Kühlung von Impfstoffen im ländlichen Kenia: Solarlösung ausgezeichnet

Im Mai 2026 ist Tabitha Awuor Amollo einige Wochen zu Gast am HZB. Sie arbeitet im Team von Eva Unger und stellt Perowskit-Schichten her, um sie an BESSY II zu analysieren.

Im Mai 2026 ist Tabitha Awuor Amollo einige Wochen zu Gast am HZB. Sie arbeitet im Team von Eva Unger und stellt Perowskit-Schichten her, um sie an BESSY II zu analysieren. © privat

Tabitha Awuor Amollo von der Egerton University in Nairobi hat ein solarbetriebenes Kühlsystem entwickelt, das in ländlichen Gesundheitszentren eingesetzt werden kann. Dafür wurde sie mit dem „2026 Organization for Women in Science for the Developing World (OWSD)–Elsevier Foundation Award“ ausgezeichnet. 

Tabitha Awuor Amollo von der Egerton University in Nairobi hat ein solarbetriebenes Kühlsystem entwickelt, das in ländlichen Gesundheitszentren eingesetzt werden kann. Dafür wurde sie mit dem „2026 Organization for Women in Science for the Developing World (OWSD)–Elsevier Foundation Award“ ausgezeichnet.  © privat

Dr. Tabitha A. Amollo hat an der University of KwaZulu-Natal, Südafrika, in Physik promoviert. Sie leitet die Forschungsgruppe für Materialphysik an der Egerton University in Nairobi, Kenia, wo sie sich leidenschaftlich für die Ausbildung junger Forscherinnen und Forscher und für Inklusion im MINT-Bereich engagiert.

Dr. Tabitha A. Amollo hat an der University of KwaZulu-Natal, Südafrika, in Physik promoviert. Sie leitet die Forschungsgruppe für Materialphysik an der Egerton University in Nairobi, Kenia, wo sie sich leidenschaftlich für die Ausbildung junger Forscherinnen und Forscher und für Inklusion im MINT-Bereich engagiert. © privat

Im Mai ist Tabitha Awuor Amollo zu Gast am HZB und analysiert Perowskit-Solarzellen an BESSY II. Die kenianische Physikerin von der Egerton University in Nairobi wurde kürzlich für ihre Leistungen in Forschung und Lehre mit einem außerordentlichen Preis gewürdigt. Für die Entwicklung eines solarbetriebenen Kühlsystems, das in ländlichen Gesundheitszentren eingesetzt werden kann, erhielt sie den „2026 Organization for Women in Science for the Developing World (OWSD)–Elsevier Foundation Award“. Im Interview mit Antonia Rötger spricht sie über dieses außergewöhnliche Projekt, aber auch über die Schwierigkeiten, ein Labor am Laufen zu halten.

Hallo Tabitha, herzlichen Glückwunsch zu dieser  Auszeichnung! Wie bist Du neben Deiner eigenen Forschungsarbeit auf diese Idee gekommen?

Afrika ist reich an Ressourcen, aber in Bezug auf den Zugang zu Energie immer noch recht arm. In Kenia zum Beispiel ist das Stromnetz zwar einigermaßen stabil, aber dennoch fehlt es in vielen ländlichen Regionen an Strom. Das war etwas, das mir Sorgen bereitete: Gesundheitszentren in abgelegenen Teilen Kenias leisten großartige Arbeit für die Menschen, haben aber keinen Strom. Sie brauchen eine Lösung, um Impfstoffe und Medikamente kühl zu lagern. Ich wollte gemeinsam mit den lokalen Akteuren eine nützliche Lösung entwickeln. Um dies zu finanzieren, bewarb ich mich um Forschungsstipendien und war beim Future Africa Research Leadership Fellowship (FAR-LeaF)-Programms erfolgreich, das von der Carnegie Corporation of New York finanziert wird.

Mit welchen Schritten hast Du das Projekt begonnen? 

Ich musste mit jemandem aus der lokalen Gemeinschaft zusammenarbeiten, um überhaupt dort hinzukommen und das Projekt durchführen zu dürfen. So bin ich hingefahren und habe mir alles vor Ort angesehen, nicht wahr? Die Anreise dauert mehr als einen Tag von Nairobi aus. Wir haben mit den Gesundheitshelfern über die Situation gesprochen. Wir fanden heraus, dass sie nicht nur ihre Medikamente und Impfstoffe nicht kühlen konnten, sondern auch Strom brauchten, um ihre Handys und ein Radio aufzuladen, damit sie zeitnah Informationen erhalten und sich mit anderen Gesundheitszentren abstimmen können.

Und dann hast Du eine Lösung entwickelt?

Ja, nach diesen Gesprächen kamen wir auf die Idee eines Kühlschranks, der solarbetrieben ist und über eine Batterie verfügt. Wir haben alles zusammengebaut, zu einem kompakten System, das sowohl Kühlung bietet als auch eine Möglichkeit zum Aufladen von Telefonen oder Radios. Und dieses kompakte System haben wir installiert und die Gesundheitsfachkräfte in der Gemeinde in der Bedienung geschult.

Wie wird Dir diese Auszeichnung bei Deiner Arbeit helfen?

Du weisst, dass der Betrieb eines Labors ein Budget erfordert. Täglich muss man Verbrauchsmaterialien kaufen, es muss immer eine Förderung laufen, um das Labor und die Forschung zu betreiben. Auch meine Studierenden benötigen Unterstützung bei ihren Projekten. 

