Durchbruch in der Röntgen-Nanospektroskopie

Schematische Darstellung der mit R&ouml;ntgenlicht verschiedener<br />Photonenenergien durch einen Kapillar-Kondensor beleuchteten<br />zu untersuchenden Titanoxid-St&auml;bchen. Ein hochaufl&ouml;sendes<br />Objektiv &ndash; hier nicht dargestellt &ndash; bildet dann diese Objekte ab.<br />Quelle: HZB

Schematische Darstellung der mit Röntgenlicht verschiedener
Photonenenergien durch einen Kapillar-Kondensor beleuchteten
zu untersuchenden Titanoxid-Stäbchen. Ein hochauflösendes
Objektiv – hier nicht dargestellt – bildet dann diese Objekte ab.
Quelle: HZB

HZB-Forscher ermöglichen Röntgenspektroskopie mit räumlicher Auflösung im Nanometerbereich

Forscher des Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) haben ein neues Mikroskop entwickelt, das röntgenspektroskopische Untersuchungen mit hoher räumlicher Auflösung ermöglicht. Das Mikroskop an der Synchrotronquelle BESSY II des HZB nutzt dafür brillante Röntgenstrahlung.

Mit den konventionellen Röntgenspektroskopie-Methoden konnten bisher keine einzelnen Nanoteilchen studiert werden. Ein wesentliches Ziel bei der Untersuchung von Nanostrukturen oder Nanopartikeln ist jedoch die Bestimmung ihrer Größe und ihrer elektronischen Eigenschaften. Um die notwendige Ortsauflösung im Nanometerbereich zu erhalten, müssen die Strukturen mit Röntgenstrahlung von hoher spektraler Auflösung beleuchtet und mit einem Röntgenobjektiv auf einem Detektor abgebildet werden. Das neue Verfahren haben Dr. Peter Guttmann und das Mikroskopie-Team von PD Dr. Gerd Schneider am HZB-Institut für Weiche Materie und Funktionale Materialien jetzt in der Zeitschrift Nature Photonics publiziert:

  • Flash: http://content.yudu.com/A1vo3s/Nanotimes01-2012/
  • Plain text version live at: http://content.yudu.com/A1vo3s/Nanotimes01-2012/resources/plainText.htm
  • PDF (97 pages, 16Mb): http://www.nano-times.com/files/nanotimes_12_01.pdf

Das große Interesse an den elektronischen Eigenschaften von Nano-Strukturen, die in verschiedenster Weise funktionalisiert werden können, ist in deren möglicher Anwendbarkeit als aktives Material mit großer Oberfläche in kleinem Volumen begründet. Ihr Einsatz ist beispielsweise in Lithium-Ionen-Batterien, in der Photokatalyse zur Herstellung von Wasserstoff als Energieträger oder in Solarzellen denkbar. Mit dem HZB-Mikroskop steht ein neues und attraktives Werkzeug für die Materialwissenschaften und insbesondere auch die Energieforschung zur Verfügung.

Mit der Methode ist es möglich, Nanopartikel in Objektfeldern von bis zu 20 x 20 µm2 gleichzeitig mit einer CCD-Kamera aufzunehmen. In den Objektfeldern finden sich sehr viele der zu untersuchenden Strukturen. Die Forscher erhalten räumlich hochaufgelöste Bilddatensätze mit spektraler Information, indem sie Bilddaten über einen gewählten Energiebereich mit sehr kleinen Energieschritten aufnehmen. Auf diese Weise kann von jedem einzelnen Partikel bzw. von Teilbereichen der Nanostruktur ein Spektrum gewonnen werden. Diese so genannten NEXAFS-Spektren lassen eine Aussage über die elektronische Struktur zu, also letztlich die Anordnung der einzelnen Atome in dem Nano-Partikel. Anders als bei Raster-Röntgenmikroskopie, bei der mit jeder Aufnahme lediglich das Spektrum eines einzelnen Nanopartikels vermessen wird, enthält ein Datensatz bei der neuen Methode bereits statistische Aussagekraft – in ihm sind die Spektren einer großen Zahl von Partikeln enthalten.

