssichere Energieversorgung und den Klimaschutz unerlässlich sind. Das ASCEND-Projekt ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Die Kombination aus KI-gestützter Forschung und Tests in industrieller Umgebung stärkt Deutschlands Position als führender Innovationsstandort.“
Prof. Dr. Martin Keller betonte in seinem Grußwort: „KI-gestützte autonome Labore wie in ASCEND werden die Game Changer von morgen sein. Deshalb ist es entscheidend, schon heute damit loszulegen, um Deutschlands technologische Souveränität nachhaltig zu sichern. Möglich wird dies durch die enge Zusammenarbeit von Stakeholdern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Genau solche Partnerschaften sind es, die Europa nach vorne bringen werden. Ich danke allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und wünsche ihnen viel Erfolg.”
Einsatz von KI soll Entwicklung beschleunigen
Mit dem Ziel, die Entwicklung von Katalysatoren der nächsten Generation zu beschleunigen, stellt ASCEND die KI in den Mittelpunkt. Mit KI sowie Automatisierung und Robotik werden autonome Labore gestaltet, die wissenschaftliche Experimente erheblich beschleunigen können. Sie entwickeln und verfeinern kontinuierlich digitale Zwillinge der untersuchten Systeme und nutzen diese zur Steuerung der Versuchsplanung. Die Experimente werden von automatisierten Plattformen in iterativen Lernzyklen durchgeführt, wobei jedes Ergebnis in die Verbesserung der nachfolgenden Schritte einfließt.
Während KI die Geschwindigkeit und Effizienz erheblich steigert, bleibt menschliches Fachwissen für die Festlegung der Forschungsrichtungen und die Gesamtstrategie unverzichtbar. ASCEND ist so weit mehr als ein Projekt zur Entwicklung neuer Katalysatoren: Es wird die Art und Weise grundlegend verändern, wie Katalysatoren entdeckt werden – weg von aufwendigen Versuch-und-Irrtum-Ansätzen hin zu einem geschlossenen, KI-gestützten Innovationskreislauf, in dem Modelle, automatisierte Experimente, Charakterisierungs-methoden und menschliche Expertise kontinuierlich miteinander interagieren.
Prof. Dr. Patrick Cramer, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, hob die Bedeutung der künstlichen Intelligenz als zentraler Motor für wissenschaftliche Entdeckungen hervor: von „Künstliche Intelligenz prägt zunehmend die Forschung in der Max-Planck-Gesellschaft und ermöglicht es, wissenschaftliche Fragen in einer Tiefe und Geschwindigkeit zu erforschen, die zuvor unvorstellbar waren. Initiativen wie ASCEND zeigen, wie KI in Verbindung mit experimenteller Wissenschaft neue Wege eröffnen kann: vom Verständnis grundlegender Prozesse bis hin zur Entwicklung skalierbarer Lösungen für die Industrie. Wichtig ist, dass KI die menschliche Kreativität nicht ersetzt, sondern verstärkt und es den Forschenden ermöglicht, transformatives Wissen für die Gesellschaft zu generieren.“
Die Projektkoordinatoren, Prof. Dr. Karsten Reuter (FHI) und Dr. Michelle Browne (HZB), stellten die wissenschaftliche Vision von ASCEND vor und erläuterten den Ansatz, digitale Innovation und Nanowissenschaften zu kombinieren, um das Katalysatordesign zu beschleunigen. Mit einer Podiumsdiskussion unter dem Titel “Materials of the Future: How Industry–Research Collaboration Can Drive Innovation in Catalysis,” schloss die Veranstaltung. Beteiligt waren Alice Glättli (BASF), Elfriede (Siemens Energy), Michael Paul (hte GmbH), and Marcus Tze-Kiat Ng (Dunia Innovations).
Hintergrundinformation zu ASCEND
Laut S&P Global Ratings ist die chemische Industrie für rund 6 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dies entspricht in etwa den jährlichen Emissionen der Europäischen Union. Diese Emissionen stammen hauptsächlich aus der Nutzung fossiler Energieträger für die Produktion von Kunststoffen, Düngemitteln und Arzneimitteln. Da bei rund 85 Prozent der chemischen Produkte katalytische Prozesse zum Einsatz kommen, sind Innovationen in diesem Bereich entscheidend, um bis 2050 eine klimaneutrale Produktion zu erreichen.