Ist die Sichtbarkeit durch diesen Preis auch eine gute Sache? 

Ja, sie trägt dazu bei, in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Forschung den Gemeinden hilft. Und das ist auch toll für die Studierenden: Sie sehen die praktische Anwendung dessen, was sie tun. Das ist eine große Motivation.

Du arbeitest auch mit dem HZB zusammen. Was sind Deine nächsten Schritte?

Ich bin gerade hier und arbeite einige Wochen lang mit dem Team von Professorin Eva Unger. Ich stelle Perowskit-Schichten her, die ich an BESSY II analysieren kann. Einer meiner Studenten hat an der Photon School teilgenommen und kann sein Forschungsprojekt ebenfalls am HZB durchführen. Solche Möglichkeiten sind wertvoll für uns. Denn normalerweise schicken wir unsere Proben zur Analyse ins Ausland. Das ist nicht nur umständlich, sondern auch ungeeignet für empfindliche Materialien, die dabei beschädigt werden könnten. Für bestimmte Arten der Charakterisierung müssen wir auf Gelegenheiten wie am HZB warten.

Was hilft Dir, trotz ständiger finanzieller Einschränkungen durchzuhalten?

Ich würde sagen, es sind die kleinen Dinge, die zählen. Einfach weiter verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, weitere Anträge für Förderrunden einreichen. Und dann müssen wir das, was wir haben, gut nutzen. Wir müssen innovativ sein und immer über Alternativen nachdenken. Das ist nicht einfach, besonders als ich ein Labor aufbauen musste. Das war sehr schwierig. Es ist wirklich die Leidenschaft für die Forschung, die mich antreibt. Und die Forschungsnetzwerke helfen sehr.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

 

Zur Forscherin Tabitha Awuor Amollo

Dr. Tabitha A. Amollo hat an der University of KwaZulu-Natal, Südafrika, in Physik promoviert. Derzeit gehört sie zur Fakultät Physik der Egerton University in Kenia, wo sie auch als Vorsitzende tätig war. Ihre Interessen umfassen Photovoltaik, Plasmatechnologie, Nanomaterialien und Nanotechnologie sowie Thermoelektrizität, jeweils auch im Hinblick auf Dünnschichttechnologien. Sie leitet die Forschungsgruppe für Materialphysik an der Egerton University. Sie engagiert sich leidenschaftlich für die Betreuung und Ausbildung junger Forscherinnen und Forscher und setzt sich für Inklusion im MINT-Bereich ein.

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Nanosilber als Elektrokatalysator für die CO₂-Verwertung
    Science Highlight
    24.09.2026
    Nanosilber als Elektrokatalysator für die CO₂-Verwertung
    Durch Elektrolyse lässt sich CO2 zu CO reduzieren, einem Ausgangsstoff für weitere chemische Produkte wie beispielsweise Kraftstoffe. Im Rahmen des GreenQUEST-Projekts hat ein internationales Team um den HZB-Chemiker Prashanth Menezes Katalysatorschichten aus Silbernanopartikeln systematisch untersucht und dabei sowohl die Partikelgröße als auch deren Dichte variiert. Die beste Ausbeute wurde mit Nanopartikeln mit Durchmessern von etwa 10 nm erzielt, die locker verteilt waren. Darüber hinaus zeigten sie, wie sich die Wirtschaftlichkeit der elektrochemischen Zelle durch eine zusätzliche chemische Reaktion an der Anode verbessern lässt, indem gleichzeitig wertvolle Ameisensäure, Wasserstoff und CO erzeugt wird.
  • BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Science Highlight
    23.09.2026
    BESSY II: Erster Film von Spinwellen im Nano-Oszillator
    Spin-Hall-Nano-Oszillatoren sind winzige Bauelemente auf Basis von ultradünnen CoFeB-Schichten. Sie wandeln Gleichstrom in Mikrowellensignale um und gelten als Option für eine besonders effiziente drahtlose Kommunikation oder für eine neue Technologie der Datenverarbeitung, die vom Gehirn inspiriert ist. Ein schwedisch-deutsches Team konnte nun an BESSY II zum ersten Mal die Magnetisierungsdynamik im Inneren eines solchen Spin-Hall-Nano-Oszillators abbilden, sozusagen filmen. Dazu nutzten sie die zeitaufgelöste Röntgen-Rastertransmissionsmikroskopie am MAXYMUS-Instrument. Die Abbildungen zeigen Merkmale von Spinwellen, die in den bisherigen indirekten Messverfahren nicht sichtbar waren. Die Studie ist in „Advanced Materials“ veröffentlicht.
  • Gemeinsame Power statt doppelter Strukturen:
    Nachricht
    18.09.2026
    Gemeinsame Power statt doppelter Strukturen:
    Die Berliner Wissenschaft treibt ihre Forschungsexzellenz durch den Aufbau einer leistungsfähigen, institutionenübergreifend nutzbaren Daten- und KI-Infrastruktur weiter voran. Mit einer am 18. September 2026 unterzeichneten gemeinsamen Vereinbarung ebnen die Berlin University Alliance (BUA), das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) und das Zuse-Institut Berlin (ZIB) den Weg für ein gemeinsames Data-Science- und KI-Zentrum in Berlin-Dahlem und Adlershof.