Hauchdünn und extrem effizient: Dünnschicht-Tandemzelle aus Perowskit- und CIGSe-Halbleitern

Eine extrem dünne Zwischenschicht verbessert die Eigenschaften der CIGSe-Perowskit-Tandemzelle.

Eine extrem dünne Zwischenschicht verbessert die Eigenschaften der CIGSe-Perowskit-Tandemzelle. © HZB

Ein HZB-Team hat eine Tandem-Solarzelle mit reinen Dünnschicht-Solarzellen aus Perowskit und CIGSe hergestellt und charakterisiert. Dabei setzten sie auf ein einfaches, robustes Produktionsverfahren, das sich auch für die Aufskalierung auf große Flächen eignet. Die Tandem-Solarzelle besitzt einen sehr hohen Wirkungsgrad von 21.6 %. Durch weitere Optimierung könnte sie Wirkungsgrade über 30 % erreichen.

Tandem-Solarzellen bestehen aus zwei Halbleitern mit unterschiedlichen Bandlücken. Dadurch können sie einen größeren Anteil des Sonnenspektrums zur Stromerzeugung nutzen. Besonders erfolgreich ist dieses Konzept, wenn man konventionelle Absorberschichten wie Silizium oder Kupfer-Indium-Gallium-Selenid (CIGSe) mit dem neuen Metall-Halogenid-Halbleiter Perowskit kombiniert. Denn Perowskite wandeln die blauen, energiereichen Anteile des Lichts in effizient in elektrische Energie um, während Silizium oder CIGSe eher rote und nahinfrarote Anteile wirksam umwandeln.

CIGSe- und Perowskit-Dünnschicht kombiniert

HZB-Forscher haben nun eine Dünnschicht-Solarzelle aus CIGSe mit einer dünnen Schicht Perowskit kombiniert. Die CIGSe-Dünnschicht wurde auf einem Substrat aufgewachsen. Dabei entsteht eine CIGSe-Oberfläche, die typischerweise etwas unregelmäßig bzw. rau ist. Das erschwerte bisher die Aufbringung der Perowskit-Topzelle mit nasschemischen Methoden.

Ultradünne Zwischenschicht verbessert die Tandemzelle

Erstmalig hat das Team vom HZB nun in Zusammenarbeit mit der TU Eindhoven die Eigenschaften der Tandem-Solarzelle verbessert. Dafür haben sie eine ultradünne, aber konform wachsende Zwischenschicht auf die CIGSe-Schicht aufgetragen und erst anschließend im HySPRINT-Labor des HZB die Perowskitschicht aufgeschleudert. Die so produzierte Tandem-Solarzelle wandelt 21,6 % des Sonnenspektrums in elektrische Energie um. Dabei bleibt die erzeugte Leistung stabil.

Herstellung kostet wenig Energie und Material

Zwar erreichen Tandemzellen aus Silizium und Perowskit noch höhere Wirkungsgrade, aber theoretisch könnten auch CIGSe-Perowskit-Tandemzellen diese Wirkungsgrade erreichen.  Dazu kommt, dass die neue CIGSe-Perowskit-Tandemzelle nur aus Dünnschichten besteht, so dass der Material- und Energieverbrauch bei ihrer Herstellung extrem gering ist.

Für die industrielle Produktion geeignet

„Sehr wichtig ist auch, dass diese Tandemzelle auf einer rauen, unbehandelten CIGSe-Bottomzelle hergestellt wurde, was die Produktion vereinfacht und einen enormen Vorteil in Richtung Industrialisierung darstellt“, betont Prof. Dr. Rutger Schlatmann, Direktor des HZB-Instituts PVcomB.

Die Tandem-Solarzelle wurde auf einer Fläche von 0,8 Quadratzentimetern realisiert, was deutlich größer ist als die quadratmillimetergroßen Flächen, die in der Laborforschung üblich sind.  „Rekordwerte werden erst ab Flächen von einem Quadratzentimeter anerkannt, dazu fehlt hier aber nicht viel. Daher werden wir nun diese Tandem-Solarzelle und ihre enorme Leistungsfähigkeit von einer unabhängigen Einrichtung zertifizieren lassen“, sagt Prof. Dr. Steve Albrecht, der am HZB eine BMBF-geförderte Nachwuchsgruppe leitet.