„Ein wichtiger Vorteil unseres Mikroskops ist der Zeitgewinn bei gleichzeitig verbesserter spektraler Auflösung von 10.000“, sagt Dr. Peter Guttmann, Physiker am HZB: „Gegenüber den bisher dafür benutzten Raster-Röntgenmikroskopen erlaubt unser Mikroskop eine um den Faktor 100 schnellere Aufnahme von Spektren in großen Objektfeldern. Mit Hilfe des HZB-Elektronenstrahlschreibers können weiterentwickelte Optiken hergestellt werden, um unsere Methode von derzeit 25 nm auf eine Ortsauflösung von 10 nm zu verbessern“.

Mit der hohen räumlichen und spektralen Auflösung, die das Mikroskop erreicht, konnten die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Co-Autoren aus Belgien, Frankreich und Slowenien die Struktur von speziell aufgebauten Nano-Stäbchen aus Titandioxid untersuchen. Die jetzt vorgestellten Untersuchungen an Nano-Stäbchen erfolgten in einer europäischen Zusammenarbeit im Rahmen der COST action MP0901(NanoTP).

HS

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Science Highlight
    23.09.2026
    BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Spin-Hall-Nano-Oszillatoren sind winzige Bauelemente auf Basis von ultradünnen CoFeB-Schichten. Sie wandeln Gleichstrom in Mikrowellensignale um und gelten als Option für eine besonders effiziente drahtlose Kommunikation oder für eine neue Technologie der Datenverarbeitung, die vom Gehirn inspiriert ist. Ein schwedisch-deutsches Team konnte nun an BESSY II zum ersten Mal die Magnetisierungsdynamik im Inneren eines solchen Spin-Hall-Nano-Oszillators abbilden, sozusagen filmen. Dazu nutzten sie die zeitaufgelöste Röntgen-Rastertransmissionsmikroskopie am MAXYMUS-Instrument. Die Abbildungen zeigen Merkmale von Spinwellen, die in den bisherigen indirekten Messverfahren nicht sichtbar waren. Die Studie ist in „Advanced Materials“ veröffentlicht.
  • BESSY II: Hochaufgelöste Einblicke in einzelne Biomoleküle und Katalysatoren
    Science Highlight
    15.09.2026
    BESSY II: Hochaufgelöste Einblicke in einzelne Biomoleküle und Katalysatoren
    Winzige biologische Proben und sogar einzelne Biomoleküle können nun an der BESSY-II-Infrarot-Beamline unter lebensnahen Bedingungen in höchster Auflösung untersucht werden. Die nanoskalige Infrarotspektroskopie (s-SNOM) wurde dafür verbessert und gründlich validiert. Ultradünne Membrane auf Siliziumbasis ermöglichen dabei die Untersuchung im wässrigen Medium. Ein internationales Team um den HZB-Experten Dr. Alexander Veber konnte nach einem ersten Proof-of-Concept nachweisen, dass Nano-IR-Messungen in wässriger Umgebung mit den erwarteten Fernfeld-IR-Spektren übereinstimmen. Dieser methodische Fortschritt ermöglicht nun tiefere Einblicke in Biomaterialien, aber auch die Beobachtung katalytischer Prozesse in flüssigen Umgebungen.
  • Neue Methode zeigt, wie molekulare Schalter von ihren Nachbarn beeinflusst werden
    Science Highlight
    11.09.2026
    Neue Methode zeigt, wie molekulare Schalter von ihren Nachbarn beeinflusst werden
    Forschende der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) können erstmals direkt erkennen, wie die Umgebung eines molekularen Schalters dessen elektronische Struktur beeinflusst. Molekulare Schalter sind Moleküle, die sich durch äußere Einflüsse wie Temperaturänderungen zwischen zwei Zuständen umschalten lassen – ähnlich einem Schalter mit den Positionen „An“ und „Aus“. Solche Moleküle werden als mögliche Bausteine für künftige Datenspeicher oder Sensormaterialien erforscht. Mit Hilfe der magnetischen Terahertz-Spektroskopie an BESSY II konnten die Forschenden nun erstmals unterscheiden, ob benachbarte Moleküle in einem Material gleich oder anders geschaltet sind. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift „Angewandte Chemie International Edition“ erschienen.