In Gedenken an unseren Kollegen Dr. Andreas Gaupp
Wir trauern um unseren ehemaligen Kollegen Dr. Andreas Gaupp, der am 8. Oktober 2026 mit 78 Jahren viel zu früh von uns gegangen ist. Mit ihm verlieren wir einen brillanten Denker, einen geschätzten Kollegen und einen Mentor, der das Helmholtz-Zentrum Berlin und die Synchrotronstrahlungsgemeinschaft über Jahrzehnte in vieler Hinsicht maßgeblich geprägt hat.
Andreas Gaupp war als Experte für die Erzeugung von Synchrotronstrahlung an Speicherringen und Freie-Elektronen-Lasern (FEL) weltweit anerkannt. Insbesondere seine Expertise, wie sich die Strahlung mithilfe von Undulatoren und Monochromatoren erzeugen und optimieren lässt, war hoch geschätzt. Seine Arbeiten zur Polarisationscharakterisierung von Undulatoren sind nach wie vor von unschätzbarem Wert für eine große Nutzergemeinde weltweit.
An seine Promotion an der Freien Universität Berlin, für welche er den Otto-Klung-Preis erhielt, schloss sich 1980 eine einjährige Forschungstätigkeit an der Stanford University in der Gruppe von John Madey an. Hier wurde vier Jahre zuvor der weltweit erste FEL erfolgreich in Betrieb genommen.
Nach seiner Rückkehr aus den USA arbeitete Andreas Gaupp an einem DFG-geförderten Projekt, um die Möglichkeiten eines speicherringbasierten FELs am neuen Speicherring BESSY zu evaluieren. 1985 wurde er dann regulärer Mitarbeiter bei BESSY. Fortan arbeitete er gleichermaßen auf den Gebieten der Undulatorentwicklung und Strahlcharakterisierung, insbesondere der Polarimetrie. 1991 wurde der erste gekreuzte Undulator weltweit bei BESSY fertiggestellt und erfolgreich installiert. Dieser Undulatortyp ermöglicht wahlweise die Erzeugung von horizontal/vertikal linearer oder elliptischer/zirkularer Strahlung, was neue experimentelle Möglichkeiten brachte.
Von 1985 bis 1998 war Andreas Gaupp zusätzlich verantwortlich für die Zusammenstellung der BESSY-Jahresberichte. In dieser Zeit gewann er seinen umfassenden Überblick über die wissenschaftlichen Arbeiten und die spektroskopischen Bedürfnisse der BESSY-Nutzenden. Er hatte wesentlichen Anteil an den beiden BESSY II-Studien zum Scientific Case und zur technischen Umsetzung (1886, 1989), die eine wesentliche Voraussetzung für den Bau der Nachfolgemaschine BESSY II waren. Parallel zu diesen Aufgaben hat er maßgeblich zur Entwicklung der Polarimetrie mit Multilayer-Optiken für den weichen Röntgenbereich beigetragen und damit weltweite Standards gesetzt.
Andreas Gaupp war extrem hilfsbereit, konnte zuhören, hat sich Zeit genommen für Mitarbeitende, Doktoranden und Nutzergruppen und war unverzichtbar für den sozialen Zusammenhalt bei BESSY. Mit viel Engagement war er jahrelang als Mitarbeitenden-Vertreter im Aufsichtsrat tätig.
Sein regelmäßiges Cello-Spiel im Symphonieorchester Schöneberg (SOS) hat ihm über viele Jahre die innere Ruhe und Ausgeglichenheit für neue schöpferische Tätigkeiten beschert.
Nach seinem Ausscheiden 2013 widmete sich Andreas Gaupp weiterhin mit vollem Elan der Inbetriebnahme und Optimierung des anspruchsvollen EMIL-Doppelstrahlrohres an BESSY II, insbesondere des Doppelkristall-Monochromators. Er empfand es als schweren Verlust, dass er in den letzten beiden Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mit der gewünschten Intensität weiterarbeiten konnte.
Mit Andreas Gaupp verlieren wir einen hervorragenden, international hochgeschätzten Wissenschaftler und Lehrer. Wir werden seine unerschöpfliche Neugier, sein permanentes Interesse an neuen Entwicklungen und seine Begeisterungsfähigkeit sehr vermissen.
Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seiner Frau, seinen drei Töchtern und acht Enkelkindern.
Kondolenzbuch
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