Elektrokatalyse unter dem Rasterkraftmikroskop

Mit der neuen Methode wurde die Oberfläche eines bimetallischen Katalysatormaterials in einem wässrigen Medium abgerastert. Die Abbildung zeigt eine Überlagerung des Stromsignals auf eine dreidimensionale Darstellung des Höhenbildes. Dabei sind inselartige Bereiche zu erkennen.

Mit der neuen Methode wurde die Oberfläche eines bimetallischen Katalysatormaterials in einem wässrigen Medium abgerastert. Die Abbildung zeigt eine Überlagerung des Stromsignals auf eine dreidimensionale Darstellung des Höhenbildes. Dabei sind inselartige Bereiche zu erkennen. © M. Munz/HZB

Das Prinzip der korrelativen Rasterkraftmikroskopie: Eine feine Spitze am Ende eines Federbalkens tastet die Oberfläche ab. Dadurch lassen sich Kraftwechselwirkungen zwischen Spitze und Probenoberfläche messen, einschließlich der Reibungskräfte. Liegt zusätzlich eine Spannung an, kann auch der durch den Kontakt fliessende elektrische Strom gemessen werden.

Das Prinzip der korrelativen Rasterkraftmikroskopie: Eine feine Spitze am Ende eines Federbalkens tastet die Oberfläche ab. Dadurch lassen sich Kraftwechselwirkungen zwischen Spitze und Probenoberfläche messen, einschließlich der Reibungskräfte. Liegt zusätzlich eine Spannung an, kann auch der durch den Kontakt fliessende elektrische Strom gemessen werden.

Eine Weiterentwicklung der Rasterkraftmikroskopie macht es nun möglich, das Höhenprofil nanometerfeiner Strukturen sowie den elektrischen Strom und die Reibungskraft an fest-flüssig Grenzflächen zeitgleich abzubilden. Damit gelang es einem Team am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) sowie am Fritz-Haber-Institut (FHI) der Max-Planck-Gesellschaft, elektrokatalytisch aktive Materialien zu analysieren und Einblicke zu gewinnen, die für die Katalysatoroptimierung hilfreich sind. Die Methode eignet sich darüber hinaus auch, um Prozesse an Batterieelektroden, bei der Photokatalyse oder an aktiven Biomaterialien zu untersuchen.

Um die Energiewende zu meistern, kommt es auch darauf an, günstige und effiziente Materialien zu entwickeln, die für die Aufspaltung von Wasser oder CO2 durch Elektrokatalyse eingesetzt werden können. Dabei wird ein Teil der elektrischen Energie in den chemischen Reaktionsprodukten gespeichert. Wie effizient solche Elektrokatalysatoren ihre Aufgabe erfüllen, hängt stark davon ab, wie Grenzflächen zwischen Elektroden und Elektrolyt beschaffen sind: Es handelt sich dabei um Grenzflächen zwischen den festen Elektroden und dem typischerweise wässrigen Elektrolyten. Doch eine ortsaufgelöste physikalische Untersuchung solcher fest-flüssig-Grenzflächen war bisher kaum verfügbar.

Rasterkraftmikroskopie kann jetzt mehr

Dr. Christopher S. Kley hat nun mit seinem Team einen neuen Ansatz für die korrelative Rasterkraftmikroskopie entwickelt. Hierbei wird eine extrem scharfe Spitze berührend über die Oberfäche gerastert und deren Höhenprofil aufgezeichnet. Mit der am Ende eines miniaturisierten Federbalkens angebrachten Spitze lassen sich die Kraftwechselwirkungen zwischen Spitze und Probenoberfläche mit hoher Empfindlichkeit messen, einschließlich der Reibungskräfte. Außerdem kann der durch den mechanischen Kontakt fließende elektrische Strom gemessen werden, sofern eine Spannung anliegt. „Damit konnten wir in situ (also unter relevanten Flüssigphasen-Bedingungen, statt im Vakuum oder an der Luft) die elektrische Leitfähigkeit, die mechanisch-chemische Reibung und die morphologischen Eigenschaften bestimmen, und zwar zeitgleich“, betont Kley.