Effizienz von mehr als 30 % möglich

Mit dem Elektronenmikroskop und weiteren Messungen analysierten die Wissenschaftler den Schichtaufbau der Tandemzelle. Dabei konnten Erstautor Dr. Marko Jost, Postdoc in der Nachwuchsgruppe von Albrecht, und seine Kollegen auch die Beiträge der einzelnen Subzellen zur Leistung der Tandemzelle ermitteln. Die Arbeit zeigt damit Wege auf, um monolithische Perowskit-CIGSe-Tandemzellen weiter zu optimieren und Effizienzen über 30 % zu erreichen.

 

Zur Studie:

Publiziert in ACS Energy Lett. (2019), 21.6%-efficient Monolithic Perovskite/Cu(In,Ga)Se2 Tandem Solar Cells with Thin Conformal Hole Transport Layers for Integration on Rough Bottom Cell Surfaces; Marko Jost, Tobias Bertram, Dibyashree Koushik, Jose Marquez, Marcel Verheijen, Marc Daniel Heinemann, Eike Köhnen, Amran Al-Ashouri, Steffen Braunger, Felix Lang, Bernd Rech, Thomas Unold, Mariadriana Creatore, Iver Lauermann, Christian A. Kaufmann, Rutger Schlatmann, and Steve Albrecht

DOI: 10.1021/acsenergylett.9b00135

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Nanosilber als Elektrokatalysator für die CO₂-Verwertung
    Science Highlight
    24.09.2026
    Nanosilber als Elektrokatalysator für die CO₂-Verwertung
    Durch Elektrolyse lässt sich CO2 zu CO reduzieren, einem Ausgangsstoff für weitere chemische Produkte wie beispielsweise Kraftstoffe. Im Rahmen des GreenQUEST-Projekts hat ein internationales Team um den HZB-Chemiker Prashanth Menezes Katalysatorschichten aus Silbernanopartikeln systematisch untersucht und dabei sowohl die Partikelgröße als auch deren Dichte variiert. Die beste Ausbeute wurde mit Nanopartikeln mit Durchmessern von etwa 10 nm erzielt, die locker verteilt waren. Darüber hinaus zeigten sie, wie sich die Wirtschaftlichkeit der elektrochemischen Zelle durch eine zusätzliche chemische Reaktion an der Anode verbessern lässt, indem gleichzeitig wertvolle Ameisensäure, Wasserstoff und CO erzeugt wird.
  • BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Science Highlight
    23.09.2026
    BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Spin-Hall-Nano-Oszillatoren sind winzige Bauelemente auf Basis von ultradünnen CoFeB-Schichten. Sie wandeln Gleichstrom in Mikrowellensignale um und gelten als Option für eine besonders effiziente drahtlose Kommunikation oder für eine neue Technologie der Datenverarbeitung, die vom Gehirn inspiriert ist. Ein schwedisch-deutsches Team konnte nun an BESSY II zum ersten Mal die Magnetisierungsdynamik im Inneren eines solchen Spin-Hall-Nano-Oszillators abbilden, sozusagen filmen. Dazu nutzten sie die zeitaufgelöste Röntgen-Rastertransmissionsmikroskopie am MAXYMUS-Instrument. Die Abbildungen zeigen Merkmale von Spinwellen, die in den bisherigen indirekten Messverfahren nicht sichtbar waren. Die Studie ist in „Advanced Materials“ veröffentlicht.
  • Marcel Risch wird Professor an der Freien Universität Berlin
    Nachricht
    17.09.2026
    Marcel Risch wird Professor an der Freien Universität Berlin
    Seit August 2026 ist Marcel Risch Professor (W2-S) im Fachbereich Physik an der Freien Universität Berlin. Seine Nachwuchsgruppe wird zur Abteilung Mechanismen nachhaltiger Elektrokatalyse. Risch erforscht die fundamentalen Mechanismen elektrokatalytischer Reaktionen und entwickelt auf dieser Grundlage wissens- und datengetriebene Strategien zur Verbesserung von Elektrokatalysatoren für die nachhaltige Erzeugung von Wasserstoff, Kraftstoffen und Chemikalien.