Kupfer-Gold-Elektrokatalysator

Mit dieser Methode untersuchte die Gruppe in Zusammenarbeit mit Prof. Beatriz Roldán Cuenya vom Fritz-Haber-Institut (FHI) nun einen nanostrukturierten und bimetallischen Kupfer-Gold-Elektrokatalysator. Solche Materialien werden beispielsweise für die elektrokatalytische Umwandlung von CO2 in Energieträger eingesetzt. „Wir konnten sehr deutlich Inseln aus Kupferoxid identifizieren, die einen höheren elektrischen Widerstand aufweisen, aber auch Korngrenzen und niedrigleitende Bereiche in der Hydratationsschicht, wo die Katalysatoroberfläche mit dem wässrigen Elektrolyten in Berührung kommt“, sagt Dr. Martin Munz, Erstautor der Studie.

Solche Ergebnisse zu Katalysator-Elektrolyt-Grenzflächen helfen, diese gezielt zu optimieren. „Wir können nun beobachten, wie lokale elektrochemische Umgebungen den Ladungstransfer an der Grenzfläche beeinflussen“, sagt Kley.

Fest-flüssig Grenzflächen im Fokus

„Unsere Ergebnisse sind aber auch generell für die Energieforschung von Interesse, insbesondere die Forschung an elektrochemischen Umwandlungsprozessen, die unter anderem in Batteriesystemen eine Rolle spielen“. Einsichten in fest-flüssig-Grenzflächen können aber auch in ganz anderen Forschungsgebieten hilfreich sein, zum Beispiel für das Verständnis von Korrosionsprozessen, Nanosensorik-Systemen, bis hin zu Fragestellungen in der Fluidik und den Umweltwissenschaften, beispielsweise Auflösungs- oder Ablagerungsprozesse an Metalloberflächen.

Hinweis: Die Weiterentwicklung dieser Messmethode erfolgte im Rahmen des CatLab – Projekts, in dem Teams aus HZB und FHI gemeinsam an der Entwicklung von Dünnschicht-Katalysatoren für die Energiewende arbeiten.  

arö

  • Link kopieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • 3D-Magnetfeld-Experiment an BESSY II bringt Spintronik voran
    Science Highlight
    07.09.2026
    3D-Magnetfeld-Experiment an BESSY II bringt Spintronik voran
    (Fe0.63Ni0.3Pd0.07)3P oder kurz FNPP ist ein magnetisches Material, das auch schon bei Raumtemperatur komplexe magnetische Strukturen zeigt. Das macht das Material für die Spintronik interessant, die Datenverarbeitung mit deutlich weniger Energieeinsatz ermöglichen würde, zum Beispiel neuartige Datenspeicher. Allerdings müsste es dafür gelingen, die gewünschten Strukturen kontrolliert zu erzeugen und zu verändern, und das ist bisher noch eine Herausforderung. Eine neue Studie unter Federführung des HZB ist hier nun einen Schritt vorangekommen. Mit einem weltweit einzigartigen Instrument, dem VEKMAG an BESSY II, zeigten sie, dass ein sehr kleines äußeres Magnetfeld in der Ebene der Strukturen ausreicht, um diese zu verändern.
  • Grüner Wasserstoff: Ultradünne Nickeloxidschichten erweisen sich als überlegen
    Science Highlight
    04.09.2026
    Grüner Wasserstoff: Ultradünne Nickeloxidschichten erweisen sich als überlegen
    Ultradünne Nickeloxid-Beschichtungen können die Leistung von Wasserelektrolyseuren mit Anionenaustauschmembran (AEM) deutlich verbessern. Dies hat ein Team um Dr. Michelle Browne nachgewiesen: Eine nur 10 Nanometer dicke Nickeloxidschicht übertrifft dabei die Leistung von herkömmlichen Nickeloxid-Pulverelektroden, benötigt dabei jedoch weniger als 1 % des Katalysatormaterials. Die Studie ist im „Journal of Materials Chemistry A“ veröffentlicht.
  • BESSY II gibt Einblick in die Oxidationsprozesse von Kupfer
    Science Highlight
    02.09.2026
    BESSY II gibt Einblick in die Oxidationsprozesse von Kupfer
    Bevor sich reines Kupferoxid bildet, entstehen komplexe Superstrukturen aus Kupfer- und Sauerstoffatomen wie „29“CuxO. Einblicke in diese  „29“-CuxO-Superstruktur sind relevant für die Katalysatorforschung und den Korrosionsschutz bei der Entwicklung von Kupferbehältern für Endlager für radioaktive Abfälle.